Suhlen
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Definition & Überblick
Unter Suhlen (auch: Suhlverhalten) versteht die Ethologie das gezielte Wälzen, Rollen oder Liegen eines Tieres in feuchtem Substrat – typischerweise in Schlamm, Morast, nassem Sand oder wassergesättigter Erde. Die dabei aufgesuchte Stelle wird als Suhle (Fachbegriff: Wallow) bezeichnet. Das Verhalten zählt zum Funktionskreis der Körperpflege (Komfortverhalten) und ist zugleich ein thermoregulatorisches Verhalten, das bei einer Reihe von Säugetierordnungen zu beobachten ist. Im Gegensatz zum bloßen Baden in klarem Wasser oder zum trockenen Sandbaden ist für das Suhlen die Kombination aus Feuchtigkeit und partikelhaltiger Masse kennzeichnend, die als Schicht auf der Haut oder dem Fell haften bleibt.
Das Suhlen ist ein phylogenetisch altes, weitgehend angeborenes Verhaltensmuster, das durch innere Reize (Thermoregulation, Juckreiz, Parasitenbefall) und äußere Reize (Temperatur, Verfügbarkeit einer Suhle) ausgelöst wird. In der klassischen Instinkttheorie nach Konrad Lorenz lässt sich das Suhlen als Endhandlung einer Appetenzsequenz beschreiben: Das Tier sucht aktiv eine geeignete Stelle auf, prüft das Substrat und leitet dann die arttypische Motorik des Wälzens ein.
Biologischer Hintergrund
Die biologische Grundlage des Suhlverhaltens ist eng mit der Hautphysiologie und der Thermoregulation der jeweiligen Art verknüpft. Viele Tierarten, die ausgeprägt suhlen, besitzen nur wenige oder gar keine funktionsfähigen Schweißdrüsen. Da sie überschüssige Körperwärme nicht effizient durch Transpiration abgeben können, nutzen sie die Verdunstungskühle des nassen Schlamms als passiven Kühlmechanismus. Der auf der Haut trocknende Schlamm entzieht dem Körper über einen längeren Zeitraum Wärme – ein Effekt, der deutlich nachhaltiger wirkt als ein kurzes Bad in Wasser.
Darüber hinaus erfüllt die getrocknete Schlammschicht eine mechanische Schutzfunktion. Sie bildet eine Barriere gegen blutsaugende Ektoparasiten wie Bremsen, Zecken und Stechmücken, schützt empfindliche Hautpartien vor UV-Strahlung und verhindert in bestimmtem Umfang den Befall durch Hautpilze. Beim anschließenden Abtrocknen und Abscheuern der Schlammkruste – etwa an Bäumen oder Felsen – werden eingebettete Parasiten, Larven und abgestorbene Hautzellen mit entfernt, was das Suhlen funktionell mit dem Grooming (Fellpflege) vergleichbar macht.
Neurobiologisch wird das Suhlverhalten über hypothalamische Zentren der Temperaturregulation gesteuert. Steigende Körperkerntemperatur und periphere Thermorezeptoren in der Haut setzen die Appetenz zur Suhlstelle in Gang. Zugleich wirkt das Suhlen stressreduzierend: Studien an Hausschweinen zeigen nach dem Suhlen signifikant niedrigere Cortisolspiegel, was auf eine Beteiligung des endokrinen Stresssystems hindeutet.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Das Suhlverhalten ist taxonomisch breit verteilt, konzentriert sich aber auf bestimmte Säugetiergruppen:
- Suidae (Schweineartige): Wildschwein (Sus scrofa), Hausschwein, Warzenschwein, Pinselohrschwein – Schweine gelten als die bekanntesten Suhler. Sie besitzen kaum funktionsfähige Schweißdrüsen und sind auf externe Kühlung angewiesen.
- Rhinocerotidae (Nashörner): Alle fünf rezenten Nashornarten suhlen regelmäßig. Die Schlammschicht schützt ihre nahezu haarlose, empfindliche Haut vor Insekten und Sonnenbrand.
- Hippopotamidae (Flusspferde): Neben dem Aufenthalt im Wasser nutzen Flusspferde schlammige Uferbereiche gezielt zum Suhlen.
- Elephantidae (Elefanten): Afrikanische und Asiatische Elefanten besprühen sich mit Schlamm und wälzen sich in feuchter Erde – ein Verhalten, das zugleich soziale Komponenten aufweist.
- Bovidae und Cervidae (Hornträger und Hirsche): Wisente, Wasserbüffel und Rothirsche suhlen regelmäßig. Beim Rothirsch (Cervus elaphus) ist das Suhlen besonders während der Brunft ausgeprägt und dient zusätzlich der olfaktorischen Markierung: Der Hirsch uriniert in die Suhle und wälzt sich darin, um seinen Geruch großflächig auf dem Körper zu verteilen – ein Verhalten an der Schnittstelle zwischen Komfortverhalten und Territorialverhalten.
- Tapire, Pekaris und Nabelschweine: Auch diese Gruppen nutzen Suhlen regelmäßig in tropischen und subtropischen Lebensräumen.
Bemerkenswert ist, dass auch einige Vögel – etwa bestimmte Hühnervögel – sich in feuchter Erde wälzen, wobei dieser Übergangsbereich zum Staubbaden fließend ist.
Auslöser & Funktion
Die Auslöser des Suhlverhaltens lassen sich in proximale und ultimate Kategorien einteilen:
- Proximate Auslöser: Hohe Umgebungstemperatur, direkte Sonneneinstrahlung, Insektendruck, Juckreiz durch Ektoparasiten, erhöhte Körpertemperatur nach Aktivität oder Nahrungsaufnahme.
- Ultimate (evolutionäre) Funktionen: Thermoregulation, Parasitenschutz, Hautpflege, UV-Schutz, olfaktorische Kommunikation (insbesondere bei Cerviden und Suiden während der Fortpflanzungszeit).
Beim Rothirsch übernimmt die Suhle eine zentrale Rolle im Sozialverhalten: Dominante Hirsche monopolisieren Suhlplätze, und der dort aufgetragene individuelle Geruch fungiert als chemisches Signal ge