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Übergewicht

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Futter & Ernährung > Fütterung & Praxis

Definition & Überblick

Übergewicht (Adipositas) bei Tieren liegt vor, wenn das Körpergewicht das rassetypische Idealgewicht um mehr als 10–15 % übersteigt. Ab einer Überschreitung von 20 % spricht man von Fettleibigkeit. Das Problem zählt zu den häufigsten ernährungsbedingten Erkrankungen bei Hunden, Katzen, Pferden, Kaninchen und Ziervögeln. Schätzungen zufolge sind in Industrieländern rund 40–60 % aller Haushunde und -katzen übergewichtig.

Die Ursache ist in den meisten Fällen ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Zu große Futterrationen, energiereiche Leckerlis, mangelnde Bewegung und eine nicht angepasste Fütterungspraxis führen dazu, dass der Körper überschüssige Energie als Fettgewebe einlagert. Seltener spielen hormonelle Erkrankungen wie Hypothyreose oder Cushing-Syndrom eine Rolle. Kastration senkt den Energiebedarf um etwa 25–30 % und ist ein weiterer häufiger Risikofaktor.

Die Folgen von Übergewicht sind gravierend: Gelenkerkrankungen, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Probleme, Leberverfettung, eine erhöhte Narkoseanfälligkeit und eine nachweislich verkürzte Lebenserwartung. Eine gezielte Gewichtsreduktion über eine kontrollierte Futterration und angepasste Futtermenge ist daher keine kosmetische Maßnahme, sondern medizinisch notwendig.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe einer Reduktionsdiät

Bei der Gewichtsreduktion geht es nicht darum, einfach weniger vom gewohnten Futter zu geben. Eine reine Mengenreduktion führt häufig zu einer Unterversorgung mit Protein, Vitaminen und Mineralstoffen. Stattdessen kommen spezielle Diätfuttermittel zum Einsatz, die als Alleinfuttermittel formuliert sind und folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Reduzierter Fettgehalt: Der Fettanteil wird deutlich gesenkt (bei Hunden oft auf 6–10 % in der Trockensubstanz), da Fett mit rund 9 kcal pro Gramm der energiedichteste Nährstoff ist.
  • Erhöhter Proteingehalt: Ein hoher Proteinanteil (mindestens 30–35 % in der Trockensubstanz bei Hunden, 40–45 % bei Katzen) schützt die Muskelmasse während der Gewichtsabnahme und fördert das Sättigungsgefühl.
  • Hoher Rohfasergehalt: Rohfaser (8–15 %) sorgt für Volumen im Magen-Darm-Trakt, verlangsamt die Magenentleerung und unterstützt eine längere Sättigung.
  • Vollständige Vitamin- und Mineralstoffversorgung: Trotz reduzierter Energiedichte müssen alle essenziellen Mikronährstoffe – darunter Calcium, Phosphor, Zink, B-Vitamine und fettlösliche Vitamine (A, D, E) – in bedarfsgerechter Menge enthalten sein.
  • L-Carnitin: Dieser Nährstoff unterstützt den Fettsäuretransport in die Mitochondrien und wird vielen Reduktionsdiäten zugesetzt.

Für welche Tiere geeignet?

Übergewicht betrifft nahezu alle Tierarten in menschlicher Obhut. Besonders häufig betroffen sind:

  • Hunde: Vor allem kastrierte, ältere Tiere und bestimmte Rassen wie Labrador Retriever, Beagle, Cocker Spaniel und Mops neigen zu Übergewicht.
  • Katzen: Wohnungskatzen mit wenig Bewegung und freiem Zugang zum Futternapf sind besonders gefährdet. Kastrierte Kater entwickeln am häufigsten Adipositas.
  • Kaninchen und Meerschweinchen: Zu viel Trockenfutter, Getreideflocken und zu wenig Heu führen schnell zu Verfettung.
  • Pferde und Ponys: Robustrassen und Ponys verwerten energiereiches Weidegras extrem effizient. Übergewicht erhöht hier massiv das Risiko für Hufrehe und das Equine Metabolische Syndrom.
  • Ziervögel: Wellensittiche und Amazonen nehmen bei reiner Körnerfütterung mit hohem Fettanteil schnell zu.

Trächtige, laktierende oder wachsende Tiere dürfen keiner Reduktionsdiät unterzogen werden. Hier überwiegt der erhöhte Nährstoffbedarf.

Fütterungsempfehlung

Eine erfolgreiche Gewichtsreduktion erfordert eine strukturierte Vorgehensweise:

  • Zielgewicht festlegen: Gemeinsam mit dem Tierarzt wird das Idealgewicht bestimmt. Die tägliche Futtermenge orientiert sich am Zielgewicht, nicht am aktuellen Gewicht.
  • Energiebedarf berechnen: Der Ruheenergiebedarf (RER) für das Zielgewicht wird berechnet und dann um 20–40 % reduziert, je nach Schwere der Adipositas.
  • Futtermenge exakt abwiegen: Schätzungen sind die häufigste Fehlerquelle. Jede Mahlzeit sollte mit einer Küchenwaage portioniert werden.
  • Fütterungsintervall anpassen: Mehrere kleine Mahlzeiten (2–4 pro Tag) stabilisieren den Blutzuckerspiegel und reduzieren Bettelverhalten. Freie Fütterung (ad libitum) ist bei übergewichtigen Tieren kontraindiziert.
  • Leckerlis einrechnen: Sämtliche Snacks und Belohnungen müssen in die tägliche Futterration eingerechnet werden. Kalorienarme Alternativen wie Gurkenstücke, Karottensticks oder spezielle Diätleckerlis sind vorzuziehen.
  • Wöchentliche Gewichtskontrolle: Eine Abnahme von 1–2 % des Körpergewichts pro Woche gilt als gesund und nachhaltig.

Vorteile & Nachteile einer gezielten Gewichtsreduktion

  • Vorteile: Entlastung der Gelenke,