Untergewicht
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Definition & Überblick
Untergewicht bei Tieren liegt vor, wenn das Körpergewicht deutlich unter dem rassetypischen oder arttypischen Idealgewicht liegt und der Körperfettanteil so gering ist, dass Rippen, Beckenknochen oder Wirbelsäule sichtbar hervortreten. Tierärzte nutzen zur Bewertung den sogenannten Body Condition Score (BCS), eine standardisierte Skala, die je nach Tierart von 1 (stark abgemagert) bis 5 oder 9 (stark übergewichtig) reicht. Ein Tier gilt als untergewichtig, wenn es auf dieser Skala im unteren Viertel eingestuft wird.
Die Ursachen für Untergewicht sind vielfältig: chronische Erkrankungen, Parasitenbefall, Zahnprobleme, Stress, unzureichende Futterqualität, zu geringe Futtermengen oder ein erhöhter Energiebedarf – etwa bei trächtigen, laktierenden oder sehr aktiven Tieren. Bevor die Fütterung angepasst wird, muss grundsätzlich eine tierärztliche Abklärung erfolgen, um krankheitsbedingte Ursachen auszuschließen. Erst danach ist eine gezielte Ernährungsumstellung sinnvoll und sicher.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Um ein untergewichtiges Tier wieder auf sein Idealgewicht zu bringen, muss die Futterration eine höhere Energiedichte aufweisen als das übliche Erhaltungsfutter. Die entscheidenden Nährstoffe und ihre Rolle:
- Fett: Mit rund 9 kcal pro Gramm ist Fett der wichtigste Energielieferant. Hochwertige Fettquellen wie Lachsöl, Geflügelfett oder Leinöl eignen sich besonders, da sie gleichzeitig essenzielle Fettsäuren (Omega-3, Omega-6) liefern.
- Protein: Ein erhöhter Proteingehalt aus hochverdaulichen Quellen (Muskelfleisch, Ei, Molkeprotein) unterstützt den Aufbau von Muskelmasse und verhindert, dass der Körper körpereigenes Eiweiß zur Energiegewinnung abbaut.
- Rohfaser: Der Rohfasergehalt sollte moderat bleiben, da eine zu hohe Rohfaserzufuhr die Energiedichte der Gesamtration senkt und die Verdaulichkeit verringert.
- Vitamine und Mineralstoffe: B-Vitamine fördern den Appetit und den Energiestoffwechsel. Zink, Eisen und Vitamin A unterstützen die Regeneration von Haut, Schleimhäuten und Immunsystem, die bei untergewichtigen Tieren häufig geschwächt sind.
- Leicht verdauliche Kohlenhydrate: Gekochter Reis, Kartoffeln oder Haferflocken liefern schnell verfügbare Energie, ohne den Magen-Darm-Trakt zu belasten.
Für welche Tiere geeignet?
Untergewicht kann grundsätzlich bei allen Heim-, Nutz- und Wildtieren auftreten. Besonders häufig betroffen sind:
- Hunde und Katzen aus dem Tierschutz, nach Krankheiten oder mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen
- Pferde nach langem Transport, bei Zahnproblemen, im hohen Alter oder nach Wurmbefall
- Kaninchen und Meerschweinchen nach Infektionen oder bei chronischer Fehlernährung
- Vögel (Papageien, Wellensittiche), die unter Stress, Federrupfen oder Organerkrankungen leiden
- Nutztiere wie Rinder, Schafe und Ziegen bei mangelhafter Weidequalität oder hohem Parasitenbefall
Die Fütterungsstrategie unterscheidet sich erheblich zwischen Fleischfressern, Pflanzenfressern und Allesfressern. Eine artgerechte Nährstoffzusammensetzung ist dabei unerlässlich – was beim Hund funktioniert, kann für ein Kaninchen schädlich sein.
Fütterungsempfehlung
Die Gewichtszunahme sollte langsam und kontrolliert erfolgen. Eine zu rasche Auffütterung kann das sogenannte Refeeding-Syndrom auslösen – eine potenziell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, bei der es zu schweren Elektrolytverschiebungen kommt. Folgende Grundsätze gelten:
- Futtermenge schrittweise steigern: In der ersten Woche nur 50–75 % des errechneten Zielbedarfs füttern, dann über zwei bis drei Wochen auf die volle Menge erhöhen.
- Fütterungsintervall anpassen: Statt zwei großer Mahlzeiten besser vier bis sechs kleinere Portionen über den Tag verteilen. Das entlastet den Verdauungstrakt und verbessert die Nährstoffaufnahme.
- Energiedichte erhöhen: Einen Esslöffel hochwertiges Öl pro 10 kg Körpergewicht (bei Hunden) über das Futter geben. Bei Pferden eignen sich Reiskleie, Leinsamen oder spezielle Hochenergie-Müslis.
- Regelmäßig wiegen: Eine wöchentliche Gewichtskontrolle hilft, den Fortschritt zu dokumentieren. Anzustreben ist eine Zunahme von 1–2 % des Körpergewichts pro Woche.
Bei Katzen empfiehlt es sich, ein Alleinfuttermittel mit mindestens 12 % Fett und 10 % Protein in der Feuchtsubstanz zu wählen. Ergänzungsfuttermittel wie Aufbaupaste oder hochkalorische Flüssignahrung können zusätzlich angeboten werden, ersetzen aber keine vollständige Futterration.
Vorteile & Nachteile
Vorteile einer gezielten Auffütterung:
- Wiederherstellung der Muskulatur und der Körperreserven
- Stärkung des Immunsystems und schnellere Genesung
- Verbesserung von Fell- und Hautqualität durch ausreichende Fett- und Vitaminversorgung
- Steigerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität
Nachteile und Risiken: