Unterwerfen
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Definition & Überblick
Als Unterwerfen (auch Submission oder submissives Verhalten) bezeichnet die Ethologie ein komplexes Verhaltensmuster, bei dem ein Individuum gegenüber einem sozial überlegenen Artgenossen oder einem anderen Lebewesen aktiv Signale der Unterordnung zeigt. Diese Signale dienen dazu, einen Konflikt zu vermeiden, eine Eskalation zu beenden oder die eigene Position innerhalb einer sozialen Hierarchie anzuerkennen. Das Unterwerfen ist damit ein zentrales Element des Sozialverhaltens und gehört funktionell zur agonistischen Kommunikation – jenem Verhaltensbereich also, der Konflikte zwischen Individuen regelt, ohne dass es zwangsläufig zu Verletzungen kommen muss.
Typische Submissionsgesten umfassen das Absenken des Körpers, das Abwenden des Blicks, das Anlegen von Ohren oder Federn, das Entblößen verletzlicher Körperregionen wie der Kehle oder des Bauches sowie verschiedene Lautäußerungen. Die genaue Ausprägung ist artspezifisch und reicht von subtilen Körperhaltungen bis hin zu ritualisierten Verhaltenssequenzen, die im Laufe der Evolution zu regelrechten Beschwichtigungssignalen (Appeasement Signals) geformt wurden.
Biologischer Hintergrund
Aus evolutionsbiologischer Sicht ist das Unterwerfen eine adaptive Strategie, die den Fitnessvorteil des unterlegenen Individuums sichert. Physische Auseinandersetzungen sind energetisch kostspielig und bergen stets das Risiko von Verletzungen oder Tod. Submissives Verhalten bietet einen Mechanismus, der es ermöglicht, die Kosten-Nutzen-Bilanz eines Konflikts zugunsten beider Beteiligter zu verschieben: Der Überlegene muss keine Energie für einen Kampf aufwenden, und der Unterlegene vermeidet Verletzungen.
Neurobiologisch wird submissives Verhalten durch ein Zusammenspiel verschiedener Systeme gesteuert. Die Amygdala spielt bei der Bewertung sozialer Bedrohungen eine zentrale Rolle, während serotonerge und dopaminerge Schaltkreise die Bereitschaft zur Submission modulieren. Bei vielen Wirbeltieren korreliert ein niedriger sozialer Rang mit veränderten Corticosteronspiegeln (bei Vögeln und Reptilien) bzw. Cortisolspiegeln (bei Säugetieren), was die physiologische Grundlage submissiven Verhaltens widerspiegelt.
Die Ontogenese des Unterwerfens ist artabhängig sowohl durch Instinkt als auch durch Lernprozesse geprägt. Grundlegende Submissionsgesten sind häufig angeboren – etwa das Sich-auf-den-Rücken-Drehen bei Caniden –, werden jedoch durch individuelle Erfahrung, soziale Konditionierung und Beobachtungslernen verfeinert und kontextabhängig eingesetzt.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Submissives Verhalten findet sich bei nahezu allen sozial lebenden Tierarten, besonders ausgeprägt jedoch bei Spezies mit differenzierten Rangordnungen:
- Caniden (Wölfe, Hunde, Wildhunde): Zu den bekanntesten Formen gehören die sogenannte aktive Submission (geduckte Körperhaltung, angelegte Ohren, Lecken der Schnauze des Überlegenen) und die passive Submission (Sich-auf-den-Rücken-Rollen mit exponiertem Bauch, gelegentlich begleitet von Urinabsatz).
- Primaten: Schimpansen, Gorillas und viele Affenarten zeigen Unterwerfung durch Präsentieren des Hinterteils, Ducken, Grinslaute, Wegblicken und sogenanntes „Zähnefletsch-Grinsen", das vom aggressiven Drohen klar zu unterscheiden ist.
- Vögel: Bei Hühnervögeln äußert sich Submission durch Ducken und Wegrennen innerhalb der Hackordnung. Rabenvögel zeigen ritualisiertes Abwenden des Schnabels und geduckte Haltung.
- Fische: Buntbarsche und andere Arten mit ausgeprägtem Territorialverhalten zeigen Submission durch Blass-Färbung, Anlegen der Flossen und Fluchtverhalten.
- Reptilien: Bei einigen Eidechsenarten signalisieren Kopfnicken oder flaches Pressen des Körpers gegen den Boden Unterordnung gegenüber dominanten Rivalen.
Auch bei solitär lebenden Arten treten submissive Elemente auf, etwa während der Paarungszeit, wenn ein Partner – häufig das Männchen – durch deeskalierendes Verhalten die Aggressionsbereitschaft des anderen herabsetzt.
Auslöser & Funktion
Die Auslöser für submissives Verhalten sind vielfältig und kontextabhängig:
- Drohsignale eines überlegenen Individuums (Fixieren, aufgerichtete Körperhaltung, Drohlautäußerungen)
- Physische Unterlegenheit – etwa bei Jungtieren gegenüber adulten Artgenossen
- Territoriale Konflikte, bei denen ein Eindringling auf den Revierbesitzer trifft
- Erfahrungsbasierte Einschätzung der eigenen Kampfstärke nach vorherigen Niederlagen (Winner-Loser-Effekt)
Funktionell erfüllt das Unterwerfen mehrere Aufgaben: Es wirkt als Aggressionshemmer beim Gegenüber, stabilisiert bestehende Dominanzhierarchien, reduziert innerartliche Aggression und ermöglicht dem unterlegenen Tier den Verbleib in der sozialen Gruppe – mit allen Vorteilen des Gruppenlebens wie gemeinsamer Nahrungssuche, Schutz vor Prädatoren und Zugang zu Fortpflanzungspartnern.
Bedeutung für die Haltung
In der Heimtierhaltung und Nutztierhaltung ist das Verständnis submissiven Verhaltens von erheblicher praktischer Bedeutung. Halter von Hunden sollten wissen, dass submissive Gesten keine Schuldeingeständnisse darstellen, sondern Stresssignale und Deeskalationsversuche. Bestrafung eines bereits submissiv reagierenden Tieres ist kontraproduktiv und kann zu erlernter Hilflosigkeit, chronischem Stress und Verhaltensstörungen führen.
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