Verbreitungsgebiet
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Definition und Überblick
Das Verbreitungsgebiet – in der Fachsprache auch als Areal oder Distributionsgebiet bezeichnet – umfasst die gesamte geographische Fläche, in der eine bestimmte Tierart unter natürlichen Bedingungen vorkommt. Es beschreibt also den räumlichen Rahmen, innerhalb dessen eine Spezies lebt, sich fortpflanzt und dauerhafte Populationen unterhält. Die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Erfassung und Analyse von Verbreitungsgebieten befasst, ist die Chorologie (Arealkunde), ein Teilgebiet der Biogeographie.
Vom Verbreitungsgebiet zu unterscheiden ist der Lebensraum (Habitat), der die konkreten ökologischen Bedingungen an einem bestimmten Ort beschreibt. Ein Beispiel: Das Verbreitungsgebiet des Rotfuchses erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel, doch sein Habitat kann ein Waldrand, eine Agrarlandschaft oder sogar ein städtisches Gebiet sein. Das Verbreitungsgebiet gibt also die großräumige geographische Ausdehnung an, während das Habitat die kleinräumigen Standortbedingungen bezeichnet.
Faktoren, die das Verbreitungsgebiet bestimmen
Welches Gebiet eine Tierart besiedelt, hängt von einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren ab:
- Klimatische Bedingungen: Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und jahreszeitliche Schwankungen setzen vielen Arten klare Grenzen. Tropische Arten etwa vertragen keinen Frost, während arktische Spezies auf kalte Klimazonen angewiesen sind.
- Geographische Barrieren: Ozeane, Gebirgsketten, Wüsten und große Flüsse wirken als natürliche Ausbreitungshindernisse. Sie erklären, warum eng verwandte Arten oft auf verschiedenen Kontinenten oder Inseln getrennt voneinander vorkommen.
- Nahrungsangebot und Ressourcen: Eine Art kann nur dort dauerhaft existieren, wo ausreichend Nahrung, Wasser, Nistplätze und andere essenzielle Ressourcen zur Verfügung stehen.
- Zwischenartliche Beziehungen: Konkurrenz mit anderen Arten, Fressfeinde, Parasiten und Krankheitserreger können eine Art aus bestimmten Regionen verdrängen oder ihr Vordringen in neue Gebiete verhindern.
- Erdgeschichtliche Entwicklung: Kontinentaldrift, Eiszeiten und frühere Landbrücken haben die heutige Verteilung vieler Tiergruppen maßgeblich geprägt. Die Beuteltiere Australiens sind ein klassisches Beispiel für eine erdgeschichtlich bedingte Verbreitung.
Arealtypen und Verbreitungsmuster
In der Biogeographie werden verschiedene Arealtypen unterschieden. Arten mit einem sehr großen Verbreitungsgebiet, das sich über mehrere Kontinente oder Klimazonen erstreckt, werden als kosmopolitisch bezeichnet. Ein Beispiel ist die Schleiereule, die auf allen Kontinenten außer der Antarktis vorkommt. Das Gegenstück dazu sind endemische Arten, deren Vorkommen auf ein eng begrenztes Gebiet beschränkt ist – etwa eine einzelne Insel, einen Berggipfel oder einen See. Die Lemuren Madagaskars oder der Komodowaran auf einigen wenigen indonesischen Inseln sind typische Endemiten.
Darüber hinaus gibt es disjunkte Areale, bei denen die Vorkommen einer Art in mehrere räumlich getrennte Teilgebiete zerfallen. Solche Verbreitungslücken deuten häufig auf frühere zusammenhängende Areale hin, die durch Klimaveränderungen, tektonische Prozesse oder menschliche Eingriffe aufgesplittert wurden. Man spricht dann von Reliktarealen, wenn eine ehemals weit verbreitete Art nur noch in kleinen Rückzugsgebieten überlebt – etwa der Quastenflosser, der heute nur noch vor den Komoren und in der Celebessee nachgewiesen ist.
Dynamik und Veränderung von Verbreitungsgebieten
Verbreitungsgebiete sind keine statischen Gebilde. Sie verändern sich laufend, manchmal über Jahrtausende, manchmal innerhalb weniger Jahrzehnte. Natürliche Prozesse wie Klimaschwankungen führen zu einer allmählichen Verschiebung der Arealgrenzen. Während der letzten Eiszeit etwa waren viele europäische Tierarten in südliche Refugialgebiete zurückgedrängt und breiteten sich nach der Erwärmung wieder nordwärts aus.
In jüngerer Zeit verursacht der anthropogene Klimawandel eine messbare Verschiebung von Verbreitungsgrenzen. Zahlreiche Vogelarten, Insekten und Meeresorganismen wandern polwärts oder in höhere Lagen. So hat sich etwa die Bienenfresser-Population in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten deutlich nach Norden ausgedehnt.
Auch der Mensch verändert Verbreitungsgebiete direkt – durch Lebensraumzerstörung, die Areale schrumpfen lässt, oder durch das absichtliche oder versehentliche Einschleppen von Neozoen (gebietsfremden Tierarten). Der Waschbär in Europa oder die Aga-Kröte in Australien sind Beispiele für Arten, die weit außerhalb ihres natürlichen Areals neue Gebiete besiedelt haben und dort teils erhebliche ökologische Schäden verursachen.
Bedeutung für den Artenschutz
Die genaue Kenntnis des Verbreitungsgebiets einer Art ist eine Grundvoraussetzung für wirksamen Naturschutz. Erst wenn bekannt ist, wo eine Art vorkommt und wie sich ihr Areal verändert, können gezielte Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Die Rote Liste der IUCN nutzt die Größe und Veränderungstendenz des Verbreitungsgebiets als eines der zentralen Kriterien zur Einstufung des Gefährdungsgrades.
Arten mit kleinem oder stark fragmentiertem Areal gelten grundsätzlich als stärker gefährdet, weil lokale Katastrophen – ein Waldbrand, eine Seuche, ein Extremwetterereignis – die gesamte Population auslöschen können. Die Einrichtung von Schutzgebieten und Biotopverbundsystemen orientiert sich deshalb eng an den tatsächlichen Verbreitungsdaten der zu schützenden Arten. Auch Wiederansiedlungsprojekte, etwa beim Europäischen