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Wandertier

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Definition und Überblick

Als Wandertier bezeichnet man eine Tierart, die regelmäßig oder saisonal größere Strecken zwischen verschiedenen Lebensräumen zurücklegt. Diese Ortsbewegungen – fachsprachlich als Migration oder Tierwanderung bezeichnet – folgen meist einem wiederkehrenden Muster und dienen der Nahrungs- und Wassersuche, der Fortpflanzung oder dem Ausweichen vor ungünstigen klimatischen Bedingungen. Im Gegensatz zu ortsgebundenen, sogenannten standorttreuen oder sedentären Arten, verlassen Wandertiere ihren angestammten Lebensraum zeitweise und kehren häufig nach Abschluss des Zyklus wieder zurück.

Wanderverhalten kommt in nahezu allen Tiergruppen vor: bei Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien, Amphibien und Insekten. Die zurückgelegten Distanzen variieren dabei von wenigen Dutzend Kilometern bis hin zu zehntausenden Kilometern, wie sie etwa die Küstenseeschwalbe auf ihrer jährlichen Route zwischen Arktis und Antarktis bewältigt.

Ursachen und Auslöser der Wanderung

Tierwanderungen werden durch ein Zusammenspiel innerer und äußerer Faktoren ausgelöst. Zu den endogenen Auslösern zählen hormonelle Veränderungen und eine genetisch verankerte innere Uhr, die den Wandertrieb steuert. Exogene Faktoren umfassen unter anderem:

  • Jahreszeitliche Klimaveränderungen – sinkende Temperaturen, veränderte Tageslichtlänge oder einsetzende Trockenperioden
  • Nahrungsverfügbarkeit – das Abwandern in Gebiete mit besserem Nahrungsangebot
  • Fortpflanzung – das Aufsuchen spezifischer Laich- oder Brutgebiete
  • Konkurrenz- und Feinddruck – das Ausweichen in weniger besiedelte Regionen

Bei vielen Vogelarten etwa ist die abnehmende Tageslänge im Herbst ein zentraler Trigger für den Beginn des Vogelzugs. Huftiere in afrikanischen Savannen orientieren sich dagegen am Einsetzen und Ausbleiben der Regenzeit.

Formen der Tierwanderung

Biologen unterscheiden mehrere Wanderungstypen, die sich in Entfernung, Regelmäßigkeit und Richtung unterscheiden:

  • Saisonale Migration – die häufigste Form, bei der Tiere zwischen Sommer- und Winterlebensraum pendeln. Beispiele sind Zugvögel wie der Weißstorch oder Huftiere wie das Gnu in der Serengeti.
  • Reproduktionswanderung – Wanderungen, die ausschließlich der Fortpflanzung dienen. Der Atlantische Lachs etwa zieht zum Laichen von den Ozeanen in die Flüsse seiner Geburt zurück (anadrome Wanderung). Der Europäische Aal wandert umgekehrt zum Laichen ins Meer (katadrome Wanderung).
  • Vertikalwanderung – Bewegungen zwischen verschiedenen Höhenlagen oder Wassertiefen. Gämsen und Steinböcke wechseln im Gebirge saisonal zwischen Hoch- und Tieflagen. Im Meer steigt Zooplankton nachts an die Oberfläche und sinkt tagsüber in die Tiefe ab.
  • Nomadische Wanderung – unregelmäßige Ortswechsel ohne festes Zielgebiet, abhängig von aktuellen Umweltbedingungen. Viele Wüstentiere und einige australische Vogelarten zeigen dieses Muster.
  • Einmalige Migration – Wanderungen, die nur einmal im Leben stattfinden und häufig mit dem Tod enden, etwa beim Pazifischen Lachs oder beim Monarchfalter, dessen einzelne Generationen jeweils nur einen Teil der Gesamtroute zurücklegen.

Orientierung und Navigation

Wandertiere nutzen eine erstaunliche Vielfalt an Orientierungsmechanismen, um ihre teils tausende Kilometer langen Routen zu finden. Zugvögel orientieren sich am Erdmagnetfeld mithilfe spezieller Magnetrezeptoren, am Stand der Sonne und der Sterne sowie an landschaftlichen Merkmalen wie Küstenlinien, Flussläufen und Gebirgszügen. Meeresschildkröten prägen sich das magnetische Profil ihres Geburtsstandes ein und finden so nach Jahrzehnten auf offener See dorthin zurück. Lachse erkennen ihren Heimatfluss anhand seines spezifischen chemischen Geruchsprofils. Insekten wie der Monarchfalter nutzen einen sonnenkompassgestützten Zeitsinn, der in ihren Antennen lokalisiert ist.

Dieses Zusammenspiel mehrerer Navigationssysteme – Fachleute sprechen von multimodaler Orientierung – erlaubt es den Tieren, selbst bei Ausfall eines Sinneskanals ihr Ziel zu erreichen.

Bekannte Wandertiere und ihre Routen

Zu den bekanntesten Wandertieren gehören:

  • Gnu (Connochaetes taurinus) – rund 1,5 Millionen Tiere ziehen jährlich in einer Ringwanderung durch die Serengeti und die Masai Mara, angetrieben vom Regen und dem damit verbundenen Graswachstum.
  • Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) – Rekordhalterin unter den Zugvögeln mit einer jährlichen Flugroute von bis zu 90.000 Kilometern zwischen arktischen Brutgebieten und antarktischen Überwinterungsplätzen.
  • Buckelwal (Megaptera novaeangliae) – wandert zwischen polaren Nahrungsgründen und tropischen Fortpflanzungsgebieten, wobei einzelne Populationen über 8.000 Kilometer pro Strecke zurücklegen.
  • Monarchfalter (Danaus plexippus) – vollzieht eine Mehrgenerationenwanderung zwischen Kanada und Zentralmexiko über bis zu 4.500 Kilometer.
  • Europäischer Aal (Anguilla anguilla) – wandert zum Laichen von europäischen Binnengewässern in die