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Zwergschwan

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Gänse & Schwäne

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cygnus bewickii (auch als Unterart Cygnus columbianus bewickii geführt)
  • Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
  • Familie: Entenvögel (Anatidae)
  • Gattung: Schwäne (Cygnus)
  • Lebensraum: Arktische Tundra (Brutgebiet), Feuchtwiesen, Seen und Küstengebiete (Überwinterung)
  • Größe: 115–140 cm Körperlänge, Flügelspannweite 170–195 cm
  • Gewicht: 3,5–7,8 kg
  • Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre in freier Wildbahn, in Einzelfällen über 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Zwergschwan ist die kleinste der drei in Europa vorkommenden Schwanenarten. Sein Gefieder ist rein weiß, bei Jungvögeln im ersten Lebensjahr jedoch graubraun mit fleischfarbenem Schnabel. Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem nah verwandten Singschwan (Cygnus cygnus) liegt in der Schnabelfärbung: Beim Zwergschwan nimmt die gelbe Partie an der Schnabelbasis deutlich weniger Fläche ein und reicht nicht bis zu den Nasenlöchern. Die Schnabelspitze ist schwarz. Die gelbe Schnabelzeichnung variiert individuell so stark, dass einzelne Vögel daran zuverlässig wiedererkannt werden können – eine Eigenschaft, die sich die Forschung seit Jahrzehnten zunutze macht.

Im Vergleich zum Höckerschwan (Cygnus olor) fehlt dem Zwergschwan der namensgebende Schnabelhöcker. Der Hals wird eher gerade und aufrecht getragen, nicht in der typischen S-Kurve des Höckerschwans. Die Beine und Füße sind schwarz. Insgesamt wirkt der Zwergschwan kompakter und gedrungener als seine größeren Verwandten, mit einem proportional kürzeren Hals.

Lebensraum & Verbreitung

Das Brutgebiet des Zwergschwans erstreckt sich über die arktische und subarktische Tundra Nordrusslands – von der Kola-Halbinsel im Westen bis zur Tschuktschen-Halbinsel im Osten. Die Brutvögel bevorzugen flache, sumpfige Tundra mit zahlreichen Seen, Teichen und Wasserläufen als Habitat.

Im Herbst ziehen die Zwergschwäne in ihre Überwinterungsgebiete in Westeuropa. Zu den wichtigsten Rastplätzen und Winterquartieren zählen die Niederländischen Polder, die britischen Feuchtgebiete – insbesondere die Ouse Washes und das Wildfowl & Wetlands Trust-Reservat in Slimbridge –, die deutsche Nordseeküste, das Havelland in Brandenburg sowie die Boddenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns. In Deutschland treten Zwergschwäne vor allem als Wintergäste und Durchzügler auf. Sie besiedeln dort Überschwemmungsflächen, Grünland, flache Seen und Küstenlagunen.

Die nordamerikanische Schwesterunterart, der Pfeifschwan (Cygnus columbianus columbianus), überwintert an den Küsten der USA. Ob Zwergschwan und Pfeifschwan als eigenständige Arten oder als Unterarten einer Spezies zu werten sind, wird in der Taxonomie unterschiedlich beurteilt.

Ernährung

Zwergschwäne ernähren sich überwiegend pflanzlich. In den Brutgebieten der Tundra stehen Wasserpflanzen, Gräser, Moose und Seggen auf dem Speiseplan. An den Überwinterungsplätzen in Westeuropa haben sich die Vögel stark an die Kulturlandschaft angepasst: Sie fressen auf abgeernteten Äckern Reste von Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide. Auf überschwemmten Grünlandflächen weiden sie Gräser und Kräuter ab. Im flachen Wasser gründeln sie nach Wurzeln, Knollen und untergetauchten Pflanzenteilen – dabei tauchen sie Kopf und Hals ein, während der Körper an der Oberfläche bleibt. Gelegentlich nehmen sie auch wirbellose Tiere wie Insektenlarven und kleine Muscheln auf, insbesondere während der energiezehrenden Brutzeit.

Verhalten & Lebensweise

Der Zwergschwan ist ein ausgeprägter Zugvogel, der jährlich Strecken von 3.000 bis 4.000 Kilometern zwischen Brutgebiet und Winterquartier zurücklegt. Die Zugrouten verlaufen über traditionelle Rastplätze, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Jungvögel erlernen die Route bei ihrem ersten Zug im Familienverband.

Außerhalb der Brutzeit sind Zwergschwäne gesellige Vögel, die in Trupps von wenigen Dutzend bis zu mehreren Hundert Individuen auftreten. Innerhalb dieser Gruppen bleiben Familienverbände – bestehend aus dem Paar und den Jungvögeln des Jahres – eng zusammen. Die Kommunikation erfolgt über weich klingende, melodische Rufe, die leiser und tiefer ausfallen als die Rufe des Singschwans. Im Flug ist ein rhythmisches Flügelgeräusch hörbar, jedoch weniger ausgeprägt als das charakteristische Flügelsingen des Höckerschwans.

Die Nahrungsaufnahme findet hauptsächlich tagsüber statt, bei Mondlicht oder in störungsarmen Gebieten jedoch auch nachts. Schlafplätze befinden sich meist auf offenem Wasser, wo die Vögel vor Bodenprädatoren geschützt sind.

Fortpflanzung & Aufzucht

Zwergschwäne führen eine lebenslange monogame Paarbindung. Die Balz umfasst synchrones Kopfnicken, gegenseitiges Eintauchen der Schnäbel ins Wasser und Lautäußerungen im Duett. Verpaarte Vögel bleiben ganzjährig zusammen.

Die Brutzeit beginnt Ende Mai bis Anfang Juni, sobald die Tundra schneefrei ist. Das Nest ist ein großer Hügel aus Pflanzenmaterial – Moos, Gräsern und Seggen –, der meist auf einer kleinen Erhebung nahe am Wasser errichtet wird. Das Weibchen legt drei bis fünf cremeweiße Eier, die es über einen Zeitraum von 29 bis 30