Afterklaue
AAnatomie & Körperbau > Extremitäten & Fortbewegung
Definition & Überblick
Die Afterklaue (lat. Ungula accessoria, auch Afterzehe oder Wolfsklaue genannt) bezeichnet eine rudimentäre Zehe, die sich proximal und palmar bzw. plantar der Hauptzehen an den Gliedmaßen bestimmter Säugetiere befindet. Es handelt sich um die Überreste der im Laufe der Evolution zurückgebildeten Zehen II und V (Digitus II und Digitus V), die bei den Vorfahren heutiger Paarhufer (Artiodactyla) noch voll funktionsfähig waren und Bodenkontakt hatten.
Afterklauen treten typischerweise bei Paarhufern wie Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und verschiedenen Wildwiederkäuern auf. Sie sind in der Regel deutlich kleiner als die beiden Hauptklauen (Digitus III und Digitus IV) und erreichen unter normalen Bedingungen nicht den Boden. Im klinischen Alltag der Veterinärmedizin besitzen sie vor allem dann Bedeutung, wenn sie durch Fehlstellungen, übermäßiges Wachstum oder Verletzungen zu Lahmheiten und Entzündungen führen.
Aufbau & Struktur
Morphologisch entspricht die Afterklaue einer stark reduzierten Zehe, deren anatomische Bestandteile je nach Tierart in unterschiedlichem Ausmaß erhalten geblieben sind. Der grundsätzliche Aufbau umfasst:
- Knöcherne Grundlage: In vielen Fällen sind rudimentäre Phalangen (Zehenglieder) vorhanden. Beim Rind finden sich in der Afterklaue häufig ein bis zwei verkümmerte Phalanges, beim Schwein dagegen sind alle drei Phalangen (Phalanx proximalis, Phalanx media und Phalanx distalis) noch ausgebildet, wenngleich in verkleinerter Form.
- Hornkapsel: Die Afterklaue wird von einer keratinisierten Hornhülle umgeben, die dem Klauenschuh der Hauptzehen homolog ist. Dieses Horn wird kontinuierlich von der darunterliegenden Lederhaut (Corium) produziert und unterliegt einem permanenten Wachstum.
- Lederhaut und Unterhaut: Unterhalb der Hornkapsel befindet sich eine dünne, aber gefäßreiche Lederhaut (Dermis), die über ein subkutanes Polster aus Binde- und Fettgewebe mit den tieferliegenden Strukturen verbunden ist.
- Bandapparat: Rudimentäre Bänder (Ligamenta) fixieren die Afterklaue am Metatarsus bzw. Metacarpus. Sehnenansätze sind, wenn überhaupt vorhanden, nur in Spuren nachweisbar.
Die arterielle Versorgung erfolgt über kleine Abzweigungen der digitalen Arterien, die venöse Drainage über entsprechende Begleitvenen. Die sensible Innervation ist gering, aber vorhanden – Verletzungen der Afterklaue können daher durchaus schmerzhaft sein.
Funktion
Unter physiologischen Bedingungen besitzen die Afterklauen bei den meisten domestizierten Paarhufern keine primäre Funktion in der Fortbewegung. Sie berühren auf festem Untergrund den Boden nicht und tragen nicht zur Lastverteilung bei. Anders verhält es sich jedoch auf weichem, nachgiebigem Boden: Hier können die Afterklauen insbesondere beim Rind und beim Schwein Bodenkontakt herstellen und so die Auftrittsfläche vergrößern. Dieser Mechanismus wirkt einem zu tiefen Einsinken der Gliedmaßen entgegen und verbessert die Standsicherheit auf moorigem oder sumpfigem Gelände.
Beim Ren (Rangifer tarandus) ist diese Funktion besonders ausgeprägt: Die vergleichsweise großen Afterklauen dienen auf Schnee und weichem Tundraboden als zusätzliche Auftrittsfläche und fungieren gewissermaßen als natürliche Schneeschuhe.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Ausprägung der Afterklauen variiert unter den verschiedenen Tierarten erheblich:
- Rind (Bos taurus): Zwei Afterklauen je Gliedmaße, palmar bzw. plantar am Fesselgelenk gelegen. Sie sind relativ klein, kegelförmig und besitzen in der Regel nur rudimentäre knöcherne Anteile. Bei schweren Rassen und auf weichen Böden gehaltenen Tieren können sie deutlich größer ausfallen.
- Schwein (Sus scrofa domesticus): Die Afterklauen sind beim Schwein vergleichsweise gut entwickelt. Beide Afterzehen (Digitus II und V) verfügen über vollständige, wenn auch verkleinerte Phalangen und eine ausgeprägte Hornkapsel. Bei schweren Mastschweinen können sie den Boden berühren.
- Schaf (Ovis aries) und Ziege (Capra aegagrus hircus): Die Afterklauen sind bei kleinen Wiederkäuern meist nur als kleine, hornige Anhängsel erkennbar. Knöcherne Strukturen fehlen häufig vollständig oder sind nur bindegewebig angelegt.
- Wildwiederkäuer (Hirsche, Rehe, Elche): Die Ausprägung variiert stark. Beim Elch (Alces alces) und beim Ren sind die Afterklauen deutlich größer als bei Reh oder Damwild, was mit der bevorzugten Nutzung weicher Untergründe korreliert.
- Hund (Canis lupus familiaris): Am Hinterlauf mancher Hunderassen findet sich eine Wolfskralle (auch Afterkralle), die der ersten Zehe (Digitus I, Pollex/Hallux) entspricht. Obwohl umgangssprachlich teils als „Afterklaue" bezeichnet, ist sie morphologisch nicht homolog zu den Afterklauen der Paarhufer, da sie von einer anderen Zehe abstammt.
Besonderheiten
In der Fährtenkunde (Spurenlesen) spielen Afterklauen eine diagnostische Rolle: Beim sogenannten Trittsiegel von Wildtieren sind die Abdrücke der Afterklauen – sofern vorhanden – ein wichtiges Bestimmungsmerkmal. Beim Schwarzwild (Sus scrofa) hinterlassen die Afterklauen charakteristische Ab