Flosse
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Definition & Überblick
Die Flosse (lat. pinna, Plural pinnae) ist ein flächiges, primär der Fortbewegung, Stabilisierung und Steuerung im Wasser dienendes Körperanhängsel aquatischer und semiaquatischer Wirbeltiere. Flossen treten in vielfältigen Formen auf und unterscheiden sich grundlegend je nachdem, ob sie bei Fischen (Pisces), Meeressäugern (Cetacea, Pinnipedia) oder anderen im Wasser lebenden Wirbeltieren ausgebildet sind. Aus anatomisch-funktioneller Sicht sind unpaare Flossen (Dorsalflosse, Analflosse, Caudalflosse) von paarigen Flossen (Brust- und Bauchflossen, lat. pinnae pectorales und pinnae ventrales) zu unterscheiden. Bei sekundär aquatischen Säugetieren handelt es sich bei den sogenannten Flossen morphologisch um umgestaltete Extremitäten, weshalb in der vergleichenden Anatomie klar zwischen echten Ichthyopterygien (Fischflossen) und modifizierten Gliedmaßen (Flippern, Fluken) differenziert wird.
Aufbau & Struktur
Der innere Aufbau einer Flosse variiert erheblich zwischen den Tiergruppen:
- Knochenfische (Osteichthyes): Das Flossenskelett besteht aus knöchernen Flossenstrahlen (Lepidotrichia), die von einer dünnen, bindegewebig durchzogenen Hautmembran – der Interradialmembran – überspannt werden. Weichstrahlige Flossen (Branchiostegalstrahlen) sind flexibel und gegliedert, während Hartstrahlen (Stachelstrahlen, lat. radii spinosi) ungegliedert und oft starr sind. Die Flossenstrahlen setzen an Trägerelementen an, den Pterygiophoren (Basalia und Radialia), die ihrerseits mit dem Achsenskelett oder dem Schultergürtel (cingulum pectorale) bzw. dem Beckengürtel (cingulum pelvicum) verbunden sind. Zwischen den Strahlen verlaufen Musculi erectores und Musculi depressores, die eine aktive Bewegung der Flosse ermöglichen.
- Knorpelfische (Chondrichthyes): Das Stützgerüst besteht aus Knorpelstäben (Ceratotrichia) und ist mit keratinisierten Hornfäden verstärkt. Die Flossen sind weniger flexibel als bei Knochenfischen; die paarigen Brustflossen inserieren an einem massiven Knorpel-Schultergürtel.
- Sekundär aquatische Säugetiere: Bei Walen (Cetacea) ist die Brustflosse (Flipper) eine durch Haut umhüllte, modifizierte Vorderextremität mit den typischen Elementen des Säugetierskeletts – Humerus, Radius, Ulna, Carpal-, Metacarpal- und Phalangealknochen –, wobei die Phalangenzahl oft durch Hyperphalangie vermehrt ist. Die Fluke (Schwanzflosse) enthält hingegen kein Knochenskelett, sondern besteht aus straffem Bindegewebe und dichtem Kollagenfasergeflecht. Bei Robben (Pinnipedia) sind sowohl Vorder- als auch Hinterextremitäten zu flossenartigen Strukturen umgebildet, behalten aber die volle Knochengliederung der Pentadactylie bei.
Funktion
Die Hauptfunktionen der Flossen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Vortrieb (Propulsion): Die Schwanzflosse (Caudalflosse, lat. pinna caudalis) ist bei den meisten Fischarten das primäre Antriebsorgan. Durch rhythmische laterale Schläge des kaudalen Rumpfes und der Schwanzflosse wird Schubkraft erzeugt. Bei Walen erfolgt der Vortrieb durch vertikale Auf- und Abwärtsbewegungen der horizontal orientierten Fluke.
- Steuerung und Manövrieren: Die paarigen Brustflossen fungieren als Steuerruder für Richtungswechsel, Abbremsen und Auftriebsregulation. Über gezielte Adduktion und Abduktion der Pektoralflossen können Fische ihre Körperlage präzise kontrollieren.
- Stabilisierung: Unpaare Rücken- und Afterflossen (pinna dorsalis, pinna analis) wirken als Kielstabilisatoren, die ein Rollen um die Längsachse verhindern.
- Weitere Funktionen: Einige Flossen dienen der Thermoregulation (Wärmetauscher-Funktion bei Thunfischen), der Kommunikation (Farbveränderungen, Aufrichten der Dorsalflosse als Drohgebärde), der Brutpflege (Fächeln von Eiern) oder sogar der terrestrischen Fortbewegung (Schlammspringer, Periophthalmus).
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Caudalflosse zeigt artspezifisch sehr unterschiedliche Formen: Eine homozerke (symmetrische) Schwanzflosse findet sich bei den meisten Teleostiern und ermöglicht einen effizienten Geradeausvortrieb. Haie besitzen typischerweise eine heterozerke Schwanzflosse mit verlängertem dorsalem Lobus, der dynamischen Auftrieb erzeugt. Störe zeigen ebenfalls Heterocerkie, während bei Lungenfischen die diphyzerke Form mit symmetrisch um die Wirbelsäule angeordneten Flossenlappen vorherrscht.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich der paarigen Flossen: Die fleischigen Lappenflossen (Sarcopterygii) der Quastenflosser (Latimeria) besitzen ein intern gegliedertes Knochenskelett, das als Homologon der Tetrapoden-Extremität gilt. Die Strahlenflosser (Actinopterygii) hingegen haben ein strahlenförmig angeordnetes, filigranes Stützskelett.
Bei Seekühen (Sirenia) sind die