Fessel
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Definition & Überblick
Die Fessel (lat. Pastern, Regio metacarpophalangea bzw. Regio metatarsophalangea) bezeichnet den Abschnitt der distalen Gliedmaße zwischen dem Mittelhand- bzw. Mittelfußbereich (Röhrbein) und der Hufregion bzw. Zehenregion. Im engeren anatomischen Sinne umfasst die Fessel das Fesselgelenk (Articulatio metacarpophalangea / metatarsophalangea) sowie den Bereich des Fesselbeins (Os compedale, Phalanx proximalis). Die Fessel stellt bei Huftieren, insbesondere beim Pferd, eine biomechanisch hochbeanspruchte Zone dar, die als federndes Bindeglied zwischen der Röhre und dem Huf eine zentrale Rolle in der Stoßdämpfung und Fortbewegung übernimmt. In der tierärztlichen Praxis gehört die Fesselregion zu den am häufigsten von Erkrankungen betroffenen Abschnitten der Extremität.
Aufbau & Struktur
Das knöcherne Grundgerüst der Fessel bildet das Fesselbein (Phalanx proximalis), ein relativ kurzer, leicht nach palmar/plantar geneigter Röhrenknochen. Proximal artikuliert es im Fesselgelenk mit dem distalen Ende des Röhrbeins (Os metacarpale/metatarsale III beim Pferd), distal mit dem Kronbein (Phalanx media) im Krongelenk (Articulatio interphalangea proximalis).
Das Fesselgelenk selbst ist ein zusammengesetztes Gelenk. An seiner palmaren bzw. plantaren Seite befinden sich die Gleichbeine (Ossa sesamoidea proximalia), zwei kleine Sesambeine, die in den Fesselträger eingebettet sind und als Umlenkrollen für Sehnen dienen. Sie werden durch folgende Bandstrukturen fixiert:
- Ligamenta sesamoidea collateralia – seitliche Gleichbeinbänder
- Ligamentum sesamoideum rectum, obliquum und cruciatum – distale Gleichbeinbänder, die die Sesambeine mit dem Fesselbein und Kronbein verbinden
- Ligamentum intersesamoideum – Querband zwischen beiden Gleichbeinen
Der Fesselträger (Musculus interosseus medius, beim Pferd als überwiegend sehniger Strang ausgebildet) ist die wichtigste Stützstruktur der Fessel. Er entspringt am proximalen Röhrbein, teilt sich distal in zwei Schenkel, die an den Gleichbeinen ansetzen, und sendet Verstärkungszüge zur gemeinsamen Strecksehne. Palmar/plantar verlaufen die oberflächliche Beugesehne (Tendo musculi flexoris digitalis superficialis) und die tiefe Beugesehne (Tendo musculi flexoris digitalis profundis) in ihren Sehnenscheiden über die Fesselregion hinweg. Die Fesselbeugesehnenscheide (Vagina synovialis digitalis) umgibt beide Beugesehnen im Bereich des Fesselgelenks und gewährleistet die reibungsarme Gleitfähigkeit.
Dorsal verläuft die gemeinsame Strecksehne (Tendo musculi extensoris digitalis communis). Die Haut im Bereich der palmaren/plantaren Fesselbeuge trägt beim Pferd die sogenannte Fesselbeuge (Köte), eine Region mit dünner, empfindlicher Haut und teils langhaarigem Behang (Kötenbehang).
Funktion
Die Fessel fungiert als hocheffizientes Stoßdämpfungssystem. Beim Auffußen senkt sich das Fesselgelenk unter der Last des Körpergewichts ab – ein Vorgang, der als Hyperextension (Überstreckung) bezeichnet wird. Diese Absenkung wird durch den Fesseltrageapparat elastisch abgefangen. Der Fesselträger, die distalen Gleichbeinbänder und die Beugesehnen bilden gemeinsam den Fesseltrageapparat (Apparatus suspensorius), der wie eine federnde Hängebrücke wirkt und kinetische Energie speichert, die beim Abfußen wieder freigesetzt wird.
Dieser Mechanismus ist beim Pferd besonders ausgeprägt und ermöglicht eine energieeffiziente Fortbewegung bei hohen Geschwindigkeiten. Die Fesselung – also die Winkelung der Fessel gegenüber dem Boden – beeinflusst die Belastungsverteilung erheblich. Ein normaler Fesselstand (ca. 45–55° zur Horizontalen beim Pferd) gewährleistet die optimale Lastverteilung zwischen Sehnen, Bändern und Knochen.
Unterschiede zwischen Tierarten
Beim Pferd als funktionellem Einzeher (Perissodactyla, Monodactylie) ist die Fessel am stärksten spezialisiert. Der gesamte Fesseltrageapparat ist überwiegend sehnig-bindegewebig umgebaut und auf maximale Belastbarkeit bei hoher Geschwindigkeit ausgelegt. Die Gleichbeine sind groß und prominent.
Beim Rind als Paarzeher (Artiodactyla) verteilt sich die Fesselregion auf zwei Hauptzehen (Digitus III und IV). Jede Zehe besitzt ein eigenes Fesselgelenk mit zugehörigen Gleichbeinen. Die Belastung verteilt sich auf zwei Stützsäulen, wodurch die Fessel insgesamt weniger extrem beansprucht wird als beim Pferd. Die Afterklauen (Digitus II und V) liegen als rudimentäre Zehen proximal der Fesselgelenke.
Beim Hund und bei der Katze als Zehengänger (Digitigraden) mit vier bzw. fünf funktionellen Zehen sind die Fesselgelenke (Metakarpophalangealgelenke) kleiner und beweglicher. Ein eigentlicher Fesseltrageapparat im Sinne des Pferdes fehlt. Die Interossei sind hier noch teilweise muskulär ausgebildet und nicht rein sehnig.
Bei Schweinen ähnelt die Anatomie grundsätzlich dem Rind, wobei die Afterzehen (Digitus II und V) stärker ausgebildet sind und bei weichem Boden Bodenkontakt haben können.
Besonderheiten
Die