Alpenstrandläufer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Calidris alpina
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
- Gattung: Strandläufer (Calidris)
- Lebensraum: Arktische und subarktische Tundra (Brutzeit); Wattenmeer, Küsten, Schlammflächen (Überwinterung)
- Größe: 16–22 cm Körperlänge, Flügelspannweite 35–40 cm
- Gewicht: 40–70 g
- Lebenserwartung: Durchschnittlich 5 Jahre, maximal über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Alpenstrandläufer ist ein kleiner, kompakt gebauter Watvogel mit einem mittellangen, leicht nach unten gebogenen Schnabel. Dieses leicht abwärts gekrümmte Schnabelprofil unterscheidet ihn von vielen verwandten Strandläuferarten und erleichtert die Bestimmung im Feld erheblich.
Im Prachtkleid zeigt das Gefieder eine auffällige Zeichnung: Die Oberseite ist rostbraun und schwarz gemustert, während die Unterseite einen charakteristischen schwarzen Bauchfleck aufweist – das wohl sicherste Erkennungsmerkmal dieser Art im Sommerkleid. Kopf und Brust sind weißlich mit feiner dunkler Strichelung. Im Schlichtkleid, das die Vögel außerhalb der Brutzeit tragen, wirkt der Alpenstrandläufer deutlich unscheinbarer: Die Oberseite ist einförmig graubraun, die Unterseite weiß, und der markante Bauchfleck fehlt. In diesem Kleid kann die Art leicht mit dem Sichelstrandläufer oder dem Meerstrandläufer verwechselt werden.
Die Beine sind dunkel, meist schwarz bis dunkelgrau. Die Augen sind dunkelbraun. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum, wobei Weibchen im Durchschnitt etwas größer sind und einen geringfügig längeren Schnabel besitzen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Alpenstrandläufers erstreckt sich über die gesamte Holarktis. Die Art brütet in der arktischen und subarktischen Tundra Europas, Asiens und Nordamerikas. In Europa liegen die Brutgebiete vor allem in Skandinavien, Island, Großbritannien und im Baltikum. Vereinzelte Brutvorkommen bestehen auch in Norddeutschland, etwa an der Küste Schleswig-Holsteins.
Während der Brutzeit besiedelt der Alpenstrandläufer feuchte Tundra, Moorgebiete und Feuchtwiesen – Biotope mit niedriger Vegetation und ausreichend Feuchtigkeit. Außerhalb der Brutzeit zieht die Art in großer Zahl an die Meeresküsten gemäßigter und subtropischer Breiten. Das Wattenmeer der Nordsee stellt eines der wichtigsten Überwinterungs- und Rasthabitate dar. Hier halten sich alljährlich Hunderttausende Alpenstrandläufer auf. Weitere bedeutende Überwinterungsgebiete liegen an den Küsten des Mittelmeers, Westafrikas und des Persischen Golfs. In Nordamerika überwintern die Vögel an der Atlantik- und Pazifikküste.
Es werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter Calidris alpina alpina (Skandinavien), C. a. schinzii (Ostsee, Britische Inseln) und C. a. arctica (Grönland). Die Unterarten unterscheiden sich in Körpergröße, Schnabellänge und Gefiederdetails.
Ernährung
Der Alpenstrandläufer ernährt sich überwiegend von wirbellosen Tieren. Im Wattenmeer bilden kleine Schnecken, Muscheln, Ringelwürmer, Krebstiere und Insektenlarven die Hauptnahrung. Die Vögel suchen ihre Beute, indem sie mit dem Schnabel systematisch im weichen Schlick stochern – eine Technik, die als Sondieren bezeichnet wird. Dabei nutzen sie empfindliche Tastkörperchen an der Schnabelspitze, die es ihnen ermöglichen, vergrabene Beutetiere zu orten.
In den Brutgebieten stehen vor allem Insekten, insbesondere Zuckmückenlarven und Käfer, auf dem Speiseplan. Ergänzend werden Spinnen und kleine Schnecken aufgenommen. Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend bei Ebbe auf freiliegenden Wattflächen; bei Flut weichen die Tiere auf küstennahe Wiesen oder Salzwiesen aus.
Verhalten & Lebensweise
Der Alpenstrandläufer ist ein ausgeprägter Zugvogel. Die Zugbewegungen erfolgen in großen Schwärmen, die an den Rastplätzen oft viele Tausend Individuen umfassen. Die synchronisierten Flugmanöver dichter Schwärme über dem Wattenmeer gehören zu den eindrucksvollsten Vogelphänomenen Mitteleuropas. Diese koordinierten Formationsflüge dienen vermutlich der Feindabwehr gegenüber Greifvögeln wie dem Wanderfalken oder dem Merlin.
Außerhalb der Brutzeit ist der Alpenstrandläufer ein geselliger Vogel, der sich in großen Trupps aufhält. Die Aktivität folgt weniger dem Tag-Nacht-Rhythmus als vielmehr dem Gezeitenzyklus: Die Vögel sind aktiv, wenn das Watt freiliegt, und ruhen bei Hochwasser an geschützten Plätzen. Im Brutgebiet dagegen verteidigen die Männchen ein Revier und sind dort territorial.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt je nach Breitengrad zwischen Mai und Juni. Das Männchen führt auffällige Balzflüge durch, bei denen es mit trillerndem Gesang über dem Brutrevier kreist. Das Nest ist eine einfache, flache Mulde am Boden, die mit Grashalmen und Blättern ausgelegt wird.
Das Gelege besteht in der Regel aus vier birnenförmigen Eiern, deren olivgrüne bis bräunliche Färbung mit dunklen Flecken eine hervorragende Tarnung gegenüber dem Untergrund bietet. Beide Elternvögel brüten, wobei die Brutdauer etwa 21 bis 22 Tage beträgt. Die Küken sind Nestflüchter: Sie verlassen das Nest