Bekassine
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gallinago gallinago
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
- Gattung: Bekassinen (Gallinago)
- Lebensraum: Moore, Feuchtwiesen, Sümpfe, Verlandungszonen
- Größe: 25–27 cm Körperlänge (davon ca. 6–7 cm Schnabel)
- Flügelspannweite: 37–43 cm
- Gewicht: 80–120 g
- Lebenserwartung: bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Bekassine ist ein mittelgroßer Watvogel mit einem auffallend langen, geraden Schnabel, der etwa ein Viertel der gesamten Körperlänge ausmacht. Dieser Schnabel ist an der Spitze flexibel und mit zahlreichen Tastrezeptoren (sogenannten Herbst-Körperchen) ausgestattet, die das Aufspüren von Beutetieren im weichen Boden ermöglichen.
Das Gefieder ist oberseits in verschiedenen Braun-, Schwarz- und Beigetönen gestreift und gebändert, was eine hervorragende Tarnung im Lebensraum aus totem Gras und Schilf ergibt. Charakteristisch sind zwei helle Längsstreifen auf dem Rücken, die durch goldbraune Federsäume gebildet werden. Der Scheitel zeigt einen markanten hellen Mittelstreif, flankiert von zwei dunklen Seitenstreifen. Die Unterseite ist an Brust und Flanken bräunlich gestreift, der Bauch weiß. Die relativ kurzen Beine sind grünlich-grau gefärbt. Ein Geschlechtsdimorphismus ist äußerlich nicht erkennbar – Männchen und Weibchen gleichen sich in Größe und Gefiederfärbung.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Bekassine erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis, von Island und den Britischen Inseln ostwärts bis nach Kamtschatka. In Mitteleuropa brütet die Art vor allem in den Tieflandgebieten Norddeutschlands, der Niederlande, Polens und des Baltikums. Als Zugvogel überwintert sie im Mittelmeerraum, in Afrika südlich der Sahara sowie in Süd- und Südostasien. In milden Wintern verbleiben einzelne Individuen auch in Westeuropa.
Das bevorzugte Habitat umfasst offene, nasse bis feuchte Biotope: Niedermoore, Hochmoore, extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen, Seggenriede, Verlandungszonen von Gewässern und sumpfige Flussauen. Entscheidend für die Habitatwahl ist ein dauerhaft hoher Wasserstand und weicher, stocherfähiger Boden. In den Rastgebieten während des Zuges nutzt die Art auch Schlammflächen an Teichen, Klärteichen und überschwemmten Äckern.
Ernährung
Die Bekassine ernährt sich überwiegend von wirbellosen Tieren, die sie mit ihrem langen Schnabel aus dem feuchten Boden zieht. Zu den Hauptbeutetieren zählen Regenwürmer, Insektenlarven (besonders Schnakenlarven und Käferlarven), Schnecken und kleine Krebstiere. Ergänzend werden Pflanzensamen und Pflanzenteile aufgenommen, vor allem außerhalb der Brutzeit.
Die Nahrungssuche erfolgt durch rhythmisches, senkrechtes Einstecken des Schnabels in den weichen Untergrund – eine als „Nähmaschinenstechen" bezeichnete Technik. Dabei kann die flexible Schnabelspitze unabhängig vom restlichen Oberschnabel bewegt werden, was das Greifen von Beutetieren im Boden ermöglicht, ohne den Schnabel erneut herausziehen zu müssen. Die Bekassine ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv bei der Nahrungssuche, zeigt aber während der Brutzeit auch tagsüber Aktivität.
Verhalten & Lebensweise
Außerhalb der Brutzeit lebt die Bekassine einzelgängerisch oder in lockeren Ansammlungen, die als „Wisp" bezeichnet werden. Bei Störung fliegt sie mit einem charakteristischen, heiseren „ätsch"-Ruf abrupt im Zickzackflug auf – ein Verhalten, das Jägern seit Jahrhunderten bekannt ist und den Vogel im Englischen zum Namensgeber des „Snipers" (Scharfschützen) machte, da nur geübte Schützen ihn im Flug treffen konnten.
Während der Brutzeit etablieren die Männchen ein Revier, das sie durch auffällige Balzflüge markieren. Dabei steigt das Männchen in großer Höhe kreisend auf und geht dann in steile Sturzflüge über, bei denen die abgespreizten äußeren Schwanzfedern im Luftstrom vibrieren und ein weithin hörbares, wummerndes Geräusch erzeugen. Dieser Instrumentallaut wird als „Meckern" oder „Himmelsziege" bezeichnet – letzterer Begriff dient zugleich als volkstümlicher Name der Art. Zusätzlich trägt das Männchen von Pfählen, Zaunpfählen oder erhöhten Bodenstellen aus einen monoton wiederholten „ticka-ticka"-Gesang vor.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von April bis Juli. Die Bekassine führt eine monogame Saisonehe. Das Nest ist eine flache Bodenmulde, die in dichter Vegetation aus Gräsern und Seggen angelegt und spärlich mit trockenem Pflanzenmaterial ausgepolstert wird.
Das Gelege besteht in der Regel aus vier Eiern, die olivbraun mit dunkelbraunen Flecken gefärbt sind und sich damit gut in die Umgebung einfügen. Die Bebrütung dauert 18–21 Tage und wird fast ausschließlich vom Weibchen übernommen. Die Küken sind Nestflüchter: Sie verlassen das Nest wenige Stunden nach dem Schlüpfen und werden von beiden Elternteilen geführt. Nach etwa 19–20 Tagen sind die Jungvögel flugfähig. Beide Elternteile teilen die Betreuung der Jungen häufig auf, wobei jeder Elternteil ein bis zwei Küken führt. In der Regel findet eine Jahresbrut statt; bei frühem Gelegeverlust sind