Amsel
ATierart – Vögel > Singvögel – Drosseln & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Turdus merula
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Drosseln (Turdidae)
- Gattung: Echte Drosseln (Turdus)
- Größe: 24–27 cm (Körperlänge)
- Gewicht: 80–125 g
- Flügelspannweite: 34–38 cm
- Lebensraum: Wälder, Parks, Gärten, Heckenlandschaften
- Nahrung: Regenwürmer, Insekten, Beeren, Früchte
- Lebenserwartung: 5–6 Jahre (Freiland), maximal bis 20 Jahre
- Schutzstatus (IUCN): Least Concern (nicht gefährdet)
Aussehen & Merkmale
Die Amsel – auch Schwarzdrossel genannt – zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen trägt ein gleichmäßig tiefschwarzes Gefieder mit einem auffällig leuchtend orangegelben Schnabel und einem schmalen gelben Augenring. Das Weibchen ist deutlich unauffälliger gefärbt: Sein Gefieder ist dunkelbraun mit einer leicht gefleckten, helleren Brust. Der Schnabel des Weibchens variiert zwischen bräunlich und blassgelb. Jungvögel ähneln dem Weibchen, sind jedoch stärker gefleckt und wirken insgesamt etwas heller.
Der Körperbau der Amsel ist typisch für die Familie der Drosseln: relativ schlank, mit langen Beinen und einem vergleichsweise langen Schwanz, den der Vogel beim Landen charakteristisch aufstellt und langsam wieder senkt. Im Flug wirkt die Amsel etwas gedrungen, die Flügel sind breit und gerundet. Das Gefieder liegt eng an und verleiht dem Vogel eine glatte Silhouette.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Turdus merula erstreckt sich über ganz Europa, Nordafrika sowie weite Teile Asiens bis nach China. Darüber hinaus wurde die Art im 19. Jahrhundert in Australien und Neuseeland eingeführt, wo sie sich erfolgreich etabliert hat. In Mitteleuropa gehört die Amsel zu den häufigsten Brutvögeln überhaupt – in Deutschland wird der Bestand auf rund 8 bis 9,5 Millionen Brutpaare geschätzt.
Ursprünglich war die Amsel ein scheuer Waldvogel, der dichte Laub- und Mischwälder mit ausgeprägter Strauchschicht als Habitat bevorzugte. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts begann sie, menschliche Siedlungen zu besiedeln. Heute zählt sie zu den typischsten Kulturfolger unter den europäischen Singvögeln. In Städten besiedelt sie Parks, Friedhöfe, Gärten und begrünte Innenhöfe. In ländlichen Gebieten bewohnt sie Feldgehölze, Heckenlandschaften und Waldränder. Dieses breite Spektrum an genutzten Biotopen erklärt ihre hohe Populationsdichte.
In den nördlichen und östlichen Teilen des Verbreitungsgebiets sind Amseln Zugvögel, die im Herbst in wärmere Regionen abwandern. In Mittel- und Westeuropa verhalten sich die meisten Populationen als Standvögel oder Teilzieher.
Ernährung
Die Amsel ist ein Allesfresser mit einer saisonal wechselnden Ernährung. Im Frühjahr und Sommer bilden tierische Nahrungsbestandteile den Schwerpunkt: Regenwürmer, Käfer, Schnecken, Raupen, Spinnen und andere Wirbellose. Die typische Nahrungssuche am Boden – das ruckartige Hüpfen mit zwischenzeitlichem Verharren und seitlich geneigtem Kopf – ist ein häufig zu beobachtendes Verhalten. Der schräg gehaltene Kopf dient dabei vor allem dem visuellen Aufspüren von Beute, weniger dem Lauschen, wie lange angenommen wurde.
Im Herbst und Winter stellt sich die Ernährung zunehmend auf pflanzliche Kost um. Beeren von Holunder, Eberesche, Liguster, Efeu und Weißdorn spielen dann eine zentrale Rolle. Auch herabgefallenes Obst wie Äpfel und Birnen wird gerne angenommen. An Futterstellen in Gärten fressen Amseln bevorzugt Rosinen, Haferflocken und weiches Fettfutter. Hartes Körnerfutter wird in der Regel gemieden.
Verhalten & Lebensweise
Die Amsel ist vorwiegend tagaktiv, beginnt ihre Aktivitätsphase jedoch bereits in der frühen Dämmerung. In städtischen Gebieten mit Kunstlicht verlängert sich die Aktivitätszeit teils deutlich in die Nachtstunden hinein – ein Phänomen, das seit den 2000er-Jahren intensiv erforscht wird.
Während der Brutzeit verteidigen Männchen ihr Revier energisch gegen Artgenossen. Die Reviergröße variiert stark: In Wäldern kann ein Revier über 1.000 Quadratmeter umfassen, in dicht besiedelten Stadtgebieten hingegen auf wenige hundert Quadratmeter schrumpfen. Die Revierverteidigung erfolgt durch Gesang, Drohgebärden und gelegentlich direkte körperliche Auseinandersetzungen.
Der Gesang des Amsel-Männchens gehört zu den melodischsten unter den europäischen Singvögeln. Er besteht aus flötenden, variantenreichen Strophen, die von erhöhten Warten – Dachfirsten, Baumkronen, Antennen – vorgetragen werden. Die Gesangssaison erstreckt sich in Mitteleuropa von Februar bis Juli. Einzelne Männchen entwickeln individuelle Strophenrepertoires, die sich über die Jahre weiterentwickeln.
Außerhalb der Brutzeit sind Amseln weniger territorial und können an ergiebigen Nahrungsquellen in lockeren Gruppen auftreten, ohne ein eigentliches Sozialverhalten im Sinne von Schwarmbildung zu zeigen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt in Mitteleuropa ab Februar. Das Männchen umwirbt das Weibchen durch intensiven Gesang, Verfolgungsflüge und ritualisiertes Imponiergehabe mit gespreiztem Schwanz und gesträubtem Gefieder. Amseln führen in der Regel eine mon