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Misteldrossel

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Tierart – Vögel > Singvögel – Drosseln & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Turdus viscivorus
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Familie: Drosseln (Turdidae)
  • Gattung: Echte Drosseln (Turdus)
  • Lebensraum: Lichte Wälder, Parklandschaften, Streuobstwiesen, Gärten mit altem Baumbestand
  • Größe: 26–29 cm (Körperlänge), Flügelspannweite ca. 42–48 cm
  • Gewicht: 100–150 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn, im Durchschnitt etwa 3–5 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Misteldrossel ist die größte in Mitteleuropa heimische Drosselart und übertrifft die nahe verwandte Singdrossel (Turdus philomelos) deutlich an Körpergröße. Das Gefieder der Oberseite zeigt ein einheitliches Graubraun, das im Vergleich zur Singdrossel kühler und weniger warm getönt wirkt. Die Unterseite ist weißlich bis rahmfarben und mit großen, rundlichen, dunkelbraunen bis schwarzen Flecken besetzt. Diese Brustfleckung ist gröber und weniger regelmäßig angeordnet als bei der Singdrossel, deren Flecken eher tropfenförmig ausfallen.

Ein gutes Unterscheidungsmerkmal ist das Verhalten im Flug: Die Misteldrossel zeigt weiße Unterflügeldecken, die im Gegenlicht auffällig hervortreten. Außerdem sind die äußeren Steuerfedern des Schwanzes mit weißlichen Spitzen versehen. Der Schnabel ist dunkel mit gelblicher Basis am Unterschnabel, die Beine sind hell fleischfarben. Die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich kaum; Jungvögel wirken durch helle Schaftstriche auf der Oberseite insgesamt etwas gescheckter als die Altvögel.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Misteldrossel erstreckt sich über weite Teile der westlichen Paläarktis. Sie brütet von Westeuropa und Nordafrika ostwärts bis nach Zentralasien und in den westlichen Himalaya. In Mitteleuropa ist sie ein weit verbreiteter Brutvogel, der vor allem lichte Laub- und Mischwälder, Waldränder, Parks, Friedhöfe und Streuobstwiesen besiedelt. Ihr bevorzugtes Habitat zeichnet sich durch eine Kombination aus hohen Bäumen als Singwarten und Nistplätze sowie offenen Grasflächen für die Nahrungssuche aus.

Die Populationen in West- und Mitteleuropa sind überwiegend Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Vögel aus nördlichen und östlichen Brutgebieten – etwa aus Skandinavien oder Russland – ziehen im Herbst in mildere Regionen Süd- und Westeuropas. In den Alpen brütet die Misteldrossel bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern und weicht im Winter in tiefere Tallagen aus.

Ernährung

Die Misteldrossel ernährt sich omnivor, wobei die Zusammensetzung der Nahrung jahreszeitlich stark schwankt. Im Frühjahr und Sommer dominieren tierische Bestandteile: Regenwürmer, Schnecken, Insekten und deren Larven bilden die Hauptnahrung. Die Vögel suchen ihre Beute bevorzugt auf kurzrasigen Wiesen und Weiden, wo sie in aufrechter Haltung über den Boden hüpfen und zwischendurch inne halten, um nach Bewegungen im Gras zu lauschen.

Ab dem Spätsommer und im Herbst steigt der Anteil pflanzlicher Kost deutlich an. Beeren verschiedener Gehölze werden dann zur wichtigsten Nahrungsquelle. Der wissenschaftliche Artname viscivorus – wörtlich „Mistelfresser" – verweist auf die enge Beziehung zwischen der Drossel und der Weißbeerigen Mistel (Viscum album). Die Vögel fressen die klebrigen Mistelbeeren und scheiden die unverdauten Samen wieder aus, die an Ästen haften bleiben und dort keimen können. Die Misteldrossel ist damit einer der wichtigsten Vektoren für die Verbreitung dieser halbparasitischen Pflanze.

Verhalten & Lebensweise

Misteldrosseln sind tagaktive Vögel mit einem ausgeprägten Territorialverhalten. Während der Brutzeit verteidigen die Paare ihr Revier energisch gegen Artgenossen, aber auch gegen deutlich größere Eindringlinge wie Elstern, Eichelhäher oder Greifvögel. Die Reviergröße variiert je nach Lebensraumqualität erheblich.

Der Gesang der Misteldrossel ist kräftig und weitreichend, klingt aber weniger melodisch und abwechslungsreich als der der Singdrossel. Die Strophen sind kürzer, bestehen aus wenigen flötenden Motiven und werden in gemessenem Tempo vorgetragen, oft mit längeren Pausen zwischen den Phrasen. Die Männchen singen von exponierten Baumwipfeln aus, häufig schon ab Januar oder Februar – auch bei stürmischem und regnerischem Wetter. Im Englischen hat der Art dies den Beinamen „Stormcock" eingebracht.

Außerhalb der Brutzeit zeigen Misteldrosseln ein weniger territoriales Verhalten und bilden gelegentlich kleinere Trupps, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Im Herbst verteidigen einzelne Vögel allerdings beerentragende Bäume oder Büsche vehement gegen andere Fruchtkonsumenten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt in Mitteleuropa bereits früh im Jahr, oft schon ab Ende Februar oder Anfang März. Das Nest wird in einer Astgabel oder auf einem starken Seitenast in mittlerer bis großer Höhe errichtet, typischerweise zwischen 5 und 15 Metern über dem Boden. Es besteht aus Gras, Wurzeln und Moos, wird mit Erde und Schlamm verfestigt und innen mit feinem Gras ausgepolstert. Im Gegensatz zum Nest der Singdrossel fehlt eine glatte Innenschale aus feuchter Erde.

Das Gelege umfasst in der Regel 3–5 Eier, die rahmfarben bis bläulich-grün gefärbt und mit rötlich-braunen Flecken gezeichnet sind. Die Brutdauer beträgt 12–15 Tage; das Weibchen brütet