Blaukehlchen
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Luscinia svecica
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
- Gattung: Luscinia
- Größe: 13–14 cm
- Gewicht: 15–23 g
- Flügelspannweite: 20–23 cm
- Lebensraum: Feuchtgebiete, Röhrichtzonen, Ufergebüsche, Hochmoore
- Lebenserwartung: ca. 3–5 Jahre in freier Wildbahn
- Nahrung: Insekten, Spinnen, kleine Weichtiere, Beeren
- Zugverhalten: Langstreckenzieher
Aussehen & Merkmale
Das Blaukehlchen gehört zu den auffälligsten Singvögeln Mitteleuropas. Die namensgebende leuchtend blaue Kehle des Männchens ist das bestimmende Erkennungsmerkmal und während der Brutzeit besonders intensiv gefärbt. Je nach Unterart befindet sich in der Mitte des blauen Kehlflecks ein weißer oder roter Stern – beim in Mitteleuropa verbreiteten Weißsternigen Blaukehlchen (Luscinia svecica cyanecula) ist dieser Stern weiß, beim Rotsternigen Blaukehlchen (Luscinia svecica svecica) aus Skandinavien entsprechend rot. Unterhalb des blauen Kehlfeldes verläuft ein schmales schwarzes und darunter ein rostrotes Brustband.
Die Oberseite des Gefieders ist unscheinbar olivbraun, was dem Vogel in seinem bevorzugten Habitat gute Tarnung bietet. Ein markanter heller Überaugenstreif zieht sich vom Schnabelansatz bis hinter das Auge. Die Schwanzfedern zeigen an der Basis rostrot gefärbte Bereiche, die besonders im Flug sichtbar werden und ein weiteres Bestimmungsmerkmal darstellen. Das Weibchen ist insgesamt deutlich schlichter gefärbt: Die Kehle ist weißlich mit einer variablen, oft nur angedeuteten dunklen Rahmung. Jungvögel ähneln in ihrem Gefieder den Weibchen und zeigen eine tropfenförmige helle Fleckung auf der Oberseite, wie sie für viele Jungvögel der Fliegenschnäpperfamilie typisch ist.
In Größe und Gestalt erinnert das Blaukehlchen an das nah verwandte Rotkehlchen (Erithacus rubecula), wirkt jedoch etwas schlanker und langbeiniger. Der dunkle, feine Schnabel ist typisch für einen vorwiegend insektenfressenden Singvogel.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Blaukehlchens erstreckt sich als breites Band von Westeuropa über die gemäßigten und borealen Zonen Asiens bis nach Alaska. In Europa brütet die Art von der Iberischen Halbinsel über Frankreich, die Benelux-Staaten und Deutschland bis nach Skandinavien und weiter ostwärts bis zum Pazifik. In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt in den Niederungen der großen Flüsse, etwa entlang von Rhein, Elbe, Donau und Weser.
Als Biotop bevorzugt das Blaukehlchen dichte, niedrige Vegetation in unmittelbarer Wassernähe. Typische Habitate sind Schilfgürtel und Röhrichtzonen an Flussufern, Verlandungszonen von Seen und Teichen, Gräben mit Hochstaudenfluren sowie feuchte Weidengebüsche. In Skandinavien besiedelt die Nominatform auch Birken- und Weidengehölze oberhalb der Baumgrenze in der Fjällregion. In Mitteleuropa hat die Art ihr Vorkommen in den letzten Jahrzehnten auf Sekundärlebensräume ausgedehnt, darunter Rübenäcker, Rapsfelder und Brachflächen – vorausgesetzt, ein Mindestmaß an Feuchtstellen und Deckung ist vorhanden.
Als Langstreckenzieher überwintert das Blaukehlchen südlich der Sahara in der Sahelzone und in Ostafrika sowie in geringerem Umfang im Mittelmeerraum und auf der Arabischen Halbinsel. Der Herbstzug findet von August bis Oktober statt, die Rückkehr ins Brutgebiet erfolgt zwischen März und Mai.
Ernährung
Das Blaukehlchen ernährt sich überwiegend von tierischer Kost. Insekten und deren Larven bilden die Hauptnahrung, ergänzt durch Spinnen, kleine Schnecken und Würmer. Die Nahrungssuche findet vorwiegend am Boden statt: Der Vogel hüpft durch dichte Bodenvegetation, wendet Laub und sucht schlammige Uferstreifen nach Beute ab. Gelegentlich werden Insekten auch im kurzen Flug von Blättern oder aus der Luft geschnappt. Im Spätsommer und Herbst – besonders vor dem Zug – ergänzt die Art ihren Speiseplan durch Beeren und andere kleine Früchte, um die nötigen Fettreserven für den Langstreckenzug aufzubauen.
Verhalten & Lebensweise
Das Blaukehlchen ist ein eher verborgener Vogel, der sich bevorzugt in dichter Vegetation aufhält und trotz seiner farbenprächtigen Kehle selten offen auf exponierten Warten sitzt. Die Aktivität konzentriert sich auf die Dämmerungsphasen und die frühen Morgenstunden. Im Gegensatz zu vielen anderen Singvögeln singt das Männchen häufig auch nachts, was Verwechslungen mit der Nachtigall (Luscinia megarhynchos) begünstigen kann.
Der Gesang ist vielstrophig, abwechslungsreich und enthält zahlreiche Imitationen anderer Vogelarten. Einzelne Motive von Feldlerche, Rauchschwalbe oder Schafstelze werden in die eigenen Strophen eingeflochten. Diese Fähigkeit zur Nachahmung ist innerhalb der Gattung Luscinia besonders ausgeprägt. Während der Balz trägt das Männchen seinen Gesang von einer erhöhten Warte aus vor – etwa einer Schilf- oder Weidenspitze – und zeigt dabei die aufgefächerte blaue Kehle in charakteristischer Haltung mit zurückgeworfenem Kopf.
Beide Geschlechter verteidigen während der Brutzeit ein Revier, wobei das Männchen aggressiv auf Eindringlinge reagiert und diese mit Gesang und Imponierverhalten