Analdrüsenentleerung
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Definition & Überblick
Die Analdrüsenentleerung bezeichnet das manuelle oder therapeutische Ausdrücken der beiden Analbeutel, die sich bei Hunden und Katzen seitlich des Afters auf etwa vier und acht Uhr befinden. Diese kleinen Drüsensäckchen produzieren ein stark riechendes Sekret, das normalerweise beim Kotabsatz in kleinen Mengen abgegeben wird. Es dient der Reviermarkierung und der individuellen Dufterkennung unter Artgenossen.
Wenn die Analdrüsen sich nicht mehr von selbst entleeren, staut sich das Sekret und verdickt sich. Das Tier verspürt Juckreiz, Druckschmerz und zeigt typische Symptome wie das sogenannte Schlittenfahren – das Rutschen mit dem Hinterteil über den Boden. Auch häufiges Lecken an der Afterregion, Beißen in die Schwanzwurzel oder ein unangenehmer fischiger Geruch sind deutliche Hinweise auf verstopfte Analdrüsen. Unbehandelt kann eine Verstopfung zu schmerzhaften Abszessen, Entzündungen und im schlimmsten Fall zu Fisteln führen.
Die Analdrüsenentleerung ist eine der häufigsten Pflegemaßnahmen in der tierärztlichen Praxis und betrifft vor allem kleine Hunderassen wie Chihuahua, Dackel, Pudel, Cavalier King Charles Spaniel und Französische Bulldogge. Aber auch übergewichtige Tiere, Hunde mit chronisch weichem Stuhl sowie ältere Tiere sind überdurchschnittlich häufig betroffen.
Grundlagen & Voraussetzungen
Um zu verstehen, wann eine Analdrüsenentleerung notwendig ist, muss man die natürliche Funktion kennen. Bei einem gesunden Tier mit artgerechter Ernährung und ausreichend Auslauf entleeren sich die Analdrüsen bei jedem festen Kotabsatz von selbst. Der Stuhlgang übt dabei mechanischen Druck auf die Analbeutel aus und presst das Sekret heraus.
Mehrere Faktoren können diesen natürlichen Mechanismus stören:
- Zu weicher Stuhl: Durch minderwertige Ernährung, Unverträglichkeiten oder Durchfallerkrankungen fehlt der nötige Druck beim Kotabsatz.
- Übergewicht: Fetteinlagerungen im Gewebe verengen die Ausführungsgänge der Drüsen.
- Bewegungsmangel: Zu wenig Auslauf und Beschäftigung beeinträchtigen die gesamte Verdauungsmotorik.
- Anatomische Veranlagung: Besonders kleine Rassen haben oft enge oder ungünstig gelegene Ausführungsgänge.
- Chronische Entzündungen: Wiederholte Infektionen vernarben das Gewebe und erschweren den Abfluss dauerhaft.
Bevor man selbst Hand anlegt, sollte man sich die Technik mindestens einmal vom Tierarzt oder einer erfahrenen tiermedizinischen Fachangestellten zeigen lassen. Eine unsachgemäße Durchführung kann das empfindliche Gewebe verletzen, Entzündungen verschlimmern oder einen Abszess zum Platzen bringen.
Praktische Umsetzung
Es gibt zwei grundlegende Methoden der Analdrüsenentleerung: die externe Methode, die für Tierhalter geeignet ist, und die interne Methode, die dem Tierarzt vorbehalten bleiben sollte.
Externe Methode (für erfahrene Tierhalter):
- Einmalhandschuhe anziehen und Küchenpapier oder ein altes Tuch bereitlegen – das Sekret riecht extrem unangenehm und hinterlässt hartnäckige Flecken.
- Das Tier in eine ruhige, stehende Position bringen. Eine zweite Person sollte den Hund vorne festhalten und beruhigen.
- Den Schwanz vorsichtig nach oben anheben, ohne zu überstrecken.
- Mit Daumen und Zeigefinger die Analbeutel auf den Positionen vier und acht Uhr ertasten. Gefüllte Drüsen fühlen sich wie kleine, erbsen- bis kirschgroße Knoten an.
- Mit sanftem, gleichmäßigem Druck von unten nach oben und leicht nach innen drücken. Das Sekret sollte als bräunliche, dünnflüssige bis pastöse Masse austreten.
- Anschließend die Region mit einem feuchten Tuch reinigen.
Interne Methode (nur durch Tierarzt): Hierbei wird ein behandschuhter Finger rektal eingeführt und die Drüse zwischen Finger und Daumen ausgedrückt. Diese Methode ist gründlicher, aber für den Laien ungeeignet und erfordert klinische Erfahrung.
Wichtige Warnsignale: Ist das Sekret blutig, grünlich, sehr dickflüssig oder eitrig, liegt wahrscheinlich eine Entzündung oder ein Abszess vor. In diesem Fall sofort den Tierarzt aufsuchen und auf keinen Fall selbst weiter drücken.
Häufige Fehler
- Zu häufiges Entleeren: Werden die Analdrüsen vorsorglich oder routinemäßig ausgedrückt, ohne dass ein tatsächliches Problem besteht, kann das die Drüsen reizen und die natürliche Entleerung stören. Die Drüsen gewöhnen sich an die manuelle Hilfe, was das Problem erst chronisch macht.
- Zu starker Druck: Übermäßige Kraftanwendung kann die Drüsenwand verletzen, das Sekret ins umliegende Gewebe pressen und schwere Entzündungen verursachen.
- Entzündete Drüsen selbst behandeln: Bei Schwellung, Rötung, Wärme oder sichtbarem Abszess gehört das Tier in tierärztliche Behandlung. Hier sind häufig Antibiotika, Spülungen oder sogar eine chirurgische Versorgung notwendig.
- Fehlende Ursachenforschung: Wer nur das Symptom behandelt, ohne die Ursache anzugehen – etwa Futterunverträglichkeiten, Übergewicht oder Bewegungsmangel – wird das Problem nicht in den Griff bekommen.
- Mangelnde Hygiene: Ohne Handschuhe und gründliche Reinigung können Bakterien in die Ausführungsgänge gelangen und Infektionen auslösen.