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Avelignese

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Steckbrief

  • Herkunft: Südtirol (heute Italien), Gemeinde Hafling bei Meran
  • Rassestandard: Zuchtbuch geführt durch den italienischen Zuchtverband ANACRHAI sowie die HAFLINGER PFERDEZUCHTVERBAND TIROL; international anerkannt
  • Stockmaß: 138–150 cm
  • Gewicht: 400–600 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre
  • Fell/Farben: Ausschließlich Fuchs in allen Schattierungen, von Hellfuchs bis Dunkelfuchs, stets mit hellem Langhaar (Flachsmähne und -schweif); weiße Abzeichen am Kopf sind erlaubt, größere Beinabzeichen hingegen unerwünscht

Herkunft & Geschichte

Der Avelignese ist die italienische Bezeichnung für das Haflinger Pferd – der Name leitet sich von Avelengo ab, der italienischen Bezeichnung für den Ort Hafling oberhalb von Meran in Südtirol. Nach der Abtretung Südtirols an Italien nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Zucht in Italien eigenständig weiter, während in Österreich und später in Deutschland parallele Zuchtlinien fortgeführt wurden. Der Avelignese und der Haflinger teilen denselben Gründerhengst: den 1874 geborenen Hengst 249 Folie, der als Stammvater aller heutigen Zuchtlinien gilt. Folie war ein Sohn des Halbaraber-Hengstes 133 El'Bedavi XXII und einer einheimischen Tiroler Stute.

Die ursprüngliche Zucht zielte auf ein robustes, trittsicheres Gebirgspferd ab, das in der alpinen Landwirtschaft als Saum- und Zugtier unverzichtbar war. In der italienischen Zucht wurde über Jahrzehnte ein etwas kräftigerer, kompakterer Typ bevorzugt als in der österreichischen Parallellinie. Seit den 1960er-Jahren wandelte sich das Zuchtziel zunehmend in Richtung eines vielseitigen Freizeitpferdes, ohne dabei die Robustheit und Genügsamkeit zu opfern. Heute wird der Avelignese vom italienischen Zuchtverband ANACRHAI betreut, der strenge Selektionskriterien anlegt und die Abstammung jedes eingetragenen Tieres lückenlos dokumentiert.

Aussehen & Rassemerkmale

Der Avelignese präsentiert sich als harmonisch gebautes, kompaktes Kleinpferd mit deutlichem Gebirgstyp. Der Kopf ist trocken und edel, mit großen, ausdrucksstarken Augen und kleinen, aufmerksamen Ohren. Das Profil zeigt sich gerade bis leicht konkav, was auf den orientalischen Einfluss in der Abstammung hindeutet.

Der Hals ist mittellang und gut bemuskelt, der Widerrist ausgeprägt genug für guten Sattelsitz. Die Schulter ist schräg gelagert und ermöglicht raumgreifende Bewegungen. Der Rumpf zeigt sich breit und tief, mit gut gewölbten Rippen und einer kräftigen Lendenpartie. Die Kruppe ist leicht abfallend, breit und gut bemuskelt – ein typisches Merkmal für Gebirgspferderassen. Die Gliedmaßen sind trocken, korrekt gestellt und mit harten, widerstandsfähigen Hufen ausgestattet, die selten zur Hornqualitätsproblemen neigen.

Das Langhaar ist üppig und seidig, wobei die helle Flachsmähne und der ebenso helle Schweif das markanteste optische Erkennungszeichen der Rasse darstellen. Das Fell ist dicht und passt sich saisonbedingt an – im Winter bildet sich ein dichtes Unterfell, das den Avelignese bestens gegen Kälte und Nässe schützt.

Charakter & Wesen

Der Avelignese ist ein ausgesprochen menschenbezogenes, freundliches und gutmütiges Pferd. Er gilt als nervenstark, gelassen und zuverlässig – Eigenschaften, die ihn seit Jahrhunderten zum geschätzten Partner in unwegsamem Gelände machen. Seine Trittsicherheit und sein besonnenes Temperament machen ihn zu einem der sichersten Geländepferde überhaupt.

Gleichzeitig ist er keineswegs stumpf oder phlegmatisch. Der Avelignese zeigt sich lernwillig, intelligent und durchaus arbeitseifrig, wenn er gefordert wird. Er baut schnell eine enge Bindung zu seiner Bezugsperson auf und zeigt sich treu und kooperativ. In der Herde verhält er sich sozial verträglich und unkompliziert. Jungpferde können durchaus verspielt und neugierig sein, wobei sie sich mit konsequenter, aber ruhiger Erziehung problemlos handhaben lassen.

Haltung & Pflege

Als Gebirgspferd ist der Avelignese für eine naturnahe Haltung prädestiniert. Offenstall- oder Aktivstallkonzepte mit ausreichend Auslauf kommen seinem Bewegungsdrang und seinem robusten Wesen am besten entgegen. Reine Boxenhaltung ohne Weidegang ist für diese Rasse ungeeignet und kann zu Verhaltensproblemen und Stoffwechselerkrankungen führen.

Die Fellpflege gestaltet sich unkompliziert. Regelmäßiges Striegeln fördert die Durchblutung und stärkt die Bindung zum Pferd. Das üppige Langhaar sollte regelmäßig verlesen und bei Bedarf vorsichtig entwirrt werden. Die harten Hufe benötigen dennoch alle sechs bis acht Wochen eine professionelle Hufbearbeitung durch einen Hufschmied oder Hufpfleger.

Ausreichend Beschäftigung ist essenziell: Der Avelignese eignet sich hervorragend für Wanderritte, Kutschfahrten, leichte Dressur, Voltigieren und therapeutisches Reiten. Er braucht geistige und körperliche Auslastung, um ausgeglichen zu bleiben.

Ernährung

Der Avelignese ist ein äußerst leichtfuttriger Typ. Sein Stoffwechsel ist auf karge Gebirgsweiden ausgelegt, weshalb bei der Fütterung besondere Vorsicht geboten ist. Qualitativ hochwertiges Heu bildet die Grundlage der Ernährung. Kraftfutter sollte nur bei tatsächlich erhöhtem Energiebedarf – etwa bei regelmäßiger sportlicher Nutzung oder tragenden Stuten – in moderaten Mengen zugefüttert werden.

Zu energiereiche Fütterung, insbesondere in Kombination mit zu wenig Bewegung, führt bei dieser Rasse schnell zu