Bandagen
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Definition und Überblick
Bandagen im Reitsport sind lange, elastische Stoffstreifen, die spiralförmig um die Beine des Pferdes gewickelt werden. Sie dienen dem Schutz der Sehnen, Bänder und des Röhrbeins vor mechanischen Einwirkungen während des Trainings, beim Transport oder in der Stallruhe. Bandagen gehören neben Gamaschen zu den am häufigsten eingesetzten Beinschutzprodukten in der Reitausrüstung und werden je nach Einsatzzweck in unterschiedlichen Materialien und Breiten angeboten.
Im Gegensatz zu Gamaschen, die als vorgefertigte Hartschalenprotektoren einfach angelegt werden, erfordert das Bandagieren ein gewisses Maß an Übung und Fachkenntnis. Falsch angelegte Bandagen können Druckstellen verursachen, die Blutzirkulation beeinträchtigen oder im schlimmsten Fall Sehnenschäden hervorrufen. Korrekt gewickelt bieten sie jedoch einen gleichmäßigen Stützeffekt und schützen die empfindlichen Gliedmaßen des Pferdes zuverlässig.
Arten von Bandagen
Je nach Verwendungszweck werden verschiedene Bandagentypen unterschieden:
- Arbeitsbandagen (Trainingsbandagen): Sie bestehen aus elastischem Fleece- oder Polarfleece-Material und werden während des Reitens oder Longierens eingesetzt. Ihre Breite beträgt in der Regel etwa 10 bis 12 Zentimeter bei einer Länge von circa 2,5 bis 3,5 Metern. Arbeitsbandagen bieten leichten Halt und schützen vor Streifverletzungen.
- Stallbandagen (Ruhebandagen): Diese dickeren, weniger elastischen Bandagen werden im Stall angelegt, etwa nach intensiver Arbeit, bei Verletzungen oder zur Unterstützung der Regeneration. Sie werden üblicherweise in Kombination mit Unterlegbandagen oder Wattierungen verwendet, um den Druck gleichmäßig zu verteilen.
- Transportbandagen: Sie schützen die Pferdebeine während des Verladens und Transports im Anhänger oder Lkw. Transportbandagen sind meist breiter und dicker als Arbeitsbandagen und reichen vom Karpalgelenk bzw. Sprunggelenk bis über den Kronrand hinaus, um auch die Fesselregion abzudecken.
- Elastische Binden (Krepp- oder Idealbinden): Diese medizinischen Bandagen kommen bei Verletzungen und tierärztlicher Versorgung zum Einsatz. Sie werden häufig als Fixierverband über Wundauflagen gewickelt.
Material und Eigenschaften
Moderne Pferdebandagen bestehen überwiegend aus synthetischen Fleece-Materialien, die sich durch gute Elastizität, Atmungsaktivität und einfache Pflege auszeichnen. Baumwollbandagen werden seltener verwendet, bieten aber den Vorteil einer geringeren Wärmeentwicklung. Einige Hersteller setzen auf spezielle Funktionsfasern mit kühlenden oder wärmespeichernden Eigenschaften, etwa Keramikfasern, die Infrarotstrahlung reflektieren und die Durchblutung fördern sollen.
Der Verschluss erfolgt in der Regel über einen integrierten Klettverschluss am Ende der Bandage. Einzelne Modelle verfügen zusätzlich über eine Lasche oder einen Clip, um ein versehentliches Lösen während der Bewegung zu verhindern.
Richtiges Bandagieren – Technik und Anwendung
Das korrekte Anlegen einer Bandage erfordert Sorgfalt und Routine. Die grundlegende Technik folgt einem festen Schema:
- Die Bandage wird von außen nach innen, also in Richtung des Röhrbeins, spiralförmig und mit gleichmäßigem Zug von oben nach unten und wieder nach oben gewickelt.
- Jede Lage sollte die vorherige etwa zur Hälfte überlappen, um eine gleichmäßige Druckverteilung zu gewährleisten.
- Der Anfang wird durch die erste Umwicklung fixiert, das Ende mit dem Klettverschluss an der Außenseite des Beins befestigt – niemals an der Innenseite oder über der Schienbeinleiste.
- Der Klettverschluss darf nicht über Sehnen oder Knochen liegen und sollte zusätzlich in Laufrichtung zeigen, damit er sich bei Kontakt mit dem anderen Bein nicht öffnet.
- Bei Stallbandagen und Transportbandagen wird grundsätzlich eine Unterlage aus Bandagierwatte oder Schaumstoffpolstern verwendet, die den Druck verteilt und Einschnürungen vorbeugt.
Der Anpressdruck muss gleichmäßig sein. Als Faustregel gilt: Zwischen Bandage und Bein sollte ein Finger flach eingeschoben werden können. Ist die Bandage zu fest gewickelt, drohen Durchblutungsstörungen und sogenannte Bandagierdrücke, die zu Schwellungen oder Sehnenentzündungen führen können. Ist sie zu locker, rutscht sie herab und birgt Stolpergefahr.
Vor- und Nachteile gegenüber Gamaschen
Bandagen und Gamaschen erfüllen ähnliche Schutzfunktionen, unterscheiden sich aber in mehreren Punkten:
- Anpassung: Bandagen passen sich durch das individuelle Wickeln exakt an jede Beinform an. Gamaschen sind dagegen in Standardgrößen gefertigt und weniger flexibel.
- Stützwirkung: Die kompressive Wirkung einer Bandage kann durch Zugstärke variiert werden. Gamaschen bieten primär Aufprallschutz, weniger Kompression.
- Anwenderfehler: Das Risiko fehlerhafter Anwendung ist bei Bandagen deutlich höher. Gamaschen lassen sich schneller und sicherer anlegen.
- Wärmeentwicklung: Bandagen erzeugen unter Belastung mehr Wärme als viele moderne Gamaschen, was bei langen Trainingsphasen die Sehnengesundheit beeinflussen kann.
- Pflege: Fleecebandagen sind maschinenwaschbar und trocknen schnell. Gamaschen mit Hartschale erfordern aufwendigere Reinigung.
Pflege und Aufbewahrung
Nach jedem Gebrauch sollten Bandagen von Haaren, Sand und Schweiß befreit werden. Die meisten Fleecebandagen lassen sich bei 30 Grad in der Waschmaschine reinigen. Auf Weichspüler sollte verzichtet werden, da er die