Gamaschen
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Definition und Überblick
Gamaschen sind Schutzausrüstungen für die Beine von Pferden, die im Reitsport und bei der täglichen Arbeit mit dem Pferd zum Einsatz kommen. Sie umschließen den unteren Beinbereich – je nach Modell den Röhrknochen, das Fesselgelenk und teilweise auch den Bereich der Sehnen – und schützen diese empfindlichen Strukturen vor Verletzungen durch Anschlagen, Streifen oder äußere Einwirkungen. Gamaschen gehören zur Standardausrüstung im Spring-, Dressur-, Gelände- und Freizeitreiten und werden sowohl beim Training als auch beim Transport eingesetzt. Die Auswahl des richtigen Modells richtet sich nach Einsatzzweck, Disziplin und den individuellen Bedürfnissen des Pferdes.
Funktion und Schutzmechanismus
Die Gliedmaßen des Pferdes sind im Bereich unterhalb des Karpal- bzw. Sprunggelenks besonders verletzungsanfällig. Sehnen, Bänder und Knochen liegen hier dicht unter der Haut und werden nur von wenig Muskulatur geschützt. Beim Reiten – insbesondere beim Springen, bei Wendungen oder bei schnellen Gangartenwechseln – besteht das Risiko, dass sich das Pferd mit einem Huf selbst an der gegenüberliegenden oder benachbarten Gliedmaße trifft. Dieses sogenannte Streichen oder Anschlagen kann zu Prellungen, Abschürfungen oder ernsteren Verletzungen an Sehnen und Gelenken führen.
Gamaschen bieten eine mechanische Barriere gegen solche Einwirkungen. Sie polstern den gefährdeten Bereich ab und verteilen die Aufprallenergie auf eine größere Fläche. Gleichzeitig dürfen sie die natürliche Bewegungsfreiheit des Pferdebeins nicht einschränken und müssen einen ausreichenden Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch ermöglichen, um eine Überhitzung der darunter liegenden Sehnenstrukturen zu vermeiden.
Arten von Gamaschen
Die Vielfalt an Gamaschen auf dem Markt ist groß. Die gängigsten Typen lassen sich wie folgt einteilen:
- Dressurgamaschen: Weiche, meist aus Neopren, Kunstleder oder Fleece gefertigte Gamaschen, die primär vor dem Streifen schützen. Sie umschließen den Röhrknochen und das Fesselgelenk und bieten leichten Schutz ohne steife Hartschalenelemente. Sie werden häufig beim täglichen Training verwendet.
- Springgamaschen: Diese Modelle verfügen in der Regel über eine verstärkte Hartschale an der Innenseite des Beins und einen zusätzlichen Fesselkopfschutz. Die robustere Konstruktion trägt dem höheren Verletzungsrisiko beim Springen Rechnung, etwa durch Kontakt mit Stangen oder durch intensivere Belastung der Vorderbeine bei der Landung.
- Gamaschen für den Geländesport: Im Vielseitigkeitsreiten kommen besonders stabile Modelle zum Einsatz, die einen umfassenden Rundumschutz bieten. Sie sind oft aus stoßabsorbierenden Materialien wie EVA-Schaum oder thermoplastischen Kunststoffen gefertigt und schützen gegen Aufprall an festen Geländehindernissen.
- Transportgamaschen: Großflächige, stark gepolsterte Gamaschen, die das gesamte Pferdebein vom Karpal- bzw. Sprunggelenk bis hinunter zum Kronrand schützen. Sie werden beim Transport im Anhänger oder Lkw angelegt, um Verletzungen durch Tritte, Stolpern oder enge Platzverhältnisse zu verhindern.
- Stallgamaschen: Leichte, weich gepolsterte Modelle, die in der Box getragen werden, um Pferde mit Neigung zum Liegen auf harten Böden oder solche in der Rekonvaleszenz vor Druckstellen zu schützen.
Material und Verarbeitung
Moderne Gamaschen bestehen aus einer Kombination verschiedener Materialien. Für die Außenschale kommen häufig robuste Kunststoffe, Leder oder verstärkte Textilien zum Einsatz. Die Innenseite ist meist mit weichem Neopren, Lammfell, Kunstfell oder atmungsaktivem Mesh ausgekleidet, um Scheuerstellen zu vermeiden und den Tragekomfort zu erhöhen. Die Verschlüsse sind als Klettverschlüsse, Schnallen oder elastische Riemen ausgeführt. Entscheidend für die Qualität ist, dass die Materialien formstabil bleiben, sich leicht reinigen lassen und nach dem Waschen schnell trocknen.
Hochwertige Produkte zeichnen sich durch eine anatomische Formgebung aus, die der natürlichen Beinkontur des Pferdes folgt. Einige Hersteller bieten Gamaschen mit belüfteten Zonen oder perforiertem Material an, um eine Überhitzung der Beugesehnen zu minimieren – ein Aspekt, der in der sportmedizinischen Forschung zunehmend Beachtung findet.
Richtige Anwendung und Passform
Die korrekte Passform ist für die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Gamaschen entscheidend. Zu locker sitzende Gamaschen können verrutschen, Falten werfen und dadurch Druckstellen verursachen oder sogar zur Stolperfalle werden. Zu eng angelegte Gamaschen beeinträchtigen die Durchblutung und können Sehnenstrukturen schädigen.
Beim Anlegen ist auf folgende Punkte zu achten:
- Die Beine des Pferdes müssen sauber und trocken sein. Sand, Schmutz oder Einstreu unter der Gamasche führen zu Reibung und Hautreizungen.
- Der Verschluss wird in der Regel von oben nach unten geschlossen, wobei die Verschlussrichtung nach hinten und außen weist, damit sich bei einer Berührung mit dem anderen Bein nichts öffnet.
- Zwischen Gamasche und Pferdebein sollte ein Finger breit Platz bleiben, um einen ausreichenden, aber nicht zu lockeren Sitz zu gewährleisten.
- Nach dem Reiten sind Gamaschen zeitnah abzunehmen, damit sich kein Wärmestau bildet.
Die richtige Größe richtet sich nach dem Umfang des Röhrknochens und der Höhe des Fesselgelenks. Die meisten Hersteller bieten Größen von Pony über Vollblut/Cob bis Warmblut an. Für Vorder- und Hinterbeine gibt es in