Führstrick
FSport & Training > Reitausrüstung
Definition und Überblick
Ein Führstrick ist ein Seil oder eine Leine, die am Halfter eines Pferdes befestigt wird, um das Tier sicher zu führen, anzubinden oder bei der Bodenarbeit zu kontrollieren. Er gehört zur grundlegenden Reitausrüstung und wird im täglichen Umgang mit Pferden ebenso verwendet wie im professionellen Training, bei Zuchtschauen oder im therapeutischen Reiten. Obwohl der Führstrick auf den ersten Blick ein simples Hilfsmittel ist, unterscheiden sich die erhältlichen Modelle erheblich in Material, Länge, Verschlussart und Einsatzzweck. Die richtige Wahl und der korrekte Umgang mit dem Führstrick tragen wesentlich zur Sicherheit von Mensch und Pferd bei.
Material und Verarbeitung
Führstricke werden aus verschiedenen Materialien gefertigt, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile mitbringen:
- Baumwolle: Baumwollstricke sind weich, griffig und hautfreundlich. Sie eignen sich gut für den täglichen Gebrauch, nehmen allerdings Feuchtigkeit auf und trocknen langsam. Bei starkem Zug können sie in die Hände schneiden.
- Polypropylen und Nylon: Synthetische Führseile sind robust, wetterbeständig und in vielen Farben erhältlich. Nylon ist besonders reißfest, kann bei nassem Zustand jedoch rutschig werden. Polypropylen ist leichter und schwimmt auf Wasser, was bei der Arbeit im Freien von Vorteil sein kann.
- Leder: Lederführstricke gelten als besonders hochwertig und langlebig. Sie bieten einen angenehmen Griff und werden vor allem bei Zuchtschauen, Turnieren und in der klassischen Dressurarbeit eingesetzt. Regelmäßige Pflege mit Lederfett ist notwendig, um das Material geschmeidig zu halten.
- Biothane: Dieses Kunststoffmaterial imitiert die Optik von Leder, ist aber pflegeleichter, wasserabweisend und nahezu unverwüstlich. Biothane-Führstricke gewinnen zunehmend an Beliebtheit im Freizeitbereich.
- Kletterseil (Yacht-Seil): Im Natural Horsemanship werden häufig geflochtene Kletterseile mit einem Kern-Mantel-Aufbau verwendet. Sie sind schwer genug, um dem Pferd ein deutliches Signal zu vermitteln, und liegen gut in der Hand.
Die Enden des Stricks werden in der Regel vernäht, verschweißt oder mit Metallklemmen gesichert, um ein Aufdröseln zu verhindern. Hochwertige Führstricke zeichnen sich durch saubere Nähte, rostfreie Beschläge und eine gleichmäßige Flechtung aus.
Länge und Verschlussarten
Die Standardlänge eines Führstricks liegt zwischen 1,80 und 2,50 Metern. Für die Bodenarbeit, das Longieren am kurzen Seil oder das Training nach Methoden des Natural Horsemanship werden längere Ausführungen von 3,50 bis 4,50 Metern eingesetzt. Am Halfter wird der Strick über einen Verschluss befestigt, wobei mehrere Systeme gebräuchlich sind:
- Karabinerhaken: Der klassische Karabiner – entweder als Bolzenkarabiner oder als Panikhaken – ist die verbreitetste Verschlussart. Bolzenkarabiner sind besonders stabil, lassen sich unter Zug jedoch schwer öffnen. Panikhaken (auch Panikkettenhaken genannt) können dagegen auch unter Belastung gelöst werden, was in Notsituationen lebensrettend sein kann.
- Knotenbefestigung: Bei vielen Knotenhalftern wird der Führstrick direkt eingeknotet, meist mit einem speziellen Knoten, der sich unter Zug festzieht und dennoch leicht lösen lässt. Diese Methode kommt vor allem im Natural Horsemanship und bei der gebisslosen Reitweise zum Einsatz.
- Bullsnap: Dieser schwere Federkarabiner mit drehbarem Gelenk verhindert ein Verdrehen des Stricks und wird häufig bei Hengsten oder Pferden mit starkem Zug verwendet.
Einsatzbereiche
Der offensichtlichste Verwendungszweck ist das Führen des Pferdes zwischen Stall, Koppel, Reitplatz und Anhänger. Darüber hinaus wird der Führstrick zum Anbinden des Pferdes beim Putzen und Satteln genutzt. In diesem Fall sollte stets ein Anbindeknoten verwendet werden, der sich bei Panik schnell lösen lässt – alternativ wird ein Anbindering mit Sicherheitsverschluss zwischengeschaltet.
In der Bodenarbeit dient der Führstrick als verlängerter Arm des Menschen. Durch feine Signale – leichtes Anheben, seitliches Führen oder rhythmisches Schwingen des Seilendes – kommuniziert der Ausbilder mit dem Pferd. Trainer wie Pat Parelli oder Bernd Hackl haben eigene Führseil-Systeme entwickelt, die auf bestimmte Trainingsphilosophien abgestimmt sind.
Bei Zuchtschauen und Körungen kommen spezielle Vorführstricke aus Leder oder geflochtenem Material zum Einsatz, die oft kürzer sind und eine Kette am halterseitigen Ende besitzen, um dem Vorführer mehr Kontrolle zu geben.
Sicherheitshinweise
Der unsachgemäße Umgang mit einem Führstrick birgt erhebliche Verletzungsrisiken. Die folgenden Grundregeln sollten stets beachtet werden:
- Den Strick niemals um die Hand, das Handgelenk oder andere Körperteile wickeln. Wenn das Pferd erschrickt und flüchtet, kann der Strick schwere Quetschungen, Knochenbrüche oder Amputationsverletzungen verursachen.
- Das überschüssige Seilende in großen Schlaufen locker in der Hand halten oder zusammenlegen – nicht auf dem Boden schleifen lassen, um ein Verheddern zu vermeiden.
- Zum Anbinden ausschließlich Sicherheitsknoten oder Panikhaken verwenden. Ein fest verknoteter Strick kann bei einer Panikreaktion des Pferdes zu schweren Verletzungen an Genick und Halswirbelsäule führen.
- Beschädigte Führstricke mit ausgefransten Stellen, verbogenen Karabinern oder brüchigem Leder sofort austauschen.
Pflege und Haltbarkeit
Baumwoll- und Synthetikst