Berganoa
BTierart – Säugetiere > Huftiere – Rinder
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bubalus depressicornis
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
- Gattung: Asiatische Büffel (Bubalus)
- Lebensraum: Tropische Tiefland- und Bergregenwälder auf Sulawesi (Indonesien)
- Schulterhöhe: 60–100 cm
- Körperlänge: 150–170 cm
- Gewicht: 150–300 kg
- Lebenserwartung: ca. 20–25 Jahre (in Gefangenschaft bis 30 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Der Berganoa, auch Bergbüffel oder Berganoa-Büffel genannt, ist ein relativ kleiner Vertreter der Rinder und zählt zu den kleinsten wildlebenden Rindern der Welt. Der kompakte, gedrungene Körperbau unterscheidet ihn deutlich von den großen Wasserbüffeln, mit denen er die Gattung Bubalus teilt. Die Schulterhöhe liegt bei ausgewachsenen Tieren zwischen 60 und 100 cm, wobei Bullen in der Regel größer und schwerer werden als Kühe.
Das Fell ist kurz, dicht und überwiegend dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Bei einigen Individuen finden sich hellere Partien an den Beinen und am unteren Halsbereich. Neugeborene Kälber zeigen ein dichtes, leicht wollig wirkendes Fell mit rötlich-braunem Einschlag, das sich im Laufe der ersten Lebensmonate nachdunkelt.
Beide Geschlechter tragen nach hinten gerichtete, relativ kurze und gerade Hörner, die im Querschnitt dreieckig bis abgeflacht erscheinen – ein Merkmal, das dem Artepitheton depressicornis (lateinisch für „mit niedergedrückten Hörnern") zugrunde liegt. Die Hörner der Bullen sind etwas kräftiger ausgebildet und können Längen von bis zu 35 cm erreichen. Auffällig sind zudem die relativ kurzen, kräftigen Beine, die dem Berganoa eine gute Geländegängigkeit im dichten Unterholz verleihen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Berganoa beschränkt sich ausschließlich auf die indonesische Insel Sulawesi. Dort besiedelt die Art ein vergleichsweise breites Spektrum an Waldhabitaten, von dichten tropischen Tieflandregenwäldern bis hin zu Bergwäldern in Höhenlagen von bis zu 2.500 Metern. Bevorzugt werden Gebiete mit dichtem Unterwuchs in der Nähe von Gewässern, die sowohl Deckung als auch Zugang zu Wasser bieten.
Der Berganoa kommt sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbinsel Sulawesis vor, wobei die Populationen in vielen Regionen stark fragmentiert sind. Die fortschreitende Abholzung der tropischen Wälder hat das ursprüngliche Biotop der Art erheblich eingeschränkt. Heute finden sich die größten zusammenhängenden Bestände in geschützten Waldgebieten und Nationalparks, darunter der Lore-Lindu-Nationalpark und der Bogani-Nani-Wartabone-Nationalpark.
Vom nahe verwandten Flachlandanoa (Bubalus quarlesi), der ebenfalls auf Sulawesi vorkommt, unterscheidet sich der Berganoa durch seine generell größere Körperstatur, die dickere Haut und die Form der Hörner. Die taxonomische Abgrenzung beider Arten wird allerdings seit Jahrzehnten diskutiert; einige Systematiker betrachten den Flachlandanoa lediglich als Unterart des Berganoa.
Ernährung
Der Berganoa ist ein Pflanzenfresser mit einer vielseitigen Kost. Er ernährt sich überwiegend von Blättern, jungen Trieben, Gräsern, Farnen und Wasserpflanzen. Früchte, die von Bäumen auf den Waldboden fallen, ergänzen das Nahrungsspektrum. Im dichten Regenwald nutzt der Berganoa häufig Lichtungen und Gewässerränder zur Nahrungsaufnahme, da dort das Pflanzenwachstum besonders üppig ist. Wie viele Rinder sucht er regelmäßig Salzlecken auf, um seinen Mineralstoffbedarf zu decken.
Verhalten & Lebensweise
Im Gegensatz zu vielen anderen Rindern lebt der Berganoa überwiegend einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen von zwei bis fünf Tieren. Größere Herdenverbände, wie sie bei Wasserbüffeln oder Rindern der afrikanischen Savannen typisch sind, kommen beim Berganoa nicht vor. Die Tiere sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und verbringen die heißen Tagesstunden ruhend im dichten Unterholz oder in schlammigen Suhlen.
Berganoas sind scheue und zurückgezogen lebende Tiere, die bei Gefahr sofort in dichtes Gebüsch flüchten. Bullen beanspruchen lockere Reviere, die sie mit Duftmarken – vor allem durch Reiben der Hörner an Bäumen und durch Urin – kennzeichnen. Direkte Auseinandersetzungen zwischen Bullen sind selten und beschränken sich meist auf Drohgesten und kurze Hornstöße.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung des Berganoa ist nicht streng saisonal gebunden, wobei in Gefangenschaft Geburten über das gesamte Jahr verteilt beobachtet wurden. Die Tragzeit beträgt etwa 275 bis 315 Tage. In der Regel wird ein einzelnes Kalb geboren; Zwillingsgeburten sind äußerst selten.
Das Kalb ist bei der Geburt bereits relativ weit entwickelt und kann innerhalb weniger Stunden stehen und der Mutter folgen. Die Stillzeit erstreckt sich über sechs bis neun Monate, wobei die Jungtiere bereits nach wenigen Wochen beginnen, feste Pflanzennahrung zu sich zu nehmen. Die Geschlechtsreife wird bei beiden Geschlechtern im Alter von etwa zwei bis drei Jahren erreicht. Junge Bullen verlassen das mütterliche Revier in der Regel früher als Kühe, die manchmal über längere Zeiträume in der Nähe der Mutter bleiben.