Gaur
GTierart – Säugetiere > Huftiere – Rinder
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bos gaurus
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
- Gattung: Eigentliche Rinder (Bos)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Süd- und Südostasiens
- Größe: Schulterhöhe 165–220 cm, Kopf-Rumpf-Länge bis 330 cm
- Gewicht: Kühe 700–1.000 kg, Bullen 1.000–1.500 kg (in Ausnahmefällen bis 1.700 kg)
- Lebenserwartung: Etwa 20–26 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Gaur ist das größte lebende Wildrind der Erde und zugleich eines der massigsten landlebenden Säugetiere Asiens. Ausgewachsene Bullen erreichen eine Schulterhöhe von über zwei Metern und ein Gewicht, das selbst große Kaffernbüffel deutlich übertrifft. Der Körperbau ist extrem muskulös, mit einem ausgeprägten Schulterbuckel, der durch verlängerte Dornfortsätze der Brustwirbel gestützt wird und dem Tier seine charakteristische, steil abfallende Rückenlinie verleiht.
Das kurze, dichte Fell adulter Bullen ist dunkelbraun bis nahezu schwarz gefärbt. Kühe und Jungtiere zeigen dagegen hellere, rotbraune Töne. Ein auffälliges Merkmal sind die sogenannten „weißen Strümpfe": Die unteren Abschnitte aller vier Beine sind von der Fessel abwärts hellgrau bis weiß gefärbt und heben sich scharf vom dunklen Rumpf ab. Die Stirn trägt zwischen den Hornansätzen einen gelblich-grauen Wulst aus verdickter Haut.
Beide Geschlechter tragen kräftige, seitlich und aufwärts gebogene Hörner, die an der Basis einen abgeflachten Querschnitt aufweisen. Bei Bullen können die Hörner eine Spannweite von über einem Meter erreichen und sind an den Spitzen dunkel gefärbt, oft fast schwarz. Kühe besitzen schlankere, aber ebenso gebogene Hörner.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Gaur erstreckt sich vom indischen Subkontinent über Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam und Kambodscha bis nach Malaysia. In China kommt die Art nur noch in kleinen Reliktvorkommen in Yunnan vor. Historisch besiedelte der Gaur auch Sri Lanka, doch dort ist er seit dem 19. Jahrhundert ausgestorben.
Als bevorzugtes Habitat dienen immergrüne und halbimmergrüne tropische Wälder, Monsunwälder sowie lichte Laubwälder mit angrenzenden Grasfluren. Die Tiere halten sich vorwiegend in hügeligem bis bergigem Gelände auf und wurden in Höhenlagen von bis zu 2.800 Metern nachgewiesen. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist die Verfügbarkeit dichter Waldbestände als Rückzugsraum in Kombination mit offenen Lichtungen oder Waldrändern, die als Äsungsflächen dienen. Gaure meiden stark degradierte Gebiete und offene Kulturlandschaften, tolerieren jedoch in manchen Regionen die Nähe menschlicher Siedlungen, sofern ausreichend Deckung vorhanden ist.
Ernährung
Gaure sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Den Hauptanteil der Nahrung bilden Gräser, insbesondere junge Triebe auf Waldlichtungen und an Brandrodungsflächen. Ergänzend fressen sie Blätter, Rinde, junge Triebe von Bambus, Früchte und Kräuter. Während der Trockenzeit, wenn frisches Gras knapp wird, steigt der Anteil an Laub und holzigen Pflanzenteilen in der Ernährung deutlich an.
Die Tiere suchen regelmäßig Salzlecken auf, um ihren Mineralstoffbedarf zu decken. Wasser wird täglich benötigt, weshalb sich Gaur-Herden selten weiter als einige Kilometer von Gewässern entfernen.
Verhalten & Lebensweise
Gaure leben in Herden von typischerweise 8 bis 25 Tieren, gelegentlich auch mehr. Eine Herde besteht aus mehreren Kühen mit ihren Kälbern und Jungrindern sowie meist einem dominanten Bullen. Ältere Bullen leben außerhalb der Paarungszeit häufig als Einzelgänger oder bilden kleine Junggesellen-Gruppen.
Die Aktivitätsmuster variieren je nach Region und menschlichem Störungsdruck. In ungestörten Gebieten sind Gaure überwiegend tagaktiv und äsen vor allem in den kühlen Morgen- und Abendstunden. In der Mittagshitze ruhen sie im Schatten dichter Baumbestände. In Regionen mit starker menschlicher Präsenz verschieben die Tiere ihre Aktivität zunehmend in die Dämmerungs- und Nachtstunden und werden nachtaktiv.
Gaure gelten trotz ihrer Körpergröße als scheue Tiere, die in der Regel vor Menschen flüchten. In Bedrängnis können Bullen jedoch aggressiv reagieren und stellen dann aufgrund ihrer Masse und Hornbewaffnung eine ernste Gefahr dar. Natürliche Feinde sind Tiger und in seltenen Fällen Rudel von Rothunden (Cuon alpinus). Ausgewachsene, gesunde Bullen werden allerdings selbst von Tigern kaum erbeutet.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den meisten Teilen des Verbreitungsgebiets in die Monate November bis März, kann jedoch regional variieren. Während der Brunft stoßen Bullen tiefe, weitreichende Rufe aus, um Kühe anzulocken und Rivalen zu warnen. Dominante Bullen verteidigen ihren Zugang zu paarungsbereiten Kühen durch Imponierverhalten und – bei gleichstarken Kontrahenten – durch direkte Kämpfe, bei denen sich die Bullen mit gesenkten Köpfen rammen.
Nach einer Tragzeit von etwa 270 bis 280 Tagen bringt die Kuh in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt. Zwillingsgeburten sind äußerst selten. Das Kalb wiegt bei der Geburt rund 20 bis 25 Kilogramm und ist hellbraun gef