Beutelmull
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Notoryctes typhlops (Großer Beutelmull), Notoryctes caurinus (Kleiner Beutelmull)
- Ordnung: Beuteltiere (Marsupialia), Ordnung Notoryctemorphia
- Familie: Beutelmullidae (Notoryctidae)
- Gattung: Notoryctes
- Lebensraum: Sandwüsten und aride Buschlandschaften Zentralaustraliens
- Größe: 12–16 cm Kopf-Rumpf-Länge
- Gewicht: 40–70 g
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn weitgehend unbekannt; in Gefangenschaft nur wenige Monate dokumentiert
Aussehen & Merkmale
Der Beutelmull gehört zu den ungewöhnlichsten Säugetieren Australiens. Sein gesamter Körperbau ist an ein Leben unter der Erdoberfläche angepasst. Der zylindrische, kompakte Körper ist mit kurzem, seidig-goldenem bis rötlichem Fell bedeckt, das kaum Widerstand im Sand erzeugt. Die Haare liegen glatt an und besitzen keinen festgelegten Strich, sodass sich das Tier in jede Richtung gleich leicht durch das Substrat bewegen kann.
Augen sind äußerlich nicht erkennbar – sie liegen unter der Haut verborgen und sind funktionslos. Die Ohrmuscheln fehlen vollständig; an ihrer Stelle befinden sich lediglich kleine Öffnungen, die von dichtem Fell geschützt werden. Die kurze, kegelförmige Schnauze trägt einen festen, hornartigen Nasenschild, der als Grabwerkzeug dient und die Nasenlöcher beim Wühlen vor eindringendem Sand schützt.
Die Vorderpfoten sind zu kräftigen Grabschaufeln umgebildet. Die dritte und vierte Zehe tragen stark vergrößerte, spatenartige Krallen, mit denen der Beutelmull Sand vor sich her schiebt. Die Hinterfüße sind abgeflacht und dienen dem Nachschieben des lockeren Materials. Der Schwanz ist ein kurzer, ledrig-fester Stummel von etwa zwei Zentimetern Länge und funktioniert möglicherweise als Widerlager beim Graben.
Weibchen besitzen einen nach hinten geöffneten Beutel (Marsupium) mit zwei Zitzen. Die Beutelöffnung zeigt – anders als bei Kängurus – nach hinten, was verhindert, dass sich der Beutel beim Graben mit Sand füllt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der beiden Beutelmull-Arten beschränkt sich auf das aride Innere Australiens. Notoryctes typhlops, der Große Beutelmull, bewohnt die Sandwüsten des südlichen Northern Territory und des nördlichen South Australia, darunter die Simpson-Wüste und die Große Sandwüste. Notoryctes caurinus, der Kleine oder Nordwestliche Beutelmull, kommt in der Großen Sandwüste und der Gibson-Wüste in Western Australia vor.
Das bevorzugte Habitat besteht aus lockerem, sandigem Substrat, häufig in Dünenlandschaften mit spärlicher Vegetation aus Spinifex-Gras (Triodia). Die Tiere halten sich überwiegend in Tiefen von 20 bis 100 Zentimetern auf, können aber bei Bedarf bis zu 2,5 Meter tief graben. Die Sanddünen und Ebenen, in denen sie leben, gehören zu den trockensten Regionen des Kontinents, mit Niederschlägen von weniger als 250 Millimetern pro Jahr.
Ernährung
Beutelmullinge sind Insektenfresser. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Larven von Käfern, Ameisen und anderen Wirbellosen, die sie beim Durchpflügen des Sandes aufspüren. Gelegentlich fressen sie auch kleine Eidechsen, Samen und Pflanzenmaterial. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend unterirdisch; der Beutelmull schwimmt dabei regelrecht durch den lockeren Sand und stößt auf Beutetiere, die er mit der empfindlichen Schnauze ertastet. Vibrationssinn und taktile Reize der Schnauze spielen bei der Beuteortung eine weitaus größere Rolle als optische oder akustische Signale.
Verhalten & Lebensweise
Über das Verhalten der Beutelmullinge ist weniger bekannt als über fast jedes andere australische Säugetier. Die Tiere leben einzelgängerisch und scheinen kein festes Revier zu unterhalten. Sie graben keine permanenten Tunnelsysteme, sondern bewegen sich durch den Sand, wobei der Tunnel hinter ihnen sofort wieder zusammenfällt. An der Oberfläche tauchen sie nur selten auf, meist nach Regenfällen oder in der Nacht.
Ob die Tiere streng nachtaktiv oder auch tagsüber unterirdisch aktiv sind, lässt sich aufgrund der verborgenen Lebensweise kaum feststellen. Gelegentliche Oberflächenspuren – kurze, gewundene Furchen im Sand – werden häufiger am frühen Morgen entdeckt, was auf nächtliche Aktivität an der Oberfläche hindeutet.
Die Körpertemperatur der Beutelmullinge schwankt stärker als bei den meisten anderen Säugetieren. Sie können in eine Art Torpor fallen, um Energie zu sparen – eine wichtige Anpassung an die unvorhersehbare Nahrungsverfügbarkeit in ihrem Lebensraum.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über die Fortpflanzungsbiologie ist nur wenig gesichert. Da der Beutel des Weibchens lediglich zwei Zitzen enthält, wird angenommen, dass maximal zwei Jungtiere gleichzeitig aufgezogen werden. Wann die Paarungszeit stattfindet und wie lange die Tragzeit dauert, ist nicht zuverlässig dokumentiert. Die Jungtiere werden, wie bei allen Beuteltieren, in einem sehr frühen Entwicklungsstadium geboren und reifen im Beutel der Mutter heran. Einzelne Funde von Weibchen mit Jungtieren im Beutel stammen aus dem australischen Sommer (November bis März), doch ob es eine feste Fortpflanzungssaison gibt, bleibt unklar.
Bedrohung & Schutzstatus
Beide Beutelmull-Arten werden von der IUCN als „Data Deficient" (unzureichende Datenlage