Bordeauxdogge
BRassen > Hunderassen – Sennen- & Schutzhunde
Steckbrief
- Herkunft: Frankreich
- FCI-Gruppe: Gruppe 2 – Pinscher und Schnauzer, Molosser, Schweizer Sennenhunde; Sektion 2.1 – Molossoide, doggenartige Hunde
- FCI-Standard Nr.: 116
- Größe: Rüden 60–68 cm, Hündinnen 58–66 cm (Widerristhöhe)
- Gewicht: Rüden mindestens 50 kg, Hündinnen mindestens 45 kg
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre
- Fell: Kurz, fein, weich und anliegend
- Farben: Einfarbig in allen Schattierungen von Rehfarben (Fauve) – von Mahagoni bis Isabellfarben; rote oder schwarze Maske zulässig; weiße Abzeichen an Brust und Pfoten toleriert
Herkunft & Geschichte
Die Bordeauxdogge, im Französischen als Dogue de Bordeaux bekannt, zählt zu den ältesten Hunderassen Frankreichs. Ihre Abstammung lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, wo große molossoide Hunde in der Region Aquitanien als Jagd-, Wach- und Kriegshunde eingesetzt wurden. Die genaue Herkunft ist unter Kynologen umstritten: Manche sehen in ihr eine direkte Nachfahrin der antiken römischen Molosserhunde, andere vermuten eine eigenständige Entwicklung aus regionalen französischen Doggentypen.
Im 14. und 15. Jahrhundert dienten diese massigen Hunde dem französischen Adel zur Wildschweinjagd und als Schutzhunde auf Landgütern. Später wurden sie auch als Treibhunde für Vieh und leider auch für Hundekämpfe missbraucht. Die Französische Revolution und die beiden Weltkriege dezimierten den Bestand drastisch. Erst in den 1960er-Jahren begannen engagierte französische Züchter unter Federführung von Raymond Triquet mit einer systematischen Zucht und erarbeiteten den modernen Rassestandard, der 1971 von der FCI anerkannt wurde.
International bekannt wurde die Bordeauxdogge vor allem durch den Hollywoodfilm „Scott & Huutch" (1989) mit Tom Hanks, in dem Rüde „Beasley" die Herzen eines Millionenpublikums eroberte. Seitdem ist die Nachfrage nach dieser imposanten Rasse weltweit gestiegen, was auch die Verantwortung seriöser Zuchtverbände für eine gesundheitsorientierte Zucht erhöht hat.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Bordeauxdogge ist ein massiver, muskulöser und dabei erstaunlich kompakter Hund. Ihr Körperbau ist kräftig und gedrungen mit breiter Brust, starkem Knochenbau und tief angesetzter Rute. Trotz ihrer Schwere bewegt sie sich geschmeidig und kraftvoll.
Das auffälligste Merkmal ist der mächtige, kantige Kopf – er gilt als der größte im Verhältnis zum Körper unter allen Hunderassen. Die Stirn ist breit und von deutlichen Falten durchzogen. Der Fang ist kurz, kräftig und leicht aufgestülpt. Die Kiefer sind enorm stark mit einem leichten Vorbiss (Unterkiefer steht geringfügig vor). Die Augen sind oval, weit auseinanderstehend und von bernsteinfarbener bis dunkelbrauner Farbe – sie verleihen dem Gesicht einen aufmerksamen, aber sanften Ausdruck.
Die Ohren sind relativ klein, hängend und etwas dunkler als das restliche Fell. Die Haut ist insgesamt dick und locker sitzend, was die charakteristischen Falten im Gesichts- und Halsbereich bildet. Das Fell selbst ist kurz und pflegeleicht, die Farbpalette reicht von hellem Isabellfarben über goldenes Rehbraun bis hin zu tiefem Mahagoni.
Charakter & Wesen
Wer die Bordeauxdogge nur nach ihrem einschüchternden Äußeren beurteilt, wird überrascht sein: Hinter der imposanten Fassade verbirgt sich ein ausgesprochen ruhiger, treuer und sanftmütiger Hund. Innerhalb der Familie zeigt sie sich anhänglich, verschmust und geduldig – auch mit Kindern geht sie in der Regel bemerkenswert behutsam um.
Gleichzeitig ist die Bordeauxdogge ein wachsamer und territorial veranlagter Hund. Fremden gegenüber verhält sie sich zunächst reserviert und abwartend, ohne dabei grundlos aggressiv zu werden. Ihre Reizschwelle liegt hoch, doch wenn sie ihre Familie tatsächlich bedroht sieht, ist sie ein entschlossener Beschützer. Diese Eigenschaft macht sie zu einem hervorragenden Wach- und Schutzhund.
Bei aller Gelassenheit besitzt die Rasse einen gewissen Eigensinn. Sie ist intelligent, hinterfragt Kommandos durchaus und benötigt eine konsequente, dabei aber respektvolle und geduldige Erziehung. Harte Trainingsmethoden sind kontraproduktiv – diese sensiblen Hunde reagieren darauf mit Sturheit oder Rückzug. Positive Verstärkung und eine klare Führung durch souveräne Bezugspersonen sind der Schlüssel.
Haltung & Pflege
Die Bordeauxdogge ist kein Hund für eine kleine Stadtwohnung. Sie braucht ausreichend Platz und idealerweise einen eingezäunten Garten. Ein Haus mit Grundstück ist die optimale Wohnform. Trotz ihrer Größe ist sie kein Hochleistungssportler – übertriebener Auslauf schadet den Gelenken. Tägliche moderate Spaziergänge von insgesamt ein bis zwei Stunden, ergänzt durch geistige Beschäftigung wie Suchspiele oder Fährtenarbeit, genügen, um sie ausgeglichen zu halten.
Die Fellpflege ist unkompliziert: Wöchentliches Bürsten entfernt lose Haare und fördert die Durchblutung der Haut. Besondere Aufmerksamkeit verlangen die Gesichtsfalten – sie sollten regelmäßig gereinigt und trocken gehalten werden, da sich dort Feuchtigkeit und Bakterien sammeln können. Ohren, Augen und Krallen sind ebenfalls regelmäßig zu kontrollieren.
Eine frühe Sozialisierung und der Besuch einer Hundeschule sind dringend empfohlen. Die Bordeauxdogge muss als Welpe lernen,