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Dilution

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Zucht & Fortpflanzung > Genetik & Vererbung

Definition und Überblick

Dilution (von lateinisch dilutio = Verdünnung, Abschwächung) bezeichnet in der Tiergenetik die erblich bedingte Aufhellung einer Grundfarbe. Durch bestimmte Genvarianten wird die Pigmentierung von Fell, Haut, Augen oder Federn verändert, sodass aus einer ursprünglich intensiven Farbe ein hellerer, „verdünnter" Farbton entsteht. Aus Schwarz wird beispielsweise Blau (Schiefergrau), aus Braun (Chocolate) wird Lilac, und aus Rot wird Creme. Dilutionsgene wirken dabei nicht auf die chemische Zusammensetzung der Pigmente selbst, sondern auf deren Verteilung, Größe oder Dichte in den pigmenttragenden Zellen.

Das Phänomen betrifft zahlreiche Tierarten und spielt in der Rassezucht von Hunden, Katzen, Pferden, Kaninchen, Rindern und Geflügel eine zentrale Rolle. Die gezielte Selektion auf verdünnte Farbschläge gehört seit Jahrhunderten zur Zuchtpraxis, bringt jedoch auch gesundheitliche Aspekte mit sich, die verantwortungsvolle Züchter berücksichtigen müssen.

Genetische Grundlagen

Die Farbgebung bei Säugetieren und Vögeln beruht auf zwei Hauptpigmenten: Eumelanin (verantwortlich für schwarze und braune Töne) und Phäomelanin (verantwortlich für rote und gelbe Töne). Beide Pigmente werden in spezialisierten Zellen, den Melanozyten, produziert und in Form von Melanosomen an die Haar-, Fell- oder Federzellen abgegeben.

Dilutionsgene greifen in diesen Prozess ein, indem sie die Melanosomen in ihrer Verteilung, Form oder Größe verändern. Statt gleichmäßig verteilt zu sein, verklumpen die Pigmentgranula zu größeren, unregelmäßigen Aggregaten. Diese Verklumpung führt dazu, dass einfallendes Licht anders reflektiert und absorbiert wird – die Farbe erscheint aufgehellt.

Am besten untersucht ist der sogenannte D-Locus (Dilution-Locus), an dem das Gen MLPH (Melanophilin) liegt. Dieses Gen codiert ein Protein, das am intrazellulären Transport der Melanosomen beteiligt ist. Eine Mutation im MLPH-Gen – das rezessive Allel d – stört diesen Transport. Nur Tiere, die das mutierte Allel in homozygoter Form tragen (Genotyp d/d), zeigen den verdünnten Phänotyp. Heterozygote Träger (D/d) sind phänotypisch normalfarbig, können die Anlage aber an ihre Nachkommen weitergeben.

Neben dem D-Locus existieren weitere Gene mit aufhellender Wirkung:

  • Champagne-Gen (CH) beim Pferd – ein dominant vererbter Dilutionsfaktor, der sowohl Eumelanin als auch Phäomelanin aufhellt
  • Cream-Gen (CR/MATP) beim Pferd – in einfacher Dosis entsteht aus Fuchs ein Palomino, in doppelter Dosis ein Cremello
  • Dun-Gen beim Pferd – verursacht eine Farbverdünnung am Körper bei Erhalt der intensiven Farbe an Mähne, Schweif und Beinen
  • Blue-Locus (Bl) beim Geflügel – verdünnt Schwarz zu einem schieferblauen Ton
  • Maltese Dilution bei der Katze – entspricht dem klassischen D-Locus und verwandelt Schwarz in Blau (Grau)

Auswirkungen auf den Phänotyp

Die sichtbaren Effekte einer Dilution sind je nach Grundfarbe und beteiligtem Gen unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei Hunden zeigt sich die klassische D-Locus-Verdünnung folgendermaßen:

  • Schwarz → Blau (silbriges Schiefergrau)
  • Braun (Liver/Chocolate) → Lilac (Isabellfarben)
  • Rot/Gelb → Creme oder Champagner

Neben der Fellfarbe sind häufig auch die Nasenfarbe, die Lidränder, die Lippenfarbe und die Augenfarbe betroffen. Verdünnte Hunde haben oft eine bläuliche oder gräuliche Nase statt einer schwarzen, und ihre Augen können heller erscheinen als bei normalfarbigen Artgenossen.

Bei Pferden erzeugt die Kombination mehrerer Dilutionsgene besonders auffällige Farbvarianten. Ein Pferd, das gleichzeitig das Cream-Gen in doppelter Dosis und das Dun-Gen trägt, kann nahezu weiß erscheinen, obwohl es genetisch gesehen kein Schimmel ist.

Vererbungsmuster

Die meisten Dilutionsgene folgen einem autosomal-rezessiven Erbgang. Das bedeutet, dass beide Elternteile mindestens ein verdünntes Allel tragen müssen, damit Nachkommen mit aufgehellter Farbe entstehen. Bei der Verpaarung zweier heterozygoter Träger (D/d × D/d) ergibt sich nach den Mendelschen Regeln folgende statistische Verteilung:

  • 25 % homozygot dominant (D/D) – normalfarbig, kein Träger
  • 50 % heterozygot (D/d) – normalfarbig, aber Träger der Dilution
  • 25 % homozygot rezessiv (d/d) – verdünnter Phänotyp

Einige Dilutionsfaktoren wie das Champagne-Gen oder das Cream-Gen beim Pferd werden hingegen dominant oder unvollständig dominant (intermediär) vererbt. Beim Cream-Gen zeigt sich ein Dosiseffekt: Heterozygote Träger (CR/cr) weisen eine moderate Aufhellung auf (z. B. Palomino, Buckskin), während homozygote Tiere (CR/CR) deutlich stärker verdünnt sind (Cremello, Perlino).

Für die Zuchtplanung stehen heute Gentests zur Verfügung, mit denen der Dilutions-Status eines Tieres zuverlässig bestimmt werden kann. Diese DNA-Analysen sind besonders hilfreich,