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Dominant

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Zucht & Fortpflanzung > Genetik & Vererbung

Definition und Überblick

Der Begriff dominant beschreibt in der Genetik eine Eigenschaft eines Allels, sich gegenüber einem anderen Allel am selben Genort (Locus) durchzusetzen. Trägt ein Tier zwei unterschiedliche Varianten eines Gens – ist also heterozygot – bestimmt das dominante Allel das äußere Erscheinungsbild, den sogenannten Phänotyp. Das unterlegene Allel wird als rezessiv bezeichnet und bleibt im Erscheinungsbild verborgen, obwohl es im Erbgut (Genotyp) weiterhin vorhanden ist und an Nachkommen weitergegeben werden kann.

Die Unterscheidung zwischen dominanter und rezessiver Vererbung geht auf die Arbeiten von Gregor Mendel zurück, der im 19. Jahrhundert anhand von Erbsen die grundlegenden Vererbungsregeln formulierte. In der Tierzucht gehört das Verständnis von Dominanz zu den wesentlichen Grundlagen, um Fellfarben, Körpermerkmale, Erbkrankheiten und Leistungseigenschaften gezielt zu beeinflussen.

Genetische Grundlagen der Dominanz

Jedes Tier besitzt von den meisten Genen zwei Kopien – je eine vom Vater und eine von der Mutter. Diese Genvarianten werden als Allele bezeichnet. Sind beide Allele identisch, spricht man von einem homozygoten Zustand; unterscheiden sie sich, liegt Heterozygotie vor. In der genetischen Schreibweise werden dominante Allele üblicherweise mit einem Großbuchstaben dargestellt (z. B. „A"), rezessive mit einem Kleinbuchstaben (z. B. „a").

Ein Tier mit dem Genotyp AA ist homozygot dominant und zeigt das dominante Merkmal. Ein Tier mit dem Genotyp Aa ist heterozygot, zeigt aber ebenfalls das dominante Merkmal, da das Allel „A" die Ausprägung von „a" überdeckt. Nur der Genotyp aa – homozygot rezessiv – lässt das rezessive Merkmal im Phänotyp sichtbar werden.

Auf molekularer Ebene beruht Dominanz häufig darauf, dass ein funktionsfähiges Allel genügend Protein produziert, um den normalen Phänotyp auszuprägen, selbst wenn das zweite Allel defekt oder weniger aktiv ist. Eine einzelne funktionierende Genkopie reicht in vielen Fällen aus, um den vollständigen Effekt zu erzielen.

Formen der Dominanz

Dominanz ist kein starres Prinzip. Je nach Zusammenspiel der Allele lassen sich verschiedene Formen unterscheiden:

  • Vollständige Dominanz: Das dominante Allel setzt sich vollständig durch. Heterozygote Tiere (Aa) sind phänotypisch nicht von homozygot dominanten Tieren (AA) zu unterscheiden. Ein Beispiel ist die Hornlosigkeit bei Rindern: Das Allel für Hornlosigkeit ist dominant gegenüber dem Allel für Hörner.
  • Unvollständige Dominanz (intermediäre Vererbung): Keines der beiden Allele setzt sich vollständig durch. Heterozygote Tiere zeigen einen Zwischentyp. Bei bestimmten Hühnerrassen ergibt die Kreuzung eines schwarzen mit einem weißen Tier beispielsweise blaugraue Nachkommen.
  • Kodominanz: Beide Allele prägen sich im Phänotyp gleichzeitig und unabhängig voneinander aus, ohne sich zu vermischen. Ein klassisches Beispiel sind die Blutgruppen bei vielen Tierarten, bei denen beide Allele gleichzeitig nachweisbare Oberflächenproteine auf den roten Blutkörperchen bilden.
  • Überdominanz: Heterozygote Tiere zeigen eine stärkere Merkmalsausprägung als beide homozygoten Varianten. Dieses Phänomen spielt beim sogenannten Heterosis-Effekt in der Kreuzungszucht eine Rolle.

Bedeutung in der Tierzucht

Für Züchter ist die Kenntnis dominanter und rezessiver Erbgänge unverzichtbar. Bei der Selektion auf bestimmte Merkmale – etwa Fellfarbe, Körpergröße oder Milchleistung – muss berücksichtigt werden, dass heterozygote Trägertiere ein rezessives Allel verdeckt mit sich führen können. Zwei phänotypisch gleiche Elterntiere können daher Nachkommen hervorbringen, die ein unerwartetes Merkmal zeigen, wenn beide Eltern das rezessive Allel vererben.

Besonders relevant wird dies bei Erbkrankheiten. Viele genetische Defekte bei Haustieren folgen einem rezessiv-autosomalen Erbgang. Die betroffenen Tiere erkranken nur im homozygot rezessiven Zustand. Heterozygote Trägertiere – sogenannte Carrier – erscheinen gesund, geben das defekte Allel aber an durchschnittlich die Hälfte ihrer Nachkommen weiter. Durch gezielte Genotypisierung mittels DNA-Tests lassen sich Trägertiere heute identifizieren und aus der Zucht ausschließen oder bewusst nur mit reinerbig gesunden Partnern verpaaren.

Umgekehrt existieren auch dominant vererbte Erkrankungen, bei denen bereits ein einzelnes mutiertes Allel zur Krankheitsausprägung führt. In solchen Fällen ist die Selektion einfacher, da betroffene Tiere anhand ihres Phänotyps erkannt werden können – vorausgesetzt, die Krankheit tritt nicht erst spät im Leben auf.

Dominanz bei Fellfarben – Praxisbeispiele

Die Vererbung von Fellfarben ist eines der anschaulichsten Beispiele für dominante Erbgänge in der Tierzucht. Bei Hunden ist die Fellfarbe durch mehrere Gene gleichzeitig bestimmt, die teils epistatisch – also in einer Hierarchie zueinander – wirken. Am sogenannten Extension-Locus (E-Locus) ist das Allel für normale Pigmentierung dominant über das Allel für rein gelbe oder rote Fellfarbe. Am Agouti-Locus (A-Locus) bestimmen verschiedene Allele in einer Dominanzreihe (Allelserie) Muster wie Sable, Wildfarbe oder Schwarz-Loh.

Bei Katzen verhält es sich ähnlich: Das Allel für schwarzes Fell ist dominant gegenüber dem Allel für Chocolate, welches wiederum dominant über Cinnamon ist. Diese abgestufte Dominanzhierarch