Drainage
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Definition & Überblick
Unter einer Drainage (auch: Drain) versteht man in der Tiermedizin das gezielte Ableiten von Flüssigkeitsansammlungen aus Körperhöhlen, Wunden oder Gewebespalten. Dabei wird ein röhren- oder streifenförmiges Material – der sogenannte Drain – in den betroffenen Bereich eingelegt, damit Wundsekret, Blut, Eiter oder andere pathologische Flüssigkeiten kontinuierlich nach außen abfließen können. Das Prinzip ist so alt wie die Chirurgie selbst und gehört zu den grundlegenden Techniken in der veterinärmedizinischen Wundversorgung.
Drainagen kommen bei nahezu allen Tierarten zum Einsatz – von Hund und Katze über Pferd bis hin zu Heimtieren. Je nach Einsatzzweck unterscheidet man verschiedene Typen:
- Passive Drainage: Der Abfluss erfolgt allein durch Schwerkraft und Kapillarwirkung. Typische Beispiele sind die Penrose-Drainage (ein weicher Gummischlauch) und Gazestreifen.
- Aktive Drainage: Durch Unterdruck (Sog) wird Flüssigkeit gezielt abgesaugt. Hierzu zählen geschlossene Systeme wie die Jackson-Pratt-Drainage oder Redon-Drainage, bei denen ein Auffangbehälter mit Vakuum angeschlossen ist.
- Spül-Saug-Drainage: Kombination aus Spülung und Absaugung, die vor allem bei stark infizierten Wundhöhlen oder nach Gelenkoperationen eingesetzt wird.
Die Wahl des Drainagesystems richtet sich nach Lokalisation, Größe der Wundhöhle, Art und Menge der erwarteten Flüssigkeit sowie dem Allgemeinzustand des Tieres.
Ursachen & Risikofaktoren
Eine Drainage wird notwendig, wenn sich im Körper des Tieres Flüssigkeit ansammelt, die nicht von allein resorbiert werden kann oder deren Verbleib den Heilungsprozess gefährdet. Häufige Gründe für die Anlage einer Drainage sind:
- Abszesse: Abgekapselte Eiteransammlungen, etwa nach Bissverletzungen bei Katzen oder Hufabszessen beim Pferd, müssen nach chirurgischer Eröffnung drainiert werden, damit sich die Höhle nicht erneut füllt.
- Traumatische Wunden: Tiefe Riss-, Biss- oder Quetschwunden mit ausgedehntem Gewebetaschen (sogenanntem Totraum) neigen zur Serombildung und Infektion.
- Postoperative Flüssigkeitsansammlungen: Nach größeren chirurgischen Eingriffen – etwa Tumorresektionen, Mastektomien oder orthopädischen Operationen – können sich Serome oder Hämatome bilden.
- Pleuraerguss und Aszites: Flüssigkeitsansammlungen in Brusthöhle (Thoraxdrainage) oder Bauchhöhle (Abdominaldrainage) erfordern oft eine längerfristige Drainage bei Erkrankungen wie Pyothorax, Chylothorax oder feuchter FIP bei der Katze.
- Empyeme und Peritonitis: Schwere Infektionen der Körperhöhlen machen eine Drainage zwingend erforderlich.
Risikofaktoren, die eine Drainage wahrscheinlicher machen, umfassen ein geschwächtes Immunsystem, Freigänger-Haltung (erhöhtes Verletzungsrisiko), vorbestehende Erkrankungen wie Diabetes mellitus sowie mangelnde Wundhygiene nach Verletzungen.
Symptome & Erkennung
Die Symptome, die letztlich zur Anlage einer Drainage führen, hängen von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Tierbesitzer sollten auf folgende Anzeichen achten:
- Schwellung, Rötung und Überwärmung im Wundbereich
- Austritt von trübem, eitrigem oder blutigem Sekret aus einer Wunde
- Fluktuation – ein wellenartiges Nachgeben des Gewebes bei Berührung, das auf eine Flüssigkeitsansammlung unter der Haut hindeutet
- Fieber, Appetitlosigkeit und allgemeine Mattigkeit als Zeichen einer systemischen Infektion
- Atemnot bei Pleuraerguss (schnelle, flache Atmung, Maulatmung bei der Katze)
- Zunehmender Bauchumfang bei Aszites
Bereits angelegte Drainagen müssen regelmäßig kontrolliert werden. Warnsignale sind eine plötzliche Zunahme oder Verfärbung des Sekrets, unangenehmer Geruch, Schwellung rund um die Austrittsstelle oder wenn das Tier die Drainage manipuliert.
Diagnose
Vor der Anlage einer Drainage steht eine gründliche klinische Untersuchung. Der Tierarzt beurteilt die Wunde oder die betroffene Körperregion durch Inspektion und Palpation. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz:
- Ultraschall (Sonografie): Hervorragend geeignet, um Flüssigkeitsansammlungen in Weichteilen, Bauchhöhle oder Brusthöhle darzustellen und deren Ausmaß zu bestimmen.
- Röntgen: Wichtig bei Verdacht auf Pleuraerguss oder zur Kontrolle der korrekten Lage einer Thoraxdrainage.
- Punktion und Zytologie: Durch eine diagnostische Feinnadelaspiration kann die gewonnene Flüssigkeit mikroskopisch untersucht und einer bakteriologischen Kultur zugeführt werden. So lässt sich zwischen Serom, Hämatom, Abszess und Transsudat unterscheiden.
- Blutuntersuchung: Entzündungsparameter wie Leukozytenzahl und C-reaktives Protein helfen bei der Einschätzung des Infektionsgeschehens.
Behandlung & Therapie
Die Anlage einer Drainage erfolgt in der Regel unter Sedation oder Vollnarkose. Der Tierarzt eröffnet die betroffene Wundhöhle oder den Abszess chirurgisch, entfernt nekrotisches Gewebe (Débridement)