T Tierlexikon.net
← Lexikon

Dressur

D

Sport & Training > Reiten & Pferdesport

Definition und Überblick

Dressur bezeichnet im Pferdesport die systematische Gymnastizierung und Ausbildung des Pferdes mit dem Ziel, dessen natürliche Bewegungen unter dem Reiter zu verfeinern, die Durchlässigkeit zu fördern und eine harmonische Einheit von Pferd und Reiter herzustellen. Der Begriff leitet sich vom französischen Wort dresser ab, das so viel wie „richten" oder „abrichten" bedeutet. Als olympische Disziplin gehört die Dressur neben Springen und Vielseitigkeit zu den drei klassischen Sparten des Reitsports. Zugleich bildet sie die Grundlage jeder reiterlichen Ausbildung – unabhängig davon, ob ein Pferd später im Turniersport, in der Freizeit oder in anderen Disziplinen eingesetzt wird.

Historische Entwicklung

Die Wurzeln der Dressurreiterei reichen bis in die Antike zurück. Bereits der griechische Heerführer Xenophon verfasste um 350 v. Chr. eine Abhandlung über die Ausbildung von Pferden, in der er Grundsätze formulierte, die noch heute Gültigkeit besitzen: das Pferd durch Verständnis und Geduld zu fördern statt durch Zwang. In der Renaissance erlebte die Reitkunst an den europäischen Höfen eine Blütezeit. Meister wie Antoine de Pluvinel und François Robichon de La Guérinière entwickelten systematische Lehrmethoden und begründeten die klassische Reitlehre. Die Spanische Hofreitschule in Wien, gegründet im 16. Jahrhundert, pflegt diese Tradition bis heute mit ihren berühmten Lipizzanern.

Ab dem 19. Jahrhundert wandelte sich die höfische Reitkunst zunehmend zum wettkampforientierten Sport. Seit den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm ist Dressur Teil des olympischen Programms. Deutschland, die Niederlande und Schweden zählen traditionell zu den erfolgreichsten Nationen in dieser Disziplin.

Grundprinzipien und Ausbildungsskala

Die Ausbildung des Dressurpferdes folgt der sogenannten Ausbildungsskala, die sechs aufeinander aufbauende Stufen umfasst:

  • Takt – das gleichmäßige Einhalten des Bewegungsrhythmus in allen Gangarten
  • Losgelassenheit – die physische und psychische Entspannung des Pferdes bei aktiver Mitarbeit
  • Anlehnung – die stetige, weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul über Zügel und Gebiss
  • Schwung – die energische Übertragung der Schubkraft aus der Hinterhand über den schwingenden Rücken
  • Geraderichtung – das gleichmäßige Belasten beider Körperhälften des von Natur aus schiefen Pferdes
  • Versammlung – die vermehrte Lastaufnahme durch die Hinterhand bei erhöhter Selbsthaltung

Diese Skala dient als Richtschnur für jede Trainingseinheit und bestimmt den langfristigen Ausbildungsweg. Ein Pferd braucht in der Regel mehrere Jahre, um die höheren Stufen sicher zu erreichen. Reiter kommunizieren über Hilfen mit dem Pferd: Gewichtshilfen, Schenkelhilfen und Zügelhilfen bilden zusammen mit der Stimme das zentrale Einwirkungsinstrumentarium.

Lektionen und Gangarten

Im Dressurviereck zeigt das Pferd verschiedene Lektionen, deren Schwierigkeitsgrad sich nach der Klasse richtet. Zu den Grundgangarten gehören Schritt, Trab und Galopp, die jeweils in unterschiedlichen Tempi geritten werden – vom versammelten über den Arbeitstempo bis zum starken Gang. Hinzu kommen spezifische Lektionen wie:

  • Seitengänge – Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale, bei denen das Pferd gleichzeitig vorwärts und seitwärts tritt
  • Übergänge – flüssige Wechsel zwischen und innerhalb der Gangarten
  • Fliegende Galoppwechsel – Wechsel des Galopps in der Schwebephase, in höheren Klassen in Serien (alle vier, drei, zwei oder einzelne Sprünge)
  • Piaffe – trabartige Bewegung auf der Stelle mit hoher Versammlung
  • Passage – ein erhabener, kadenzierter Trab mit deutlicher Schwebephase
  • Pirouette – eine Wendung im Galopp um die Hinterhand auf kleinstem Raum

Turnierklassen und Bewertung

Der Turniersport ist in aufsteigende Klassen gegliedert. In Deutschland reichen diese von der Einsteiger-Klasse E über A (Anfang), L (Leicht), M (Mittel) und S (Schwer) bis hin zu den internationalen Prüfungen nach FEI-Reglement: Prix St. Georges, Intermédiaire I und II sowie der Grand Prix als höchste Stufe. Im Grand Prix werden sämtliche Lektionen einschließlich Piaffe, Passage und Einerwechsel verlangt.

Die Bewertung erfolgt durch mehrere Richter, die an verschiedenen Positionen rund um das 20 × 60 Meter große Dressurviereck sitzen. Jede einzelne Lektion erhält eine Note von 0 bis 10. Zusätzlich fließen Gesamteindrucksnoten ein, die den Sitz des Reiters, die Gangqualität und den Gesamteindruck der Vorstellung bewerten. Das Ergebnis wird als Prozentsatz der maximal erreichbaren Punktzahl ausgedrückt. In Spitzenprüfungen gelten Ergebnisse über 80 Prozent als herausragend.

Neben der klassischen Aufgabenreiterei hat sich die Kür als publikumswirksame Variante etabliert. Hier stellt der Reiter eine frei gewählte Abfolge von Lektionen zu Musik zusammen. Bewertet werden neben der technischen Ausführung auch Choreografie, Harmonie und die Abstimmung der Bewegungen auf die Musik.

Geeignete Pferderassen

Grundsätzlich lässt sich jedes Pferd dressurmäßig ausbilden. Im internationalen Spitzensport dominieren jedoch Warmblüter mit raumgreifenden, elastischen Grundgangarten. Besonders gefragt sind Pferde