Freiarbeit
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Definition und Überblick
Freiarbeit bezeichnet im Pferdesport eine Trainingsform, bei der das Pferd ohne jegliche körperliche Verbindung zum Menschen – also ohne Halfter, Strick, Longe oder Zügel – in einer abgegrenzten Fläche bewegt und gymnastiziert wird. Die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd erfolgt ausschließlich über Körpersprache, Stimme, Gestik und Positionierung im Raum. Freiarbeit gilt als eine der anspruchsvollsten Disziplinen in der Pferdeausbildung, da das Pferd jederzeit die Möglichkeit hat, sich dem Menschen zu entziehen. Die Bereitschaft zur Mitarbeit muss daher vollständig auf Vertrauen, Respekt und einer klaren Kommunikation basieren.
Historische Einordnung
Das Arbeiten mit dem freien Pferd hat tiefe Wurzeln in der klassischen Reitkunst. Bereits in den Hofreitschulen des 16. und 17. Jahrhunderts wurden Pferde in geschlossenen Hallen ohne Anbindung bewegt, um ihre natürliche Bewegung zu studieren und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu prüfen. In der modernen Pferdeszene hat die Freiarbeit vor allem durch das Natural Horsemanship eine breite Popularität erlangt. Trainer wie Pat Parelli, Monty Roberts und Klaus Ferdinand Hempfling haben die Arbeit mit dem freien Pferd einem großen Publikum zugänglich gemacht und jeweils eigene methodische Ansätze entwickelt. Auch in der akademischen Reitkunst und im Zirkuslektionen-Training spielt die Freiarbeit eine zentrale Rolle.
Grundprinzipien der Kommunikation
Die Kommunikation in der Freiarbeit orientiert sich an der natürlichen Körpersprache des Pferdes. Pferde kommunizieren untereinander überwiegend nonverbal – über Ohrenspiel, Körperspannung, Blickrichtung und räumliches Verhalten. Der Mensch nutzt in der Freiarbeit ähnliche Mittel:
- Körperspannung: Eine aufrechte, energiegeladene Haltung wirkt treibend und fordert das Pferd zur Vorwärtsbewegung auf. Eine entspannte, zurückgenommene Haltung signalisiert dem Pferd, dass es anhalten oder zum Menschen kommen darf.
- Positionierung: Die Position des Menschen relativ zum Pferd bestimmt maßgeblich die Richtung und das Tempo. Befindet sich der Mensch auf Höhe der Hinterhand, wirkt dies vorwärtstreibend. Ein Positionswechsel vor die Schulter des Pferdes hat in der Regel eine bremsende Wirkung.
- Blickkontakt: Ein direkter Blick auf das Pferd – insbesondere auf dessen Hinterhand – erzeugt Druck. Das Abwenden des Blickes nimmt Druck heraus und kann das Pferd einladen, sich dem Menschen zuzuwenden.
- Stimmhilfen: Kurze, klare Stimmkommandos und Schnalzlaute unterstützen die Körpersprache. Die Stimme dient als ergänzendes Signal, ersetzt jedoch nicht die körpersprachliche Kommunikation.
Übungen und Lektionen
Die Freiarbeit umfasst ein breites Spektrum an Übungen, die vom einfachen Grundgehorsam bis hin zu komplexen Lektionen reichen. Zu den grundlegenden Übungen gehören das Anhalten, das Angehen in verschiedenen Gangarten, Richtungswechsel, das Folgen des Menschen (sogenanntes freies Folgen oder Liberty Follow) sowie das Herankommen auf Zeichen. Fortgeschrittene Lektionen können Seitengänge, Rückwärtsrichten auf Distanz, Tempowechsel innerhalb einer Gangart, Schlangenlinien und Volten ohne physische Hilfen beinhalten.
Im Bereich der Zirkuslektionen werden in Freiarbeit häufig Übungen wie Kompliment, Knien, Steigen oder das spanische Grüßen erarbeitet. Auch das parallele Laufen von Mensch und Pferd in synchroner Bewegung – eine Übung, die höchste Abstimmung erfordert – gehört zu den anspruchsvollen Aufgaben in der Freiarbeit.
Trainingsaufbau und Methodik
Freiarbeit erfordert einen systematischen Aufbau. Bevor das Pferd vollständig frei arbeitet, wird die Kommunikation in der Regel zunächst am Kappzaum oder Halfter mit Führseil geübt. Dieser Zwischenschritt, oft als Bodenarbeit oder Handarbeit bezeichnet, ermöglicht es, die Signale schrittweise zu verfeinern, bevor die physische Verbindung gelöst wird.
Die Trainingsumgebung spielt eine entscheidende Rolle. Gearbeitet wird meist in einem Roundpen (Rundkoppel), einer kleineren Reithalle oder einem eingezäunten Reitplatz. Der Roundpen bietet den Vorteil, dass die runde Form eine natürliche Kreisbewegung begünstigt und das Pferd nicht in Ecken ausweichen kann. Der Durchmesser beträgt üblicherweise zwischen 15 und 20 Metern.
Die Dauer einer Freiarbeits-Einheit sollte dem Ausbildungsstand und der Konzentrationsfähigkeit des Pferdes angepasst werden. Für Einsteiger genügen oft 10 bis 15 Minuten, da die mentale Anforderung für beide Partner hoch ist. Erfahrene Pferd-Mensch-Paare können Einheiten von 20 bis 30 Minuten gestalten, wobei regelmäßige Pausen und Belohnungsphasen eingeplant werden sollten.
Nutzen und Wirkung
Freiarbeit dient nicht nur der gymnastischen Ausbildung des Pferdes, sondern vor allem der Vertiefung der Pferd-Mensch-Beziehung. Da das Pferd jederzeit die Wahl hat, sich zu entfernen, wird jede Form der Mitarbeit zu einer bewussten Entscheidung des Tieres. Dies macht die Freiarbeit zu einem besonders ehrlichen Gradmesser für die Qualität der Beziehung und der Kommunikation.
Darüber hinaus schult Freiarbeit die Körperwahrnehmung des Menschen erheblich. Reiterinnen und Reiter, die regelmäßig am Boden ohne Hilfsmittel mit ihrem Pferd arbeiten, entwickeln ein feineres Gespür für Timing, Dosierung von Druckphasen und das Lesen der Körpersprache des Pferdes. Diese Fähigkeiten wirken sich oft positiv auf die Arbeit unter dem Sattel aus.
Auch für Pferde mit Vertrauensproblemen oder solche, die durch