Dressurreiten
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Definition und Überblick
Dressurreiten ist eine Disziplin des Pferdesports, bei der Pferd und Reiter vorgegebene Lektionen und Bewegungsabläufe in einer Reitbahn präsentieren. Ziel ist die harmonische Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier, wobei das Pferd auf feinste Hilfen des Reiters reagiert und dabei Losgelassenheit, Schwung, Anlehnung und Versammlung zeigt. Die Dressur gilt als Grundlage aller Reitdisziplinen und ist seit 1912 olympische Sportart. Im internationalen Sprachgebrauch wird sie als Dressage bezeichnet.
Anders als beim Springreiten oder bei der Vielseitigkeit steht beim Dressurreiten nicht die Überwindung von Hindernissen im Vordergrund, sondern die systematische Gymnastizierung des Pferdes. Die korrekte Ausführung der Lektionen wird von Richtern auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet. Höchste Durchlässigkeit und scheinbare Mühelosigkeit der Bewegungen gelten als Maßstab reiterlicher Kunst.
Geschichtlicher Hintergrund
Die Wurzeln der Dressur reichen bis in die Antike zurück. Der griechische Feldherr Xenophon verfasste bereits um 350 v. Chr. eine Abhandlung über die Ausbildung von Pferden, die bis heute als grundlegendes Werk gilt. Im Mittelalter entwickelten sich aus militärischen Anforderungen gezielte Ausbildungsmethoden, da wendige, gehorsame Pferde im Kampf überlebenswichtig waren.
Die systematische Reitkunst erlebte ihre Blüte in der Renaissance, als europäische Reitakademien gegründet wurden. Die Spanische Hofreitschule in Wien, gegründet 1572, pflegt die klassische Reitkunst bis heute. Im 18. und 19. Jahrhundert prägten Reitmeister wie François Robichon de la Guérinière die Ausbildungslehre maßgeblich. Sein Werk „École de Cavalerie" legte den Grundstein für die moderne Dressurausbildung.
Seit den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm gehört die Dressur zum olympischen Programm. Zunächst war die Teilnahme Offizieren vorbehalten, erst ab 1952 durften auch Zivilisten und Frauen antreten. Deutschland zählt traditionell zu den erfolgreichsten Nationen in dieser Disziplin.
Die Ausbildungsskala
Die Ausbildung des Dressurpferdes folgt der sogenannten Skala der Ausbildung, die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) definiert wird. Sie umfasst sechs aufeinander aufbauende Stufen:
- Takt – gleichmäßiger, klarer Rhythmus in allen Grundgangarten (Schritt, Trab, Galopp)
- Losgelassenheit – innere und äußere Entspannung des Pferdes, erkennbar an einem schwingenden Rücken und zufriedenem Ausdruck
- Anlehnung – stetige, elastische Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul über Zügel und Gebiss
- Schwung – energisches Abfußen der Hinterbeine mit Übertragung der Schubkraft über den schwingenden Rücken
- Geraderichtung – gleichmäßige Belastung beider Körperseiten des Pferdes, Ausgleich der natürlichen Schiefe
- Versammlung – vermehrte Lastaufnahme der Hinterhand, Aufrichtung der Vorhand, höchste Stufe der Durchlässigkeit
Diese Skala dient nicht nur der Dressur, sondern bildet das Fundament jeder reiterlichen Ausbildung, unabhängig von der späteren Spezialisierung.
Lektionen und Schwierigkeitsklassen
Dressurprüfungen werden in verschiedenen Schwierigkeitsklassen ausgeschrieben. In Deutschland reicht das System von der Klasse E (Einsteiger) über A (Anfänger), L (Leicht), M (Mittelschwer) bis hin zu S (Schwer). Auf internationalem Niveau unterscheidet die Fédération Équestre Internationale (FEI) zwischen Prix St. Georges, Intermédiaire I und II sowie dem Grand Prix als höchster Klasse.
Die Lektionen steigen in ihrem Schwierigkeitsgrad entsprechend an. Während in den unteren Klassen einfache Hufschlagfiguren, Übergänge zwischen den Gangarten und Zirkel verlangt werden, umfassen höhere Prüfungen anspruchsvolle Lektionen wie:
- Seitengänge – Schulterherein, Travers, Renvers und Traversale, bei denen das Pferd gleichzeitig vorwärts und seitwärts tritt
- Fliegende Galoppwechsel – Wechsel des Galoppsprungs in der Schwebephase, in Serie bis hin zu Einerwechseln
- Piaffe – trabartige Bewegung nahezu auf der Stelle mit maximaler Versammlung
- Passage – erhabener, kadenzierter Trab mit ausgeprägter Schwebephase
- Pirouette – Galoppwendung auf kleinstem Raum um die Hinterhand
Neben der Pflichtaufgabe, bei der eine festgelegte Abfolge von Lektionen geritten wird, gibt es die Kür. Hier stellt der Reiter eine eigene Choreografie zur Musik zusammen, was zusätzlich den künstlerischen Ausdruck bewertet. Die Grand-Prix-Kür zählt zu den publikumswirksamsten Wettbewerben im Pferdesport.
Bewertung und Richtverfahren
Jede einzelne Lektion wird von mehreren Richtern mit Noten von 0 (nicht ausgeführt) bis 10 (ausgezeichnet) bewertet. Zusätzlich fließen sogenannte Gesamteindrucksnoten ein, die Aspekte wie Sitz und Einwirkung des Reiters, Gangqualität und den Gesamteindruck der Vorstellung beurteilen. Die Ergebnisse werden in Prozent umgerechnet – Werte über 70 Prozent gelten als sehr gut, über 80 Prozent als herausragend.
Die Richter sitzen an verschiedenen Positionen rund um das Dressurviereck, das in der Standardgröße 20 mal 60 Meter misst. Durch die unterschiedlichen Blickwinkel soll eine möglichst objektive Bewert