Einlaufphase
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Definition & Überblick
Die Einlaufphase (auch: Einfahrphase) bezeichnet den Zeitraum zwischen der erstmaligen Inbetriebnahme eines Aquariums und dem Moment, in dem das biologische Gleichgewicht so stabil ist, dass Fische und andere empfindliche Aquarienbewohner gefahrlos eingesetzt werden können. In dieser Phase etablieren sich in Filter, Bodengrund und auf Dekorationsflächen jene Bakterienkulturen, die für den Stickstoffkreislauf unverzichtbar sind. Ohne eine ordentlich durchlaufene Einlaufphase drohen Ammoniak- und Nitritvergiftungen – eine der häufigsten Todesursachen bei Aquarienfischen überhaupt.
Die Einlaufphase dauert in der Regel drei bis sechs Wochen, kann in ungünstigen Fällen aber auch acht Wochen und länger beanspruchen. Sie ist kein optionaler Schritt, sondern eine tierschutzrelevante Grundvoraussetzung für jede artgerechte Fischhaltung.
Grundlagen & Voraussetzungen
Das Herzstück der Einlaufphase ist der bakterielle Abbau stickstoffhaltiger Verbindungen, der in zwei Stufen abläuft:
- Stufe 1 – Nitrosomonas-Bakterien: Sie wandeln giftiges Ammoniak (NH₃) bzw. Ammonium (NH₄⁺) in ebenfalls giftiges Nitrit (NO₂⁻) um.
- Stufe 2 – Nitrobacter-Bakterien: Sie oxidieren Nitrit weiter zu deutlich weniger giftigem Nitrat (NO₃⁻), das über regelmäßige Wasserwechsel entfernt wird.
Damit sich diese Bakterienpopulationen aufbauen können, brauchen sie eine Stickstoffquelle (z. B. Fischfutter, Ammoniumchlorid oder erste robuste Pflanzen, die organisches Material abgeben), Sauerstoff, Oberflächen zur Besiedelung und eine stabile Wassertemperatur im Bereich von 22–26 °C. Der Filter muss von Beginn an laufen, damit sich das Filtermaterial – ob Schwamm, Keramikröhrchen oder Sinterglas – als Hauptsiedlungsfläche etabliert.
Voraussetzungen im Überblick:
- Vollständig eingerichtetes Aquarium mit Bodengrund, Dekoration und Technik
- Entchlortes bzw. mit Wasseraufbereiter behandeltes Leitungswasser
- Laufender Filter und Heizung (bei Tropenbecken)
- Beleuchtung im normalen Tagesrhythmus (8–10 Stunden)
- Zuverlässige Wassertestsets für Ammoniak, Nitrit, Nitrat und pH-Wert (Tröpfchentests empfohlen)
Praktische Umsetzung
Tag 1–3: Das Aquarium wird komplett eingerichtet – Bodengrund einbringen, Hardscape positionieren, Pflanzen setzen, Technik installieren und Wasser einfüllen. Filter, Heizer und Beleuchtung werden in Betrieb genommen. Eine geringe Menge Fischfutter (etwa eine Messerspitze pro 50 Liter) oder spezieller Starterbakterien-Zusatz wird als erste Stickstoffquelle hinzugegeben.
Woche 1–2: Der Ammoniakwert steigt an. Das ist normal und gewollt: Erst durch das Vorhandensein von Ammoniak können sich die Nitrosomonas-Bakterien vermehren. Tägliches Messen dokumentiert den Verlauf. Pflanzen helfen, indem sie einen Teil des Ammoniums direkt aufnehmen.
Woche 2–3: Der Ammoniakwert fällt, gleichzeitig steigt der Nitritwert – die gefürchtete Nitritspitze. Dieser Peak kann Werte von über 1 mg/l erreichen und ist für Fische absolut tödlich. In dieser Phase dürfen unter keinen Umständen Tiere eingesetzt werden.
Woche 3–6: Die Nitrobacter-Bakterien haben sich ausreichend vermehrt; der Nitritwert sinkt auf unter 0,1 mg/l und schließlich auf den Idealwert von 0 mg/l. Gleichzeitig steigt der Nitratwert moderat an. Erst wenn Ammoniak und Nitrit an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen nicht mehr nachweisbar sind, gilt die Einlaufphase als abgeschlossen.
Nun folgt ein großer Wasserwechsel von etwa 50–70 %, um angesammeltes Nitrat zu verdünnen. Danach können die ersten Tiere einziehen – schrittweise und in kleinen Gruppen, um das noch junge Bakteriensystem nicht zu überlasten.
Häufige Fehler
- Zu früher Fischbesatz: Der mit Abstand häufigste und folgenschwerste Fehler. Viele Einsteiger setzen Fische bereits nach wenigen Tagen ein, weil das Wasser „klar aussieht". Klares Wasser sagt jedoch nichts über die Wasserchemie aus.
- Nicht messen: Ohne regelmäßige Wassertests – mindestens alle zwei Tage – ist die Einlaufphase ein Blindflug. Teststreifen sind dabei deutlich ungenauer als Tröpfchentests.
- Filterwartung während der Einlaufphase: Wer den Filter in dieser Zeit reinigt, zerstört genau die Bakterienkolonien, die sich gerade aufbauen.
- Zu viel Futter als Stickstoffquelle: Überdosierung führt zu unkontrolliertem Ammoniakausstoß, Trübung und Schimmelbildung auf dem Futter.
- UV-C-Klärer zu früh einschalten: UV-Licht tötet auch nützliche Bakterien in der Wassersäule ab und kann den Prozess verlangsamen.
- Kompletter Besatz auf einmal: Selbst nach abgeschlossener Einlaufphase sollte der Besatz stufenweise erfolgen, damit sich das biologische System an die steigende Belastung anpassen kann.
Tipps für Anfänger
- Geduld ist Tierschutz: Die Einlaufphase lässt sich nicht wesentlich abkürzen. Starterbakterien-Produkte können den Prozess um wenige Tage beschleunigen, er