Enzyme
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Definition & Überblick
Enzyme sind biologische Katalysatoren – hochspezialisierte Eiweißmoleküle, die biochemische Reaktionen im Organismus beschleunigen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. In der Tierernährung spielen sie eine zentrale Rolle bei der Verdauung und Verwertung von Nährstoffen wie Protein, Fett, Rohfaser, Vitaminen und Mineralstoffen. Ohne ausreichende Enzymaktivität kann selbst das hochwertigste Futter vom Tier nur unvollständig aufgeschlossen werden.
In der Futtermittelindustrie werden Enzyme gezielt als Ergänzungsfuttermittel eingesetzt, um die Nährstoffverfügbarkeit aus der Futterration zu steigern. Sie kommen sowohl in der Nutztierernährung als auch zunehmend in der Fütterung von Hunden, Katzen und Pferden zum Einsatz. Dabei unterscheidet man zwischen körpereigenen (endogenen) Enzymen, die das Tier selbst produziert, und exogenen Enzymen, die über das Futter oder als Nahrungsergänzung zugeführt werden.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die im Futterbereich eingesetzten Enzyme lassen sich anhand ihrer Funktion in verschiedene Gruppen unterteilen:
- Proteasen: Spalten Protein in kleinere Peptide und Aminosäuren, was die Eiweißverwertung verbessert.
- Lipasen: Zerlegen Fett in Glycerin und Fettsäuren und unterstützen die Fettverdauung.
- Amylasen: Bauen Stärke und andere Kohlenhydrate zu Einfachzuckern ab.
- Cellulasen und Hemicellulasen: Spalten Rohfaser-Bestandteile pflanzlicher Zellwände, die das Tier selbst nicht oder nur eingeschränkt aufschließen kann.
- Phytasen: Setzen Phosphor aus Phytinsäure frei, einem in Getreide und Ölsaaten gebundenen Mineralstoff, der ohne enzymatische Spaltung für viele Tiere unverdaulich bleibt.
- Xylanasen und Beta-Glucanasen: Bauen sogenannte Nicht-Stärke-Polysaccharide (NSP) ab, die in Gerste, Weizen und Roggen vorkommen und die Verdauung hemmen können.
Kommerziell hergestellte Enzympräparate werden meist durch Fermentation mithilfe von Mikroorganismen wie Aspergillus niger oder Trichoderma reesei gewonnen. Sie enthalten neben dem Wirkenzym häufig Trägerstoffe und Stabilisatoren, die die Haltbarkeit und Mischfähigkeit im Futter gewährleisten.
Für welche Tiere geeignet?
Enzyme finden in der Ernährung zahlreicher Tierarten Anwendung:
- Geflügel und Schweine: Hier ist der Einsatz von Phytasen, Xylanasen und Proteasen am weitesten verbreitet. Da diese Monogastrier pflanzliche Zellwandbestandteile und Phytat schlecht verwerten, profitieren sie besonders stark von zugesetzten Enzymen.
- Hunde und Katzen: Bei älteren Tieren, chronischen Verdauungsproblemen oder nach Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (exokrine Pankreasinsuffizienz) können Enzympräparate die Verdauungsleistung erheblich verbessern.
- Pferde: Pferde produzieren im Vergleich zu Wiederkäuern weniger körpereigene Amylase. Enzympräparate können bei stärkereicher Fütterung den Dünndarmaufschluss unterstützen und Fehlfermentationen im Dickdarm vorbeugen.
- Wiederkäuer: Der Einsatz ist hier weniger verbreitet, da das Pansenmikrobiom selbst umfangreiche Enzymaktivität bereitstellt. Dennoch können faserabbauende Enzyme in bestimmten Fütterungsstrategien die Rohfaserverdaulichkeit steigern.
- Ziervögel und Reptilien: In spezialisierten Ergänzungsfuttermitteln finden sich Enzymkomplexe zur Unterstützung bei einseitiger Fütterung oder bei Tieren mit empfindlichem Verdauungstrakt.
Fütterungsempfehlung
Die korrekte Dosierung richtet sich nach Tierart, Körpergewicht, Gesundheitszustand und Zusammensetzung der Futterration. Enzympräparate werden in der Regel über das Futter verabreicht – entweder als Pulver, Granulat oder Flüssigkeit, direkt unter die Futtermenge gemischt.
Wichtige Grundsätze für die Fütterung:
- Die Dosierungsangaben des Herstellers sind strikt einzuhalten. Eine Überdosierung bringt selten Vorteile und kann die Darmflora beeinträchtigen.
- Enzyme sollten nicht erhitzt werden. Temperaturen über 60–70 °C zerstören die Proteinstruktur und damit die Wirksamkeit. Bei pelletiertem Futter kommen daher hitzeresistente oder nachträglich aufgesprühte Enzymformen zum Einsatz.
- Das Fütterungsintervall entspricht in der Regel den normalen Mahlzeiten. Eine dauerhafte Gabe ist bei chronischen Erkrankungen sinnvoll, während bei akuten Verdauungsproblemen oft eine kurweise Anwendung genügt.
- Bei tierärztlich verordneten Pankreasenzym-Präparaten für Hunde sollte das Enzympulver etwa 15–20 Minuten vor der Fütterung mit dem Futter vermengt werden, um eine Vorverdauung zu ermöglichen.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Verbesserte Verwertung von Protein, Fett, Mineralstoffen und Rohfaser aus dem Alleinfuttermittel oder der selbst zusammengestellten Ration
- Reduktion antinutritiver Faktoren wie Phytinsäure und Nicht-Stärke-Polysaccharide
- Geringere Nährstoffausscheidung über den Kot – ökologisch vorteilhaft in der Nutztierhaltung (weniger Phosphor und Stickstoff in der Gülle)
- Therapeutischer Nutzen bei Pankreasinsuffizienz, chronischer Diarrhö und Malabsorpt