Erdwolf
ETierart – Säugetiere > Raubtiere – Hyänen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Proteles cristata
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Hyänen (Hyaenidae)
- Gattung: Proteles
- Lebensraum: Offene Gras- und Buschsavannen im östlichen und südlichen Afrika
- Kopf-Rumpf-Länge: 55–80 cm
- Schulterhöhe: 40–50 cm
- Gewicht: 8–14 kg
- Lebenserwartung: 10–12 Jahre in freier Wildbahn, bis 18 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Erdwolf ist die kleinste und am wenigsten bekannte Art innerhalb der Familie der Hyänen. Auf den ersten Blick erinnert er an eine stark verkleinerte Streifenhyäne, unterscheidet sich jedoch in zahlreichen anatomischen Details grundlegend von seinen größeren Verwandten. Das Fell ist gelblich-braun bis sandfarben und trägt mehrere dunkle, senkrechte Streifen an Rumpf und Flanken. Entlang des Nackens und Rückens verläuft eine auffällige Rückenmähne aus langen, aufrichtbaren Haaren, die das Tier bei Bedrohung aufstellt, um größer zu wirken. Der Schwanz ist buschig und schwarz an der Spitze.
Charakteristisch sind die relativ großen, spitz zulaufenden Ohren, die an die der Tüpfelhyäne erinnern. Die Schnauze ist schmal und zugespitzt. Im Gegensatz zu anderen Hyänenarten verfügt der Erdwolf über ein stark reduziertes Gebiss: Die Backenzähne sind zu kleinen, stiftartigen Strukturen verkümmert, da sie zum Zerkauen harter Nahrung nicht benötigt werden. Lediglich die Eckzähne sind noch gut entwickelt und dienen der Verteidigung. Die Vorderbeine sind etwas länger als die Hinterbeine, was dem Tier den für Hyänen typischen abfallenden Rücken verleiht – wenn auch deutlich weniger ausgeprägt als bei der Tüpfel- oder Streifenhyäne.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Erdwolfs erstreckt sich über zwei getrennte Areale in Afrika. Die nördliche Population (Unterart Proteles cristata septentrionalis) bewohnt Teile Ostafrikas von Äthiopien und Somalia über Kenia bis nach Tansania. Die südliche Population (Proteles cristata cristata) kommt im südlichen Afrika vor, von Angola und Sambia über Mosambik bis nach Südafrika.
Als bevorzugtes Habitat dienen offene, trockene Gras- und Buschsavannen sowie Halbwüsten mit lockerem Bewuchs. Dichte Wälder und reine Wüstengebiete meidet der Erdwolf. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist das Vorkommen von Termiten der Gattung Trinervitermes in der ostafrikanischen bzw. Hodotermes in der südafrikanischen Population. Diese stellen die nahezu ausschließliche Nahrungsquelle dar. Die Tiere bewohnen Erdbaue, die sie in der Regel von Erdferkeln oder Springhasen übernehmen, gelegentlich aber auch selbst graben.
Ernährung
Der Erdwolf ist unter den Raubtieren ein hochspezialisierter Insektenfresser. Seine Nahrung besteht fast ausschließlich aus Termiten, die er nachts auf offenen Grasflächen aufnimmt. Mit seiner langen, klebrigen Zunge leckt er die Insekten von der Bodenoberfläche oder direkt aus ihren flachen Laufgängen auf. Dabei zerstört er die Termitenbauten nicht vollständig, sodass sich die Kolonien erholen können und als wiederholte Nahrungsquelle erhalten bleiben.
Ein einzelnes Tier kann in einer Nacht bis zu 300.000 Termiten aufnehmen, was einer Masse von etwa 200–300 Gramm entspricht. In den kühleren Wintermonaten des südlichen Afrikas, wenn die nachtaktiven Termiten weniger verfügbar sind, weicht der Erdwolf auf tagaktive Arten der Gattung Hodotermes aus und verlagert seine Aktivitätsphase entsprechend in die Tagesstunden. Andere Nahrungsbestandteile wie Käfer, Larven oder Aas spielen nur eine marginale Rolle.
Verhalten & Lebensweise
Erdwölfe sind überwiegend nachtaktiv und verbringen den Tag in ihren Bauen. Sie leben einzelgängerisch oder in Paaren, bilden jedoch keine Rudel. Jedes Tier oder Paar besetzt ein festes Revier von etwa 1–4 Quadratkilometern Größe, das mit dem Sekret der Analdrüsen markiert wird. Die Reviere überlappen gelegentlich, doch direkte Konfrontationen zwischen Artgenossen werden meist vermieden.
Bei Bedrohung durch Prädatoren wie Leoparden, Schakale oder große Greifvögel stellt der Erdwolf seine Rückenmähne auf und stößt ein tiefes Knurren aus. Reicht dies nicht zur Abschreckung, kann er ein übelriechendes Sekret aus den Analdrüsen verspritzen – eine Verhaltensweise, die an das Abwehrverhalten von Skunks erinnert. Trotz seiner Zugehörigkeit zur Ordnung der Raubtiere ist der Erdwolf gegenüber größeren Tieren ausgesprochen scheu und flüchtet bei Gefahr bevorzugt in den nächsten Bau.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit variiert je nach Region. In Südafrika findet sie vorwiegend zwischen Juni und August statt, in Ostafrika verschieben sich die Zeiten entsprechend der lokalen Regenperioden. Während der Paarungszeit kommt es gelegentlich zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Männchen um den Zugang zu paarungsbereiten Weibchen. Studien haben gezeigt, dass Fremdpaarungen mit benachbarten Männchen durchaus vorkommen.
Nach einer Tragzeit von etwa 89–92 Tagen bringt das Weibchen in einem Erdbau zwei bis vier Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen wiegen rund 200–350 Gramm und sind zunächst blind. Beide Elternteile beteiligen sich an der Aufzucht, wobei das Männchen die Jungen im Bau bewacht, während das Weibchen auf Nahrungssuche geht. Nach etwa sechs bis acht Wochen begleiten die Jun