Falkner
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Definition und Überblick
Ein Falkner ist eine Person, die Greifvögel oder Eulen für die Beizjagd – also die Jagd mit abgerichteten Beizvögeln auf frei lebendes Wild – hält, ausbildet und führt. Die Bezeichnung leitet sich vom Falken ab, obwohl Falkner keineswegs nur mit Falken arbeiten. Auch Habichte, Steinadler, Sperber und Harris Hawks gehören zu den klassischen Beizvögeln. Die Falknerei, auch Beizjagd genannt, zählt zu den ältesten Jagdmethoden der Menschheit und wurde 2010 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Der Beruf des Falkners vereint Elemente aus Jagd, Tierhaltung, Naturschutz und Greifvogelkunde und ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz rechtlich streng reguliert.
Geschichte der Falknerei
Die Ursprünge der Beizjagd reichen etwa 4.000 Jahre zurück in die Steppen Zentralasiens. Von dort verbreitete sie sich über Persien und die arabische Welt nach Europa, wo sie im Mittelalter ihren Höhepunkt erreichte. Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen verfasste im 13. Jahrhundert das Werk De arte venandi cum avibus (Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen), das bis heute als Standardwerk der Falknereiliteratur gilt. Die Falknerei war über Jahrhunderte ein Privileg des Adels, verlor mit der Verbreitung von Feuerwaffen jedoch an Bedeutung als Jagdmethode. Im 20. Jahrhundert erlebte sie eine Renaissance – nun weniger als Nahrungsbeschaffung, sondern als Form der artgerechten Greifvogelhaltung, als jagdliches Handwerk und als Beitrag zum Artenschutz.
Ausbildung und rechtliche Voraussetzungen
Wer in Deutschland als Falkner tätig sein will, muss mehrere rechtliche Hürden nehmen. Die wesentlichen Voraussetzungen sind:
- Jägerprüfung: Da die Beizjagd eine anerkannte Jagdart ist, benötigt jeder Falkner zunächst einen gültigen Jagdschein. Die Jägerprüfung umfasst Wildbiologie, Jagdrecht, Waffenkunde und Naturschutz.
- Falknerprüfung (Beizjagdprüfung): Zusätzlich zur Jägerprüfung muss eine spezielle Prüfung über Greifvogelkunde, Haltung, Abtragung (Ausbildung der Beizvögel), Jagdpraxis und einschlägige Rechtsvorschriften abgelegt werden. Diese Prüfung wird von den zuständigen Jagdbehörden der Bundesländer abgenommen.
- Haltungsgenehmigung: Greifvögel unterliegen dem Bundesnaturschutzgesetz, dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) sowie der EU-Artenschutzverordnung. Die Haltung erfordert eine behördliche Genehmigung, den Nachweis geeigneter Unterbringung und eine lückenlose Herkunftsdokumentation der Vögel.
- Sachkundenachweis: Die artgerechte Haltung muss nach den Mindestanforderungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft an die Greifvogelhaltung gewährleistet sein.
In Österreich regelt das Jagdgesetz der jeweiligen Bundesländer die Beizjagd. In der Schweiz ist die Beizjagd dagegen verboten, wodurch die klassische Falknerei dort nicht ausgeübt werden darf. Falkner organisieren sich in Fachverbänden wie dem Deutschen Falkenorden (DFO) oder dem Orden Deutscher Falkoniere (ODF), die Aus- und Weiterbildung, Zucht und jagdliche Praxis koordinieren.
Arbeitsweise und Methoden
Die Ausbildung eines Beizvogels wird als Abtragen bezeichnet. Dabei gewöhnt der Falkner den Vogel schrittweise an sich, an die Faust, an die Haube (Falkenhaube) und schließlich an die Jagdsituation im Freiflug. Dieser Prozess erfordert Geduld, Erfahrung und ein tiefes Verständnis für das Verhalten der jeweiligen Greifvogelart. Anders als bei der Domestikation anderer Tiere bleibt der Beizvogel ein Wildtier – die Zusammenarbeit beruht auf Vertrauen und Konditionierung, nicht auf Unterwerfung.
Je nach Vogelart unterscheiden sich die Jagdmethoden grundlegend. Falken wie der Wanderfalke werden im sogenannten Anwarten geflogen: Der Vogel steigt hoch auf und stößt von oben auf die Beute herab. Habichte und Harris Hawks jagen dagegen im Niedrigflug aus der Faust oder von einem Ansitz aus. Zur Ausrüstung eines Falkners gehören unter anderem der Falknerhandschuh, Geschüh (Lederriemen an den Fängen), Langfessel, Drehwirbel, Schellen und zunehmend auch Telemetriesender zur Ortung des Beizvogels.
Bedeutung für Naturschutz und Artenschutz
Falkner leisten in mehrfacher Hinsicht Beiträge zum Greifvogelschutz. Die kontrollierte Nachzucht in Falknerhand hat maßgeblich dazu beigetragen, den Wanderfalken in Mitteleuropa vor dem Aussterben zu bewahren, nachdem dessen Bestände durch den Einsatz von DDT in den 1960er und 1970er Jahren dramatisch eingebrochen waren. Falkner züchten Greifvögel in Menschenobhut und setzen Jungvögel im Rahmen von Wiederansiedlungsprojekten aus – eine Methode, die auch bei Sakerfalke, Bartgeier und anderen bedrohten Arten angewandt wird.
Darüber hinaus verfügen Falkner über praxisnahes Wissen zur Biologie und Ökologie von Greifvögeln, das in wissenschaftliche Forschung einfließt. Viele Falkner engagieren sich ehrenamtlich in Greifvogelauffangstationen oder arbeiten mit Wildtierauffangstationen zusammen, um verletzte oder verwaiste Greifvögel zu versorgen und auszuwildern.