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Herpetologe

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Definition und Überblick

Ein Herpetologe ist ein Wissenschaftler, der sich mit der Erforschung von Amphibien und Reptilien befasst. Die zugehörige Fachdisziplin wird als Herpetologie bezeichnet und ist ein Teilgebiet der Zoologie. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort herpetón ab, was so viel wie „kriechendes Tier" bedeutet. Herpetologen untersuchen Biologie, Ökologie, Systematik, Verhalten, Physiologie und Schutz von Tiergruppen wie Schlangen, Eidechsen, Schildkröten, Krokodilen, Fröschen, Kröten, Molchen und Salamandern. Die Disziplin hat eine lange wissenschaftliche Tradition und spielt heute eine zentrale Rolle im Artenschutz, da Amphibien und Reptilien weltweit zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen gehören.

Tätigkeitsfelder und Aufgaben

Die Arbeit eines Herpetologen ist vielfältig und umfasst sowohl Feldforschung als auch Laborarbeit. Im Gelände führen Herpetologen Bestandserfassungen durch, kartieren Populationen und dokumentieren das Vorkommen bestimmter Arten in definierten Untersuchungsgebieten. Dabei kommen Methoden wie Fang-Wiederfang-Studien, akustisches Monitoring bei Froschlurchen oder die Auswertung von Zufallsfunden zum Einsatz.

Im Labor widmen sich Herpetologen unter anderem der taxonomischen Klassifikation. Mithilfe morphologischer Vergleiche und molekulargenetischer Analysen werden Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Arten geklärt und neue Spezies beschrieben. Die Herpetologie hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche bislang unbekannte Arten entdeckt – insbesondere bei tropischen Fröschen und Geckos.

Weitere Aufgabenbereiche umfassen:

  • Ökologische Forschung: Untersuchung von Lebensraumansprüchen, Nahrungsökologie, Fortpflanzungsbiologie und Populationsdynamik
  • Naturschutzbiologie: Entwicklung von Schutzkonzepten für bedrohte Arten wie die Europäische Sumpfschildkröte, den Feuersalamander oder die Kreuzotter
  • Toxikologie: Erforschung von Schlangengiften und Hautsekreten bei Pfeilgiftfröschen, unter anderem mit Blick auf pharmazeutische Anwendungen
  • Veterinärmedizinische Herpetologie: Behandlung und Gesundheitsvorsorge bei Reptilien und Amphibien in menschlicher Obhut
  • Umweltgutachten: Erstellung artenschutzrechtlicher Fachbeiträge für Bauvorhaben und Planungsverfahren

Ausbildung und Berufswege

Einen eigenständigen Studiengang „Herpetologie" gibt es im deutschsprachigen Raum nicht. Der typische Weg in diesen Beruf führt über ein Studium der Biologie, Zoologie oder Ökologie, in dessen Verlauf eine Spezialisierung auf Amphibien und Reptilien erfolgt – meist ab der Masterarbeit oder spätestens während der Promotion. Universitäten mit herpetologischen Arbeitsgruppen, etwa in Bonn, Wien oder Zürich, bieten entsprechende Schwerpunkte an.

Neben der akademischen Laufbahn arbeiten Herpetologen in Naturkundemuseen, wo sie wissenschaftliche Sammlungen betreuen und Forschung an konservierten Belegexemplaren betreiben. Zoologische Gärten beschäftigen Herpetologen als Kuratoren für Reptilien- und Amphibienhäuser. Auch Naturschutzbehörden, Umweltplanungsbüros und Nichtregierungsorganisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) bieten Beschäftigungsmöglichkeiten.

Viele Herpetologen sind zudem freiberuflich als ökologische Gutachter tätig. In dieser Funktion prüfen sie bei Infrastrukturprojekten, ob geschützte Reptilien- oder Amphibienarten betroffen sind, und empfehlen Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz und der FFH-Richtlinie der Europäischen Union.

Bedeutung für den Artenschutz

Die Arbeit von Herpetologen hat unmittelbare Relevanz für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Amphibien gelten als Bioindikatoren: Ihr Rückgang zeigt Umweltveränderungen wie Gewässerverschmutzung, Habitatverlust und Klimawandel frühzeitig an. Weltweit sind laut der Roten Liste der IUCN über 40 Prozent aller Amphibienarten in ihrem Bestand gefährdet. Auch bei Reptilien nehmen die Bestandsrückgänge zu.

Herpetologen liefern die wissenschaftlichen Grundlagen für Schutzprogramme. In Deutschland betrifft das beispielsweise die Anlage von Amphibienleiteinrichtungen an Straßen, die Renaturierung von Laichgewässern oder die Wiederansiedlung der Würfelnatter an geeigneten Flussabschnitten. Ohne die systematische Erfassung durch herpetologische Fachleute wären solche Maßnahmen kaum zielgerichtet umsetzbar.

International engagieren sich Herpetologen in Zuchtprogrammen für vom Aussterben bedrohte Arten. Ein bekanntes Beispiel ist die Erhaltungszucht des Chinesischen Riesensalamanders, der größten lebenden Amphibienart. Auch die Bekämpfung des Chytridpilzes (Batrachochytrium dendrobatidis), der weltweit Amphibienpopulationen dezimiert, gehört zu den drängenden Forschungsfeldern der modernen Herpetologie.

Bekannte Herpetologen und Institutionen

Die Geschichte der Herpetologie wurde von zahlreichen Forscherpersönlichkeiten geprägt. Robert Mertens, langjähriger Direktor des Senckenberg-Museums in Frankfurt am Main, gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Herpetologen des 20. Jahrhunderts. Er beschrieb hunderte Reptilien- und Amphibienarten und starb 1975 an den Folgen eines Bisses seiner eigenen Boomslang-Natter – ein Vorfall, der die Risiken der praktischen Arbeit mit Gifttieren verd