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Ferkel

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Zucht & Fortpflanzung > Lebensstadien

Definition und Überblick

Als Ferkel wird das Jungtier des Hausschweins (Sus scrofa domesticus) bezeichnet. Der Begriff umfasst den Lebensabschnitt von der Geburt bis zum Absetzen von der Muttersau, in der modernen Schweinehaltung üblicherweise bis zu einem Alter von etwa drei bis vier Wochen. In der erweiterten Verwendung sprechen Landwirte und Züchter auch nach dem Absetzen noch von Ferkeln, solange die Tiere ein Körpergewicht von rund 25 bis 30 Kilogramm nicht überschritten haben. Danach werden sie als Läufer oder Jungschweine klassifiziert. Bei Wildschweinen heißen die Jungtiere Frischlinge und tragen ihr charakteristisches Streifenkleid, das bei domestizierten Rassen nicht mehr auftritt.

Geburt und erste Lebensstunden

Die Tragzeit einer Sau beträgt durchschnittlich 114 Tage – in der Merkhilfe der Schweinezüchter „drei Monate, drei Wochen und drei Tage". Der Geburtsvorgang, fachsprachlich Abferkeln genannt, dauert in der Regel zwei bis fünf Stunden. Die Wurfgröße variiert je nach Rasse, Genetik und Wurfnummer der Sau erheblich: Während Erstlingssauen häufig sechs bis zehn Ferkel zur Welt bringen, können erfahrene Sauen moderner Hochleistungsrassen wie dem Dänischen Landschwein oder der Deutschen Landrasse Würfe von 14 bis 18 lebend geborenen Ferkeln erreichen.

Neugeborene Ferkel wiegen zwischen 1,0 und 1,8 Kilogramm. Sie kommen mit offenen Augen und einem funktionsfähigen Bewegungsapparat zur Welt und suchen innerhalb weniger Minuten nach den Zitzen der Muttersau. Die Aufnahme der Kolostralmilch (Biestmilch) in den ersten sechs Lebensstunden ist überlebenswichtig, da Ferkel ohne ausreichende Versorgung mit mütterlichen Antikörpern (Immunglobuline) nahezu schutzlos gegenüber Krankheitserregern sind. Die Plazentaschranke beim Schwein verhindert eine vorgeburtliche Übertragung von Abwehrstoffen, sodass die passive Immunisierung ausschließlich über das Kolostrum erfolgt.

Thermoregulation und Haltungsbedingungen

Frisch geborene Ferkel verfügen über kaum Unterhautfett und eine im Verhältnis zum Körpervolumen große Körperoberfläche. Ihre thermoneutrale Zone liegt bei etwa 32 bis 34 °C, während die Muttersau Temperaturen um 18 bis 20 °C bevorzugt. Dieser Zielkonflikt wird in der Praxis durch Ferkelnester gelöst – abgetrennte, beheizbare Liegeflächen im Abferkelstall, die mit Infrarotstrahlern oder Fußbodenheizungen ausgestattet sind. Unterkühlung (Hypothermie) zählt neben Erdrücken durch die Sau zu den häufigsten Todesursachen in den ersten Lebenstagen. Die Saugferkelmortalität liegt in gut geführten Betrieben bei 10 bis 15 Prozent, kann in weniger optimalen Haltungssystemen aber deutlich höher ausfallen.

Saugphase und Zitzenordnung

Innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nach der Geburt etablieren die Ferkel eine feste Zitzenordnung (Saugordnung). Jedes Ferkel besetzt eine bestimmte Zitze oder ein Zitzenpaar und kehrt bei jedem Säugevorgang dorthin zurück. Die vorderen Zitzen gelten als ergiebiger und werden in der Rangfolge meist von den kräftigeren Wurfgeschwistern beansprucht. Schwächere Tiere, sogenannte Kümmerer, geraten dadurch häufig ins Hintertreffen.

Die Sau säugt ihre Ferkel nicht kontinuierlich, sondern in Intervallen von etwa 40 bis 60 Minuten. Der eigentliche Milchfluss (Milchejektion) dauert dabei nur 10 bis 20 Sekunden, was den Ferkeln eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit abverlangt. Im Verlauf der dreiwöchigen Säugezeit produziert eine leistungsstarke Sau bis zu 300 Liter Milch.

Entwicklung und Wachstum

Ferkel zeigen in den ersten Lebenswochen ein rasches Wachstum. Ihr Geburtsgewicht verdoppelt sich unter günstigen Bedingungen innerhalb von sieben Tagen. Bis zum Absetzen mit 21 bis 28 Tagen erreichen sie ein Gewicht von sechs bis acht Kilogramm. Bereits ab dem fünften bis siebten Lebenstag beginnen sie, neben der Muttermilch festes Beifutter (Prestarter) aufzunehmen. Diese frühe Zufütterung dient der Gewöhnung des Verdauungstrakts an pflanzliche Futterbestandteile und der Stimulation der Enzymproduktion im Dünndarm.

Die Milchzähne brechen bereits vor oder kurz nach der Geburt durch. Ferkel besitzen acht Nadelzähne (Eckzähne und äußere Schneidezähne), die ursprünglich im Konkurrenzkampf an der Zitze eine Rolle spielen. In der konventionellen Haltung werden diese Zähne häufig geschliffen, um Verletzungen an Wurfgeschwistern und am Gesäuge der Sau zu vermeiden – eine Praxis, die aus Tierschutzgründen zunehmend kritisch diskutiert wird.

Absetzen und Aufzuchtphase

Das Absetzen markiert einen der kritischsten Zeitpunkte im Leben eines Ferkels. Die abrupte Trennung von der Muttersau, der Wechsel von Milch auf festes Futter und häufig die Umstallung in eine neue Umgebung mit fremden Artgenossen verursachen erheblichen Stress. Typische Folgen sind:

  • Vorübergehende Futteraufnahmeverweigerung und Gewichtsverlust
  • Absetzerdurchfall, ausgelöst durch die Umstellung der Darmflora und begünstigt durch pathogene Escherichia coli
  • Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Atemwegserkrankungen
  • Verhaltensstörungen wie Schwanz- und Ohrenbeißen

Die Aufzuchtphase nach dem Absetzen –