Fohlen
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Definition und Überblick
Als Fohlen wird das Jungtier des Hauspferdes (Equus caballus) von der Geburt bis zum Absetzen von der Mutterstute bezeichnet. Der Begriff gilt gleichermaßen für junge Esel und Zebras, wird im allgemeinen Sprachgebrauch jedoch vorwiegend für Pferde verwendet. Ein männliches Fohlen heißt Hengstfohlen, ein weibliches Stutfohlen. Nach dem Absetzen – üblicherweise im Alter von etwa sechs Monaten – spricht man von einem Absetzfohlen oder Absetzer. Ab dem 1. Januar des auf die Geburt folgenden Jahres wird das Jungtier als Jährling geführt. In der Zuchtpraxis und im Pferdesport hat die korrekte Bezeichnung der einzelnen Lebensstadien eine erhebliche Bedeutung für Zuchtbücher, Körungen und Leistungsprüfungen.
Trächtigkeit und Geburt
Die Tragzeit einer Stute beträgt durchschnittlich 340 Tage, kann jedoch zwischen 320 und 360 Tagen schwanken. Hengstfohlen werden tendenziell einige Tage länger getragen als Stutfohlen. Die Geburt – in der Fachsprache als Abfohlen bezeichnet – erfolgt bei Pferden überwiegend nachts oder in den frühen Morgenstunden. Dieser Zeitpunkt hat evolutionäre Gründe: In der Wildnis bot die Dunkelheit Schutz vor Raubtieren, und das Fohlen hatte bis zum Morgengrauen Zeit, auf die Beine zu kommen.
Die eigentliche Austreibungsphase dauert bei komplikationsfreiem Verlauf nur 15 bis 30 Minuten. Das Fohlen wird in der Regel in Vorderendlage geboren, wobei die gestreckten Vorderbeine und der darauf liegende Kopf zuerst erscheinen. Abweichungen von dieser Position können zu Geburtskomplikationen führen, die tierärztliche Hilfe erfordern. Unmittelbar nach der Geburt reißt die Nabelschnur durch die Bewegungen von Stute und Fohlen in der Regel von selbst ab.
Die ersten Lebensstunden
Pferde sind Nestflüchter. Ein gesundes Fohlen zeigt bereits Minuten nach der Geburt den Aufrichtreflex und versucht, auf die Beine zu kommen. Innerhalb von ein bis zwei Stunden steht das Neugeborene und sucht das Euter der Mutter. Diese ersten Stehversuche auf den langen, noch unsicheren Beinen gehören zu den prägendsten Momenten in der Pferdezucht.
Die Aufnahme der Biestmilch (Kolostrum) innerhalb der ersten sechs bis acht Lebensstunden ist überlebenswichtig. Das Kolostrum enthält maternale Antikörper (Immunglobuline), die dem Fohlen einen passiven Immunschutz verleihen, da die Plazenta der Stute während der Trächtigkeit keine Antikörper an den Fötus weitergibt. Erhält ein Fohlen kein oder zu wenig Kolostrum, besteht die Gefahr eines Immunglobulinmangels, der zu schweren Infektionen führen kann.
Innerhalb der ersten 24 Stunden setzt das Fohlen den sogenannten Darmpech (Mekonium) ab – den ersten Kot, der sich während der Embryonalentwicklung im Darm angesammelt hat. Ein Ausbleiben der Mekoniumausscheidung kann auf einen Darmverschluss hinweisen und erfordert veterinärmedizinische Behandlung.
Entwicklung und Wachstum
Fohlen wachsen in den ersten Lebensmonaten außerordentlich schnell. Bei der Geburt wiegt ein Warmblutfohlen zwischen 40 und 60 Kilogramm und erreicht bereits etwa 60 Prozent seiner späteren Widerristhöhe. In den ersten drei Lebensmonaten nimmt das Fohlen täglich bis zu 1,5 Kilogramm zu, wobei die Muttermilch die primäre Nahrungsquelle darstellt.
Ab der zweiten bis dritten Lebenswoche beginnt das Fohlen, neben der Milch auch Heu, Gras und Kraftfutter aufzunehmen. Diese Phase der Zufütterung ist entscheidend für die Entwicklung der Darmflora und die spätere Fähigkeit, pflanzliche Nahrung vollständig zu verwerten. Dabei ist ein häufig zu beobachtendes Verhalten die sogenannte Koprophagie – das Fressen von Kot der Mutterstute. Dieses Verhalten dient der Aufnahme nützlicher Darmbakterien und ist ein normaler Bestandteil der Fohlenentwicklung.
Die Milchzähne des Fohlens sind bei der Geburt teilweise bereits durchgebrochen oder erscheinen in den ersten Tagen. Das vollständige Milchgebiss umfasst 24 Zähne, die ab dem Alter von zweieinhalb Jahren schrittweise durch die bleibenden Zähne ersetzt werden.
Absetzen und Sozialverhalten
Das Absetzen vom Muttertier erfolgt in der Pferdezucht üblicherweise im Alter von fünf bis sieben Monaten. Dieser Vorgang stellt für das Fohlen eine erhebliche psychische Belastung dar und sollte möglichst schonend gestaltet werden. Bewährte Methoden sind:
- Gruppenabsetzen: Mehrere Fohlen werden gemeinsam von ihren Müttern getrennt und können sich gegenseitig Sicherheit geben.
- Schrittweises Absetzen: Die Stute wird zunächst nur stundenweise entfernt, bevor die endgültige Trennung stattfindet.
- Beifohlen: Ein älteres, ruhiges Pferd bleibt als Sozialpartner bei den Absetzern.
Fohlen sind von Geburt an stark sozial orientiert. Bereits in den ersten Lebenswochen suchen sie den Kontakt zu Gleichaltrigen und entwickeln im Spiel mit Artgenossen motorische Fähigkeiten sowie soziale Kompetenz. Rangordnung, Körpersprache und Konfliktlösung werden durch Spiel und Interaktion erlernt. Eine Aufzucht in der Herdengemeinschaft mit anderen Fohlen und erwachsenen Pferden gilt daher als Grundvoraussetzung für eine gesunde Verhaltensentwicklung.
Gesundheitsvorsorge und Zuchtmaßnahmen
In den ersten Lebenstagen sollte ein Tierarzt das Neugeborene untersuchen und den