Frontosa
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cyphotilapia frontosa
- Ordnung: Cichliformes (Buntbarschartige)
- Familie: Cichlidae (Buntbarsche)
- Gattung: Cyphotilapia
- Lebensraum: Tanganjikasee, Ostafrika
- Größe: 25–35 cm, Männchen selten bis 40 cm
- Gewicht: 500–1.200 g
- Lebenserwartung: 15–25 Jahre, in Gefangenschaft auch über 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Frontosa ist ein großer, kräftig gebauter Buntbarsch mit einem hochrückigen, seitlich leicht abgeflachten Körper. Sein auffälligstes Merkmal ist die namensgebende Stirnbeule (Nuchalgibbosität), ein Fettpolster auf der Stirn, das bei ausgewachsenen Männchen besonders stark ausgeprägt ist. Weibchen entwickeln diese Stirnbeule ebenfalls, allerdings deutlich kleiner.
Die Grundfärbung des Körpers ist weiß bis hellblau mit fünf bis sieben breiten, senkrecht verlaufenden schwarzen Querstreifen. Je nach Herkunftspopulation variiert die Intensität der blauen Färbung erheblich. Populationen aus dem Norden des Tanganjikasees, etwa aus der Region um Burundi, zeigen ein intensiveres Blau als südlichere Varianten. Die Flossen sind lang ausgezogen, wobei die Rückenflosse (Dorsale) einen durchgehenden Saum vom Nacken bis zum Schwanzstiel bildet. Brust- und Bauchflossen können bläuliche bis weißliche Färbungen aufweisen. Die Schuppen sind vergleichsweise groß und ctenoid (kammförmig), was typisch für Buntbarsche ist.
Die Augen sind relativ groß, was mit der bevorzugten Tiefe des Lebensraums zusammenhängt und eine bessere Lichtausbeute bei schwachen Lichtverhältnissen ermöglicht. Das Maul ist breit und endständig, mit kräftigen Kiefern ausgestattet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Frontosa beschränkt sich ausschließlich auf den Tanganjikasee in Ostafrika. Dieser See erstreckt sich über die Staatsgebiete von Tansania, der Demokratischen Republik Kongo, Burundi und Sambia. Als endemische Art kommt Cyphotilapia frontosa in keinem anderen natürlichen Gewässer der Erde vor.
Das bevorzugte Habitat liegt in der Felszone (Felslitoral) des Sees, typischerweise in Tiefen zwischen 10 und 50 Metern, teilweise auch bis 70 Meter. Damit gehört der Frontosa zu den tiefenbewohnenden Cichliden des Tanganjikasees. Er besiedelt Übergangszonen zwischen Fels- und Sandgrund, wo große Geröllfelder und Felsspalten Deckung bieten. Jüngere Tiere halten sich mitunter in flacheren Bereichen auf, während ausgewachsene Exemplare die tieferen Regionen bevorzugen.
Seit 2012 wird die nördliche Populationsgruppe, insbesondere aus dem kongolesischen und burundischen Teil des Sees, von einigen Taxonomen als eigenständige Art unter dem Namen Cyphotilapia gibberosa geführt. Die genaue systematische Abgrenzung zwischen beiden Arten ist in der Fachwelt noch nicht vollständig geklärt.
Ernährung
Der Frontosa ist ein Raubfisch, der sich überwiegend von kleineren Fischen ernährt. Einen wesentlichen Teil seiner Nahrung bilden Sardinen der Gattung Stolothrissa und Limnothrissa, die im Tanganjikasee in großen Schwärmen vorkommen. Ergänzend frisst er Krebstiere, Insektenlarven und andere wirbellose Tiere, die er am Seegrund oder zwischen Felsen aufnimmt.
Die Jagdstrategie des Frontosa ist ungewöhnlich: Er nutzt die frühen Morgenstunden, in denen die Sardinenschwärme aus dem offenen Wasser in die Uferzonen absinken und in der Dunkelheit orientierungslos werden. In diesen Phasen saugt der Frontosa einzelne Beutefische mit einer schnellen Öffnung seines großen Mauls ein. Diese Technik des Ansaugens ist bei vielen Cichliden verbreitet, beim Frontosa aber durch die Maulgröße besonders effektiv.
Verhalten & Lebensweise
Im Gegensatz zu vielen anderen Buntbarschen des Tanganjikasees ist der Frontosa ein vergleichsweise ruhiger und langsamer Schwimmer. Er lebt in lockeren Gruppen von etwa 5 bis 20 Tieren, die kein ausgeprägtes Schwarmverhalten zeigen. Innerhalb der Gruppe besteht eine Rangordnung, die von einem dominanten Männchen angeführt wird. Revierstreitigkeiten werden meist durch Imponierverhalten gelöst – das dominante Tier spreizt die Flossen, zeigt seine Breitseite und drängt den Rivalen ab. Ernsthafte Kämpfe sind selten.
Die Aktivitätsphase liegt vorwiegend in der Dämmerung und den frühen Morgenstunden. Tagsüber ruht der Frontosa häufig in Felsspalten oder unter Überhängen. Diese dämmerungsaktive Lebensweise steht in direktem Zusammenhang mit dem Jagdverhalten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Cyphotilapia frontosa ist ein maternaler Maulbrüter. Das Weibchen nimmt die befruchteten Eier nach dem Ablaichen in die Mundhöhle auf und bebrütet sie dort über einen Zeitraum von etwa 28 bis 40 Tagen. Während dieser gesamten Brutpflegephase nimmt das Weibchen keine Nahrung zu sich.
Ein Gelege umfasst typischerweise 20 bis 50 Eier, die mit einem Durchmesser von rund 7 mm zu den größten Eizellen innerhalb der Tanganjikasee-Cichliden zählen. Die Balz verläuft relativ zurückhaltend: Das Männchen zeigt sich vor dem Weibchen mit gespreizten Flossen und intensivierter Färbung. Die Eiablage findet meist in einer geschützten Mulde oder auf einem Felssubstrat statt.
Nach dem Entlassen aus dem Maul sind die Jungfische bereits etwa 15 mm groß und weitgehend selbstständig. Dennoch suchen sie bei Gefahr noch einige Tage Schutz