Manteltier
MTierart – weltweit > Wassertiere – weltweit (weitere)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tunicata (Unterstamm), auch Urochordata
- Stamm: Chordata (Chordatiere)
- Unterstamm: Tunicata
- Klassen: Ascidiacea (Seescheiden), Thaliacea (Salpen), Appendicularia (Larvacea)
- Lebensraum: Ausschließlich marin; von Küstengewässern bis zur Tiefsee
- Größe: Von wenigen Millimetern (Appendicularien) bis über 30 Meter (Kolonien von Feuerwalzen)
- Gewicht: Je nach Art von Bruchteilen eines Gramms bis zu mehreren Kilogramm
- Lebenserwartung: Wenige Wochen (Salpen) bis mehrere Jahre (einige Seescheiden)
- Anzahl bekannter Arten: Rund 3.000
Aussehen & Merkmale
Manteltiere verdanken ihren deutschen Namen dem sogenannten Mantel (Tunica), einer äußeren Körperhülle, die aus einem zellulosehaltigen Polysaccharid namens Tunicin besteht. Dieses Merkmal ist im Tierreich einzigartig, da Zellulose sonst fast ausschließlich bei Pflanzen vorkommt. Die Tunica übernimmt Schutz- und Stützfunktionen und kann je nach Art gelatinös-durchscheinend, lederartig oder knorpelig fest sein.
Die äußere Erscheinung variiert je nach Klasse erheblich. Seescheiden (Ascidiacea) sind als adulte Tiere sessil und sitzen auf festen Substraten fest. Ihr Körper ist sackförmig und besitzt zwei Öffnungen: eine Einström- und eine Ausströmöffnung (Ingestions- und Egestionsöffnung), durch die Wasser zur Atmung und Nahrungsaufnahme geleitet wird. Salpen (Thaliacea) hingegen leben freischwimmend im offenen Meer und besitzen einen tonnenförmigen, transparenten Körper. Appendicularien sind winzig, behalten zeitlebens eine Larvengestalt mit Ruderschwanz und umgeben sich mit einem filigranen Schleimgehäuse.
Trotz ihres einfachen äußeren Erscheinungsbildes gehören Manteltiere zu den Chordatieren und sind damit näher mit den Wirbeltieren verwandt als etwa mit Quallen oder Würmern. Die Larven vieler Arten besitzen eine Chorda dorsalis (Rückensaite), ein hohles Neuralrohr und einen muskulösen Ruderschwanz – klassische Chordata-Merkmale, die bei den meisten Arten nach der Metamorphose zum adulten Tier zurückgebildet werden.
Lebensraum & Verbreitung
Manteltiere besiedeln sämtliche Ozeane der Erde, von tropischen Korallenriffen bis zu polaren Gewässern. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Gezeitenzone bis in Tiefen von mehreren tausend Metern. Seescheiden bevorzugen als Habitat feste Substrate wie Felsen, Hafenmauern, Schiffsrümpfe, Muschelschalen oder Seetangwälder. Einige Arten bilden großflächige Kolonien, die ganze Unterwasserstrukturen überziehen können.
Salpen und Feuerwalzen (Pyrosomen) leben pelagisch, also frei im offenen Wasser. Sie kommen sowohl in Oberflächennähe als auch in mittleren Wassertiefen vor. Appendicularien bewohnen vorwiegend die oberen Wasserschichten und spielen dort eine wichtige Rolle im marinen Nahrungsnetz. Bestimmte Seescheiden-Arten gelten als invasive Organismen, die durch Schiffsverkehr in neue Biotope verschleppt werden und dort einheimische Gemeinschaften verdrängen können.
Ernährung
Manteltiere sind ausnahmslos Filtrierer. Sie ernähren sich von Phytoplankton, Bakterien und feinen organischen Partikeln, die sie mit Hilfe eines Schleimnetzes aus dem Wasser filtern. Bei Seescheiden strömt Wasser durch die Eingangsöffnung in den Kiemendarm (Pharynx), wo ein feines Schleimfilter – das Endostyl – Nahrungspartikel aus dem Wasserstrom fängt. Die aufgefangenen Partikel werden über Flimmerhärchen zum Verdauungstrakt transportiert. Das gefilterte Wasser verlässt den Körper über die Ausströmöffnung.
Salpen nutzen ein ähnliches Prinzip, erzeugen den Wasserstrom jedoch aktiv durch rhythmische Kontraktionen ihrer Körpermuskulatur, wodurch sie sich gleichzeitig fortbewegen. Appendicularien bauen ein komplexes Schleimgehäuse, das als externes Filtersystem dient und regelmäßig erneuert wird. Die verlassenen Gehäuse sinken als sogenannter „Meeresschnee" in die Tiefe und tragen zum Kohlenstofftransport in die Tiefsee bei.
Verhalten & Lebensweise
Das Verhalten der Manteltiere ist je nach Lebensweise grundlegend verschieden. Sessile Seescheiden zeigen kaum aktives Verhalten im klassischen Sinne; sie reagieren auf Berührung mit dem schnellen Zusammenziehen ihres Körpers, wobei Wasser aus beiden Öffnungen ausgestoßen wird – daher der volkstümliche Name „Seespritzen". Viele Seescheiden leben kolonial und teilen sich einen gemeinsamen Mantel.
Salpen sind in der Lage, durch Rückstoßprinzip aktiv zu schwimmen. Sie bilden häufig lange Ketten aus hunderten geklonten Individuen (Blastozooiden), die koordiniert durch das Wasser pulsieren. Unter günstigen Bedingungen können sich Salpenpopulationen explosionsartig vermehren und riesige Schwärme bilden, die ganze Meeresregionen dominieren. Pyrosomen – koloniale Manteltiere – erzeugen durch Biolumineszenz ein bläulich-grünes Leuchten, das der Kommunikation innerhalb der Kolonie dienen könnte.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der Manteltiere zeigt eine beachtliche Vielfalt. Die meisten Seescheiden sind Zwitter (Hermaphroditen), die Eizellen und Spermien ins freie Wasser abgeben, wo die Befruchtung extern stattfindet. Aus der befruchteten Eizelle entwickelt sich eine frei schwimmende, kaulquappenähnliche Larve, die nach einer kurzen pelagischen Phase ein geeignetes Substrat sucht, sich festsetzt und eine Metamorphose zum sessilen Adulttier durchläuft. Zusätzlich können viele Seescheiden sich vegetativ