Galopp
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Definition und Überblick
Der Galopp ist die schnellste der drei Grundgangarten des Pferdes. Im Gegensatz zum Schritt und Trab handelt es sich um eine gesprungene Gangart mit einer deutlichen Schwebephase, in der alle vier Hufe gleichzeitig den Boden verlassen. Die Bewegung folgt einem asymmetrischen Dreitakt, bei dem die Beine in einer charakteristischen Reihenfolge auffußen. Je nachdem, welches Vorderbein weiter nach vorne greift, unterscheidet man zwischen Links- und Rechtsgalopp. Das Durchschnittstempo liegt beim Arbeitsgalopp zwischen 20 und 30 km/h, während Rennpferde im gestreckten Galopp Geschwindigkeiten von über 60 km/h erreichen können.
Bewegungsablauf und Fußfolge
Der Bewegungsablauf im Galopp lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. Beim Rechtsgalopp beginnt der Bewegungszyklus mit dem Auffußen des linken Hinterbeins. Anschließend setzen das rechte Hinterbein und das linke Vorderbein nahezu gleichzeitig auf – dieses diagonale Beinpaar bildet die sogenannte Stützphase. Zuletzt trifft das rechte Vorderbein, das sogenannte führende Bein, auf den Boden. Es greift am weitesten nach vorne und bestimmt die Galoppart. Nach dem Abfußen dieses letzten Beins folgt die Schwebephase, in der das Pferd frei durch die Luft gleitet.
Im Linksgalopp ist die Fußfolge spiegelverkehrt: rechtes Hinterbein – linkes Hinterbein und rechtes Vorderbein gleichzeitig – linkes Vorderbein als führendes Bein. Stimmt die Galoppart nicht mit der Biegungsrichtung überein, spricht man vom Außengalopp oder Kontergalopp, einer anspruchsvollen Lektion in der Dressurarbeit.
Galoppvarianten und Tempi
Im Reitsport werden verschiedene Tempi innerhalb des Galopps unterschieden, die sich in Rahmen, Schwung und Raumgriff voneinander abgrenzen:
- Versammelter Galopp: Das Pferd verkürzt seinen Rahmen, die Hinterhand tritt vermehrt unter den Schwerpunkt, die Vorhand wird leichter. Das Tempo ist reduziert, die Sprünge sind kürzer, aber erhabener. Diese Variante wird in der Dressur ab der Klasse L verlangt.
- Arbeitsgalopp: Das Grundtempo für die tägliche Arbeit. Das Pferd bewegt sich in natürlichem Gleichgewicht mit gleichmäßigem Rhythmus und ausreichend Schwung.
- Mittelgalopp: Zwischen Arbeits- und starkem Galopp angesiedelt. Das Pferd verlängert seinen Rahmen und zeigt mehr Raumgriff, ohne dabei eilig zu werden.
- Starker Galopp: Die maximale Steigerung des Raumgriffs bei gleichbleibendem Takt. Das Pferd streckt sich über den gesamten Körper und zeigt die größtmögliche Bodenabdeckung pro Galoppsprung.
Darüber hinaus gibt es den Renngalopp oder die Karriere, bei der das Pferd seinen Körper maximal streckt und die höchste Geschwindigkeit erreicht. Im Renngalopp verändert sich der Takt: Aus dem Dreitakt wird ein Viertakt, da das diagonale Beinpaar nicht mehr gleichzeitig auffußt.
Galopp in der Reitausbildung
Für Reitanfänger stellt der Galopp häufig eine Herausforderung dar, da die Schaukelbewegung des Pferderückens eine andere Körperkoordination erfordert als Schritt oder Trab. Der Reiter muss lernen, mit der Hüfte der Bewegung zu folgen und einen stabilen, aber elastischen Sitz zu bewahren. Die Hände bleiben ruhig und folgen der natürlichen Kopf-Hals-Bewegung des Pferdes, die im Galopp deutlich ausgeprägter ist als im Trab.
Das Angaloppieren – also der Übergang in den Galopp – wird durch gezielte Hilfengebung eingeleitet. Der Reiter verschiebt das äußere Bein hinter den Gurt, um das äußere Hinterbein zum Anspringen zu veranlassen. Gleichzeitig bleibt das innere Bein am Gurt treibend und die innere Hand stellt das Pferd leicht nach innen. Ein korrekt ausgeführter Übergang erfolgt weich und ohne Tempoverschärfung im Trab.
In der klassischen Skala der Ausbildung spielt der Galopp eine zentrale Rolle. Übungen wie einfache und fliegende Galoppwechsel, Außengalopp, Kurzkehrt im Galopp und Pirouetten bauen systematisch aufeinander auf. Der fliegende Galoppwechsel, bei dem das Pferd während der Schwebephase die Galoppart wechselt, gehört zu den anspruchsvollsten Lektionen und wird ab der Klasse M in Dressurprüfungen gefordert.
Galopp im Springen und Gelände
Im Springsport ist der Galopp die entscheidende Gangart, da alle Hindernisse aus dem Galopp angesprungen werden. Der Reiter muss den sogenannten Galopprhythmus konstant halten und die Distanzen zwischen den Hindernissen passend einteilen. Ein durchschnittlicher Galoppsprung im Parcours misst etwa 3,50 Meter. Parcoursbauer berechnen auf dieser Grundlage die Abstände zwischen den Sprüngen in Kombinationen und auf verwandten Distanzen.
Im Vielseitigkeitsreiten wird der Galopp im Gelände über längere Strecken gefordert. Die Pferde müssen in der Lage sein, ihr Tempo selbstständig zu regulieren und auf unterschiedliche Bodenverhältnisse zu reagieren. Ein ausbalancierter, gut regulierbarer Galopp ist hier überlebenswichtig – sowohl für die Leistung als auch für die Gesunderhaltung von Pferd und Reiter.
Gesundheitliche Aspekte
Der Galopp belastet den Bewegungsapparat des Pferdes anders als Schritt und Trab. Die Schwebephase und das anschließende Auffußen erzeugen erhebliche Stoßkräfte, die auf Sehnen, Bänder und Gelenke wirken. Ein nicht aufgewärmtes Pferd sollte daher nie sofort in den Galopp gebracht werden. Korrektes Aufwärmen im Schritt und Trab bereitet Muskeln, Sehnen und den gesamten