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Gavial

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Tierart – Reptilien > Krokodile

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Gavialis gangeticus
  • Ordnung: Krokodile (Crocodylia)
  • Familie: Gaviale (Gavialidae)
  • Gattung: Gavialis
  • Lebensraum: Tiefe, schnell fließende Flüsse des indischen Subkontinents
  • Größe: Männchen bis 6 Meter, Weibchen bis 4,5 Meter
  • Gewicht: 150–250 kg, einzelne Männchen bis über 900 kg
  • Lebenserwartung: 40–60 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Gavial ist unter den rezenten Krokodilarten vor allem durch seine extrem schmale, lange Schnauze unverwechselbar. Diese kann bei ausgewachsenen Tieren über 50 Zentimeter lang sein und macht etwa drei Viertel der gesamten Kopflänge aus. Die Schnauze ist mit zahlreichen schmalen, nadelartigen Zähnen besetzt – insgesamt verfügt ein Gavial über 106 bis 110 Zähne, deutlich mehr als andere Krokodilarten. Die Zähne greifen beim Schließen des Mauls ineinander und bilden so eine effiziente Fischfalle.

Der Körper ist langgestreckt und seitlich leicht abgeflacht. Die Schuppen auf dem Rücken sind kielförmig erhaben, die Bauchschuppen hingegen glatt. Die Grundfärbung variiert zwischen olivgrün und dunkelbraun, die Unterseite ist heller, oft gelblich-weiß. Jungtiere zeigen eine auffällige Querbänderung auf Körper und Schwanz, die mit zunehmendem Alter verblasst.

Ein auffälliges geschlechtsspezifisches Merkmal findet sich bei adulten Männchen: Auf der Schnauzenspitze bildet sich eine knollenförmige Wucherung aus Knorpelgewebe, die als Ghara bezeichnet wird – abgeleitet vom Hindi-Wort für Topf. Diese Struktur dient als Resonanzkörper bei der Lautgebung und spielt eine zentrale Rolle bei der Balz. Die Ghara entwickelt sich ab einem Alter von etwa zehn Jahren und wächst mit der Geschlechtsreife weiter an.

Die Hinterbeine des Gavials sind kräftig und mit Schwimmhäuten versehen. Die Vorderbeine sind im Vergleich zu anderen Krokodilen relativ schwach ausgebildet. An Land bewegt sich der Gavial daher nur mühsam – er schiebt sich auf dem Bauch vorwärts und ist kaum in der Lage, den Körper in den für andere Krokodile typischen „hohen Gang" anzuheben.

Lebensraum & Verbreitung

Das historische Verbreitungsgebiet des Gavials erstreckte sich über weite Teile Südasiens. Die Art besiedelte Flusssysteme in Indien, Nepal, Pakistan, Bangladesch und Myanmar. Heute ist das Habitat auf wenige Restpopulationen geschrumpft. Die größten Vorkommen finden sich in den nordindischen Flüssen Chambal, Girwa und Son sowie im nepalesischen Narayani-Flusssystem.

Als Biotop bevorzugt der Gavial tiefe, ruhig bis mäßig schnell fließende Flussabschnitte mit klarem Wasser und Sandbänken. Diese Sandbänke sind als Sonnenplätze und Nistplätze unverzichtbar. Stehende Gewässer, Brackwasser oder stark verkrautete Flussabschnitte werden gemieden. Die Art ist stärker an ein aquatisches Leben angepasst als jede andere Krokodilart und verbringt den Großteil ihres Lebens im Wasser.

Ernährung

Der Gavial ist ein hochspezialisierter Fischfresser (piscivor). Seine schmale Schnauze bietet im Wasser minimalen Strömungswiderstand und ermöglicht extrem schnelle seitliche Kopfbewegungen, mit denen er Fische aus dem Wasser schnappt. Die dünnen, spitzen Zähne verhindern das Entkommen glitschiger Beute.

Neben Fisch nehmen Gaviale gelegentlich Frösche, Krebstiere und Wasserinsekten auf. Jungtiere ernähren sich in den ersten Lebensjahren überwiegend von Wirbellosen und kleinen Fischen. Entgegen gelegentlicher Behauptungen sind Gaviale aufgrund ihrer fragilen Schnauzenstruktur nicht in der Lage, größere Säugetiere oder Menschen zu erbeuten. Berichte über Angriffe auf Menschen beruhen fast ausschließlich auf Verwechslungen mit dem Sunda-Gavial (Tomistoma schlegelii), einer entfernt verwandten Art aus Südostasien.

Verhalten & Lebensweise

Gaviale sind überwiegend tagaktiv, wobei die Jagd bevorzugt in den Morgen- und Abendstunden stattfindet. Tagsüber liegen die Tiere häufig auf Sandbänken und regulieren durch Sonnenbaden ihre Körpertemperatur – ein für Reptilien typisches thermoregulatorisches Verhalten.

Die Art ist vergleichsweise sozial. Auf geeigneten Sandbänken sonnen sich oft mehrere Individuen in loser Gruppierung. Adulte Männchen etablieren während der Paarungszeit ein Revier entlang eines Flussabschnitts und verteidigen dieses gegenüber Rivalen. Dabei setzen sie Lautäußerungen ein, die durch die Ghara verstärkt werden – ein zischendes, summendes Geräusch, das über weite Strecken hörbar ist. Auch Blasenbildung an der Wasseroberfläche und Kieferschlagen gehören zum Imponierverhalten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die kühlen Wintermonate zwischen November und Januar. Nach erfolgreicher Balz und Kopulation legt das Weibchen zwischen März und April ein Gelege von 20 bis 95 Eiern in eine selbst gegrabene Nestgrube auf einer erhöhten Sandbank. Die Eier sind mit einem Durchschnittsgewicht von etwa 150 Gramm die größten aller Krokodileier.

Die Inkubationszeit beträgt 60 bis 80 Tage. Die Geschlechtsbestimmung erfolgt wie bei allen Krokodilen temperaturabhängig. Das Weibchen bewacht das Nest während der gesamten Brutzeit und hilft den Schlüpflingen beim Verlassen der Nestgrube. Im Gegensatz zu vielen anderen Krokodilarten trägt der Gavial die Jungtiere jedoch nicht im Maul zum Wasser – die Schnauze ist dafür zu schmal und fragil. Die Jungtiere werden mehrere