Leistenkrokodil
LTierart – Reptilien > Krokodile
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Crocodylus porosus
- Ordnung: Krokodile (Crocodylia)
- Familie: Echte Krokodile (Crocodylidae)
- Gattung: Crocodylus
- Lebensraum: Küstengewässer, Flussmündungen, Mangrovensümpfe, Brackwasser, gelegentlich offenes Meer
- Größe: Männchen 4,5–6 m (in Ausnahmefällen über 6 m), Weibchen 2,5–3,5 m
- Gewicht: Männchen 400–1.000 kg, Weibchen 80–200 kg
- Lebenserwartung: 70–100 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Das Leistenkrokodil ist das größte heute lebende Reptil und zugleich der größte rezente Vertreter der Ordnung Crocodylia. Seinen deutschen Namen verdankt es zwei markanten Knochenleisten, die von den Augen ausgehend über die Schnauze verlaufen. Der Kopf ist im Vergleich zu anderen Echten Krokodilen breit und massiv, die Schnauze relativ kurz und kräftig gebaut.
Der gesamte Körper ist mit robusten, gekielten Hornschuppen bedeckt. Entlang des Rückens bilden diese Schuppen unregelmäßige Reihen aus ovalen Osteodermen – knöchernen Hautplatten, die als Panzerung dienen. Die Grundfärbung variiert je nach Alter und Herkunft von graugrün über olivbraun bis hin zu fast schwarz. Jungtiere zeigen ein helleres Grundmuster mit dunklen Querbändern und Flecken an Körper und Schwanz, das mit zunehmendem Alter verblasst.
Der kräftige, seitlich abgeflachte Schwanz macht etwa die Hälfte der Gesamtkörperlänge aus und dient als Hauptantrieb beim Schwimmen. Die Hinterfüße sind mit Schwimmhäuten ausgestattet. Augen, Ohren und Nasenlöcher liegen auf der Oberseite des Kopfes, sodass das Tier fast vollständig untergetaucht lauern kann, während diese Sinnesorgane über der Wasseroberfläche bleiben. Die Beißkraft des Leistenkrokodils gilt mit bis zu 16.000 Newton als die stärkste aller lebenden Tiere.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Crocodylus porosus erstreckt sich über weite Teile Südostasiens und des australisch-ozeanischen Raums. Es reicht von der Ostküste Indiens und Sri Lanka über Bangladesch, Myanmar, Thailand, Malaysia und Indonesien bis nach Nordaustralien, Papua-Neuguinea und die Salomonen. Vereinzelt wurden Tiere auch in den Gewässern um die Philippinen, Vietnam, Kambodscha und auf verschiedenen pazifischen Inseln nachgewiesen.
Das Leistenkrokodil bewohnt ein breites Spektrum an Habitaten. Bevorzugte Biotope sind Flussmündungen, Mangrovensümpfe, Gezeitenzonen und küstennahe Brackwasserbereiche. Die Art dringt jedoch auch weit in Süßwassersysteme vor – Flussläufe, Überschwemmungsebenen und Seen können ebenso besiedelt werden. Anders als die meisten anderen Krokodilarten besitzt das Leistenkrokodil spezielle Salzdrüsen auf der Zunge, die eine aktive Salzausscheidung ermöglichen. Dadurch kann es dauerhaft in marinen Lebensräumen überleben und weite Strecken über offenes Meer zurücklegen. Einzelne Individuen wurden hunderte Kilometer von der nächsten Küste entfernt im offenen Ozean gesichtet, was die englische Bezeichnung „Saltwater Crocodile" erklärt.
Ernährung
Das Leistenkrokodil ist ein opportunistischer Spitzenprädator. Jungtiere ernähren sich zunächst von Insekten, kleinen Fischen, Fröschen und Krebstieren. Mit wachsender Körpergröße verlagert sich das Beutespektrum auf zunehmend größere Tiere. Ausgewachsene Exemplare erbeuten Fische, Schildkröten, Schlangen, Warane, Wasservögel und Säugetiere bis hin zur Größe von Wasserbüffeln. Auch Haie und andere Krokodilarten werden gelegentlich überwältigt.
Die Jagdstrategie beruht auf Tarnung und Geduld. Das Krokodil liegt regungslos knapp unter der Wasseroberfläche und wartet, bis ein Beutetier in Reichweite kommt. Der Angriff erfolgt explosionsartig – mit einem schnellen Vorstoß wird die Beute gepackt und unter Wasser gezogen. Größere Beutetiere werden durch die sogenannte Todesrolle zerrissen, bei der sich das Krokodil um die eigene Längsachse dreht, um Stücke aus dem Kadaver herauszureißen. Da die Kiefer nicht zum Kauen geeignet sind, werden die Brocken im Ganzen verschlungen.
Verhalten & Lebensweise
Leistenkrokodile sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber zu jeder Tageszeit jagen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Sie sind Einzelgänger mit ausgeprägtem Revierverhalten. Adulte Männchen beanspruchen große Territorien entlang von Flussabschnitten oder Küstenstreifen und verteidigen diese aggressiv gegen Artgenossen. Unterlegene Männchen und subadulte Tiere werden in weniger geeignete Randhabitate oder ins offene Meer abgedrängt – ein Grund für die weiten ozeanischen Wanderungen mancher Individuen.
An Land bewegen sich Leistenkrokodile im sogenannten „High Walk", bei dem der Rumpf deutlich vom Boden abgehoben wird. Im Wasser sind sie schnelle und ausdauernde Schwimmer, die mithilfe des kräftigen Schwanzes Geschwindigkeiten von bis zu 24 km/h erreichen. Wie alle Krokodile sind sie ektotherm und regulieren ihre Körpertemperatur durch Sonnenbaden und Aufsuchen von Schatten oder Wasser.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Regenzeit, die je nach Region zwischen Oktober und Mai liegt. Der Balz geht ein komplexes Repertoire an Signalen voraus: Männchen heben den Kopf aus dem Wasser, schlagen mit der Schnauze auf die Oberfläche und erzeugen tieffrequente Infraschall-Vibrationen, die