Gebirgsstelze
GTierart – Vögel > Singvögel – Stare, Pieper, Stelzen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Motacilla cinerea
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Stelzen und Pieper (Motacillidae)
- Gattung: Stelzen (Motacilla)
- Lebensraum: Fließgewässer in Mittelgebirgen und Gebirgsregionen, auch an Bächen im Flachland
- Größe: 17–20 cm (Körperlänge einschließlich Schwanz)
- Gewicht: 14–22 g
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre, in Einzelfällen bis zu 7 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gebirgsstelze ist ein schlanker, zierlich gebauter Singvogel mit einem auffällig langen Schwanz, der ständig auf und ab wippt – ein typisches Merkmal aller Stelzenarten. Trotz ihres Namens sollte sie nicht mit der deutlich häufigeren Bachstelze (Motacilla alba) verwechselt werden, mit der sie das Habitat an Gewässern teilt.
Das Gefieder der Oberseite ist blaugrau gefärbt, was der Art ihren wissenschaftlichen Beinamen cinerea (aschgrau) eingebracht hat. Die Unterseite zeigt ein leuchtendes Gelb, das sich besonders auf dem Bauch, an den Flanken und auf den Unterschwanzdecken konzentriert. Der Bürzel ist grünlichgelb. Ein heller, cremefarbener Überaugenstreif kontrastiert mit einem dunklen Augenstreif. Die Beine sind fleischfarben bis bräunlich.
Im Prachtkleid des Männchens tritt während der Brutzeit eine schwarze Kehle auf, die von schmalen weißen Bartstreifen eingerahmt wird. Im Schlichtkleid fehlt dieses Kehlfeld oder ist nur angedeutet. Weibchen zeigen ganzjährig eine blassere, weißliche bis rahmfarbene Kehle und insgesamt ein etwas weniger kontrastreiches Gefieder. Jungvögel ähneln den Weibchen, wirken aber insgesamt matter und zeigen auf der Unterseite ein gedämpftes Gelb mit bräunlichem Einschlag.
Von der Schafstelze (Motacilla flava) unterscheidet sich die Gebirgsstelze durch die graublaue Oberseite (statt olivgrün), den längeren Schwanz und den stets an Fließgewässer gebundenen Aufenthaltsort.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gebirgsstelze erstreckt sich von Westeuropa und Nordwestafrika über große Teile der gemäßigten und subtropischen Paläarktis bis nach Ostasien. In Europa brütet sie von den Britischen Inseln und Skandinavien südwärts bis zum Mittelmeerraum, wobei sie in den wärmeren Tieflandregionen Südeuropas stellenweise fehlt.
Ihr bevorzugtes Habitat sind schnell fließende, klare Bäche und Flüsse mit steinigem oder kiesigem Untergrund. Besonders häufig besiedelt sie Mittelgebirge und die Vorgebirgszone der Alpen, kommt aber auch in geeigneten Biotopen des Flachlands vor – etwa an Mühlbächen, Wehren und naturnahen Bachabschnitten. In Mitteleuropa ist sie in den Mittelgebirgslagen flächendeckend verbreitet, im norddeutschen Tiefland dagegen deutlich seltener.
Die mitteleuropäischen Populationen sind überwiegend Teilzieher: Während Brutvögel aus höheren Lagen und nördlicheren Regionen im Herbst nach Südwest- und Südeuropa abwandern, überwintern Vögel aus milderen Gebieten häufig in der Nähe ihrer Brutreviere. An eisfreien Gewässerabschnitten lassen sich Gebirgsstelzen daher auch im Winter beobachten.
Ernährung
Die Gebirgsstelze ernährt sich fast ausschließlich von kleinen wirbellosen Tieren. Auf dem Speiseplan stehen vor allem aquatische Insektenlarven wie Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Zuckmückenlarven, die sie geschickt von Steinen im und am Wasser abliest. Daneben fängt sie fliegende Insekten durch kurze Jagdflüge über der Wasseroberfläche. Kleine Krebstiere, Würmer, Spinnen und gelegentlich winzige Weichtiere ergänzen die Nahrung.
Die Nahrungssuche erfolgt am Gewässerrand, auf aus dem Wasser ragenden Steinen, an Wehren und in Uferbereichen. Dabei bewegt sich der Vogel in schnellen, trippelnden Schritten und nutzt den wippenden Schwanz vermutlich, um versteckte Beutetiere aufzuscheuchen.
Verhalten & Lebensweise
Die Gebirgsstelze ist tagaktiv und überwiegend einzelgängerisch. Während der Brutzeit verteidigt das Paar ein lineares Revier entlang eines Gewässerabschnitts, das je nach Nahrungsangebot wenige hundert Meter bis über einen Kilometer Bachlauf umfassen kann. Das Revier wird durch Gesang und Verfolgungsflüge gegen Artgenossen abgegrenzt.
Der Gesang des Männchens ist eine schnelle Folge scharfer, metallischer Töne, die oft im Flug vorgetragen werden. Der häufigste Ruf ist ein durchdringendes, zweisilbiges „zi-zitt", das etwas schärfer und höher klingt als der Ruf der Bachstelze.
Außerhalb der Brutzeit löst sich die strenge Revierbindung auf. An günstigen Schlafplätzen – etwa in Schilfbeständen, unter Brücken oder an Gebäuden – können sich dann mehrere Individuen zu lockeren Schlafgemeinschaften zusammenfinden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt in Mitteleuropa ab März. Das Männchen präsentiert sich dem Weibchen in charakteristischen Singflügen und zeigt dabei die kontrastreiche Kehlzeichnung. Die Paarbildung erfolgt meist monogam für eine Brutsaison.
Das Nest wird in Halbhöhlen oder Nischen nahe am Wasser angelegt – typische Standorte sind Ufermauern, Brückenpfeiler, Wurzelteller umgestürzter Bäume, Felsspalten und gelegentlich auch Gebäudenischen. Es besteht aus trockenem Gras, Moos, Halmen und Blättern und wird innen mit feinen Haaren und Federn ausgepolstert.