Gehege
GHaltung & Pflege > Unterbringung – allgemein
Definition & Überblick
Ein Gehege ist ein abgegrenzter Bereich, der Tieren als dauerhafter oder zeitweiser Lebensraum dient. Im Gegensatz zu Käfigen, Terrarien oder Aquarien bezeichnet der Begriff Gehege in der Regel größere, oft begehbare Strukturen – sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Gehege kommen bei einer Vielzahl von Tierarten zum Einsatz: von Kaninchen und Meerschweinchen über Schildkröten und Hühner bis hin zu Reptilien, Vögeln und größeren Säugetieren.
Das Gehege bildet die unmittelbare Lebenswelt des Tieres. Seine Gestaltung beeinflusst Gesundheit, Verhalten und Wohlbefinden maßgeblich. Ein artgerechtes Gehege orientiert sich am natürlichen Lebensraum der jeweiligen Tierart und bietet ausreichend Platz für Bewegung, Rückzug, Nahrungsaufnahme und soziale Interaktion. Im deutschen Tierschutzgesetz (§ 2 TierSchG) ist verankert, dass jeder Halter sein Tier verhaltensgerecht unterbringen muss – das Gehege ist somit nicht nur eine praktische, sondern auch eine rechtliche Verpflichtung.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor ein Gehege geplant und gebaut wird, müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden:
- Tierart und deren Bedürfnisse: Jede Tierart stellt spezifische Anforderungen an Raumgröße, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Bodengrund, Versteckmöglichkeiten und Auslauf. Ein Gehege für Bartagamen unterscheidet sich grundlegend von einem Kaninchengehege oder einer Voliere für Wellensittiche.
- Mindestmaße: Für viele Tierarten existieren verbindliche Mindestmaße, die in Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), in Tierhalterverordnungen der Bundesländer oder in Empfehlungen der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) festgelegt sind. Diese Mindestmaße sollten als absolute Untergrenze verstanden werden – nicht als Zielgröße.
- Gruppengröße und Sozialverhalten: Viele Tiere sind Gruppentiere und dürfen nicht einzeln gehalten werden. Die Gehegedimensionierung muss die Anzahl der gehaltenen Tiere berücksichtigen.
- Standort: Innenhaltung oder Außenhaltung? Witterungsschutz, Sonneneinstrahlung, Zugluft, Bodenbeschaffenheit und Raubtiersicherheit spielen bei der Standortwahl eine zentrale Rolle.
- Materialien: Verwendete Materialien müssen ungiftig, leicht zu reinigen und stabil genug sein, um Ausbrüche zu verhindern. Bei Außengehegen ist Witterungsbeständigkeit entscheidend.
Praktische Umsetzung
Die konkrete Gestaltung eines Geheges gliedert sich in mehrere Bereiche:
Struktur und Zonierung: Ein gutes Gehege ist nicht einfach eine leere Fläche. Es sollte in verschiedene Funktionszonen unterteilt sein – Futterstelle, Trinkstelle, Ruhezone, Aktivitätsbereich und Rückzugsmöglichkeiten. Diese Zonierung ahmt die natürliche Umgebung nach und gibt dem Tier die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Bereichen zu wählen.
Einrichtung und Beschäftigung: Artgerechte Beschäftigung ist essenziell, um Langeweile und Verhaltensstörungen zu vermeiden. Je nach Tierart gehören dazu Klettermöglichkeiten, Buddelzonen, Bademöglichkeiten, Äste, Röhren, Höhlen oder Plattformen. Die Einrichtung sollte regelmäßig verändert werden, um neue Reize zu setzen.
Sicherheit: Das Gehege muss so gesichert sein, dass das Tier weder ausbrechen noch von Fressfeinden erreicht werden kann. Bei Außengehegen für Kaninchen oder Schildkröten ist ein Untergrabschutz ebenso wichtig wie eine Abdeckung gegen Greifvögel, Marder oder Katzen. Engmaschiger, punktverschweißter Volierendraht ist handelsüblichem Hasendraht in puncto Sicherheit weit überlegen.
Hygiene: Die Reinigung des Geheges muss unkompliziert möglich sein. Glatte, abwischbare Oberflächen im Innenbereich, wechselbarer Bodengrund und gut erreichbare Futter- und Wassernäpfe erleichtern die tägliche Pflege erheblich. Ein Hygienekonzept mit täglicher Teilreinigung und regelmäßiger Grundreinigung beugt Krankheiten vor.
Klimasteuerung: Bei Reptilien, Amphibien und tropischen Vogelarten muss das Gehege mit Wärmelampen, UV-Strahlern, Beregnungsanlagen oder Heizmatten ausgestattet werden, um die benötigten klimatischen Bedingungen stabil zu halten. Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmesser gehören zur Grundausstattung.
Häufige Fehler
- Zu klein dimensioniert: Der häufigste Fehler überhaupt. Viele im Handel angebotene Käfige und Fertiggehege unterschreiten die empfohlenen Mindestmaße deutlich. Besonders bei Kaninchen, Meerschweinchen und Hamstern werden handelsübliche Produkte den tatsächlichen Platzanforderungen selten gerecht.
- Fehlende Strukturierung: Ein leeres Gehege mit nichts als Einstreu und einem Futternapf bietet keinerlei Anreize. Tiere, die keine Möglichkeit zur Beschäftigung und zum Rückzug haben, entwickeln häufig Stereotypien wie Gitternagen, Federpicken oder übermäßiges Graben an immer derselben Stelle.
- Ungeeignete Materialien: Nadelholz mit hohem Harzanteil, lackierte oder behandelte Oberflächen, Kunststoffteile mit scharfen Kanten oder giftiges Plastik können die Gesundheit der Tiere gefährden.
- Mangelhafter Raubtierschutz: Insbesondere bei Außengehegen wird die Gefahr durch Marder, Füchse und Greifvögel häufig unterschätzt. Ein einzelner Marder kann in einer Nacht einen kompletten Kaninchenbestand töten.
- Falscher Standort: Direkte Sonneneinstrahlung ohne Schattenmöglichkeit kann im Sommer tödlich enden –