Gesamthärte
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Definition & Überblick
Die Gesamthärte (Abkürzung: GH) ist einer der wichtigsten Wasserwerte in der Aquaristik. Sie gibt die Konzentration der im Wasser gelösten Erdalkali-Ionen an – in erster Linie Calcium (Ca²⁺) und Magnesium (Mg²⁺). Gemessen wird die Gesamthärte in Grad deutscher Härte (°dH), wobei 1 °dH einer Konzentration von 10 mg Calciumoxid pro Liter Wasser entspricht. International gebräuchlich sind auch die Einheiten ppm (parts per million) und mmol/l.
Die Gesamthärte beeinflusst maßgeblich das Wohlbefinden, die Gesundheit und das Fortpflanzungsverhalten von Fischen, Wirbellosen und Aquarienpflanzen. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Karbonathärte (KH), die den Anteil der an Hydrogencarbonat gebundenen Calcium- und Magnesium-Ionen beschreibt und als Säurepuffer im Aquarium fungiert. Beide Werte zusammen bestimmen den Gesamtcharakter des Aquarienwassers und müssen für eine artgerechte Haltung regelmäßig kontrolliert werden.
Grobe Einteilung der Gesamthärte:
- 0–4 °dH: sehr weiches Wasser
- 4–8 °dH: weiches Wasser
- 8–12 °dH: mittelhartes Wasser
- 12–18 °dH: hartes Wasser
- über 18 °dH: sehr hartes Wasser
Grundlagen & Voraussetzungen
Das Leitungswasser in Deutschland weist je nach Region stark unterschiedliche Gesamthärten auf – von unter 5 °dH in Mittelgebirgsregionen bis über 25 °dH in kalkhaltigen Gebieten wie Franken oder Teilen Nordrhein-Westfalens. Bevor ein Aquarium eingerichtet wird, sollte der Halter die Wasserwerte seines Leitungswassers kennen. Die meisten Wasserversorger veröffentlichen diese Daten auf ihren Webseiten.
Die Gesamthärte spielt eine zentrale Rolle bei der Artenwahl. Südamerikanische Salmler, Diskusfische und viele Garnelen der Gattung Caridina stammen aus Gewässern mit sehr weichem Wasser (2–8 °dH). Ostafrikanische Buntbarsche aus dem Malawi- oder Tanganjikasee hingegen benötigen hartes Wasser mit 10–20 °dH. Lebendgebärende Zahnkarpfen wie Guppys, Platys und Mollys fühlen sich ebenfalls in mittlerem bis hartem Wasser wohl.
Calcium und Magnesium sind für Fische und Wirbellose essenzielle Mineralstoffe. Calcium wird für den Knochenaufbau, die Osmoregulation und die Ausbildung von Schuppen benötigt. Garnelen und Schnecken brauchen ausreichend Calcium für die Panzerbildung beziehungsweise das Gehäusewachstum. Ein dauerhafter Mangel führt zu Häutungsproblemen bei Garnelen, brüchigen Schneckenhäusern und geschwächten Fischen. Zu hohe Werte können hingegen die Osmoregulation von Weichwasserfischen überfordern und die Befruchtungsrate bei der Zucht senken.
Praktische Umsetzung
Die Gesamthärte wird mit Tropfentests gemessen, die im Zoofachhandel erhältlich sind. Dabei wird eine Wasserprobe tropfenweise mit einer Reagenzlösung versetzt, bis ein Farbumschlag eintritt. Die Anzahl der Tropfen entspricht dem GH-Wert in °dH. Digitale Messgeräte (TDS-Meter) messen den Gesamtgehalt gelöster Feststoffe und liefern nur einen Annäherungswert – sie ersetzen den Tropfentest nicht.
Wasser enthärten:
- Osmoseanlage (Umkehrosmose): Erzeugt nahezu mineralfreies Wasser mit 0–1 °dH. Dieses Osmosewasser wird anschließend mit Leitungswasser oder speziellen Aufhärtesalzen auf den gewünschten Wert verschnitten. Die zuverlässigste Methode für Weichwasserbecken.
- Vollentsalzer (Mischbettharz): Entfernt sämtliche Ionen aus dem Wasser. Geeignet für kleinere Wassermengen, das Harz muss regelmäßig regeneriert oder getauscht werden.
- Torf: Eine natürliche Methode, die das Wasser leicht enthärtet und gleichzeitig Huminstoffe abgibt. Die Wirkung ist allerdings schwer dosierbar und nur für geringfügige Absenkungen geeignet.
Wasser aufhärten:
- GH-Aufhärtesalze: Spezielle Mineralsalze aus dem Fachhandel, die gezielt Calcium und Magnesium zuführen. Besonders wichtig bei der Verwendung von Osmosewasser.
- Kalkgestein und Korallensand: Erhöhen die Gesamthärte langsam und kontinuierlich. Geeignet als Bodengrund oder Dekoration in Becken für ostafrikanische Cichliden.
Bei jedem Wasserwechsel sollte das frische Wasser die gleiche Gesamthärte aufweisen wie das Beckenwasser. Abrupte Schwankungen um mehr als 3–4 °dH können bei empfindlichen Arten Stress, Schockzustände und im schlimmsten Fall den Tod verursachen.
Häufige Fehler
- GH und KH verwechseln: Beide Werte beeinflussen sich zwar, sind aber nicht identisch. Ein niedriger KH-Wert bei hoher GH ist durchaus möglich – und umgekehrt. Beide müssen separat gemessen und angepasst werden.
- Artenvergesellschaftung ohne Berücksichtigung der Wasserhärte: Wer ostafrikanische Buntbarsche mit südamerikanischen Salmlern in einem Becken hält, kann nie beiden Gruppen artgerechte Bedingungen bieten. Die Gesamthärte muss bei der Zusammenstellung des Besatzes von Anfang an berücksichtigt werden