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Grannenhaar

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Anatomie & Körperbau > Haut, Fell & Co

Definition & Überblick

Das Grannenhaar (Pili heterotypici, auch als Leithaar oder Deckhhaar bezeichnet) ist der dominante Haartyp im Fell der meisten Säugetiere. Es bildet die äußere, sichtbare Schicht des Haarkleides (Pelage) und überragt dabei die feineren Wollhaare (Pili lanei) deutlich an Länge und Durchmesser. Im engeren Sinne handelt es sich bei Grannenhaaren um kräftige, gerade bis leicht gebogene Haare mit einem charakteristischen verdickten, oft abgeflachten distalen Abschnitt – der sogenannten Granne (Arista) – und einem dünneren proximalen Schaft.

Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff Grannenhaar häufig synonym mit Deckhaar verwendet, obwohl in der vergleichenden Trichologie eine Differenzierung möglich ist: Das eigentliche Grannenhaar zeichnet sich durch seine spezifische Schaftmorphologie mit der namensgebenden Verdickung aus, während der Oberbegriff Deckhaar alle die Unterwolle überragenden Haartypen einschließen kann. In der veterinärmedizinischen Praxis und der Zuchtterminologie wird diese Unterscheidung allerdings selten konsequent durchgehalten.

Aufbau & Struktur

Das Grannenhaar entspringt einem tief in der Dermis (Lederhaut) oder sogar in der Subcutis (Unterhaut) verankerten Haarfollikel (Folliculus pili). Der Follikel des Grannenhaares ist in der Regel größer und reicht tiefer als jener der Wollhaare. Bei vielen Spezies bildet ein zentrales Grannenhaar zusammen mit mehreren sekundären Wollhaaren eine Follikelgruppe (Compound follicle), wobei das Grannenhaar als Primärhaar (Leitfollikel) fungiert.

Der Aufbau des einzelnen Grannenhaares gliedert sich in drei konzentrische Schichten:

  • Cuticula (Schuppenschicht): Die äußerste Lage besteht aus flachen, dachziegelartig übereinanderliegenden Keratinschuppen. Deren Form, Größe und Anordnung sind artspezifisch und dienen in der forensischen Trichologie der Speziesidentifikation.
  • Cortex (Rinde): Die mittlere Schicht macht den Hauptanteil des Haarschaftes aus. Sie besteht aus spindelförmigen, längs ausgerichteten Keratinfasern (Intermediärfilamente vom Typ α-Keratin) und enthält die Melaningranula, die für die Haarfarbe verantwortlich sind – entweder als Eumelanin (schwarz-braun) oder Phäomelanin (gelb-rot).
  • Medulla (Mark): Im Grannenhaar ist die Medulla typischerweise gut ausgebildet und durchgehend (kontinuierlich) oder unterbrochen (diskontinuierlich) vorhanden. Sie besteht aus locker angeordneten, teilweise luftgefüllten Zellen. Muster und Breite der Medulla sind ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen Tierarten.

Die charakteristische Granne entsteht durch eine Verbreiterung des Cortex im distalen Schaftabschnitt, während der proximale Bereich – der sogenannte Stiel – schmaler bleibt. Dem Follikel des Grannenhaares sind zudem ein Musculus arrector pili (Haarbalgmuskel) sowie Talgdrüsen (Glandulae sebaceae) zugeordnet.

Funktion

Das Grannenhaar erfüllt mehrere wesentliche Funktionen innerhalb des Integumentum commune:

  • Mechanischer Schutz: Als äußerste Fellschicht schützt das Grannenhaar die darunterliegende Unterwolle sowie die Haut vor mechanischer Beanspruchung, UV-Strahlung und dem Eindringen von Fremdkörpern.
  • Wasserabweisung: Durch die Beschichtung mit Talg (Sebum) und die glatte, dichte Cuticula-Struktur leiten Grannenhaare Wasser an der Körperoberfläche ab und verhindern das Durchnässen der isolierenden Unterwolle. Dies ist besonders bei semiaquatischen Arten von existenzieller Bedeutung.
  • Thermoregulation: Gemeinsam mit der Unterwolle bildet das Grannenhaar ein effektives Isolationssystem. Durch Kontraktion des Musculus arrector pili kann das Haar aufgerichtet werden (Piloerektion), wodurch die isolierende Luftschicht vergrößert wird.
  • Kommunikation und Tarnung: Die Pigmentierung der Grannenhaare bestimmt maßgeblich die Fellfarbe und damit Tarnmuster, Arterkennungsmerkmale sowie soziale Signale. Die Piloerektion dient zudem der optischen Vergrößerung des Körperumrisses bei Bedrohung.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die Morphologie des Grannenhaares variiert erheblich zwischen den Säugetierordnungen. Beim Hund (Canis lupus familiaris) zeigt sich eine enorme rassebedingte Variabilität: Während Rassen wie der Deutsche Schäferhund ein ausgeprägtes Stockhaar mit deutlicher Granne besitzen, fehlt bei einigen Rassen wie dem Pudel eine klare Differenzierung zwischen Deck- und Wollhaar – das Haar wächst kontinuierlich und bildet keine typische Grannenstruktur aus.

Bei der Katze (Felis catus) lassen sich neben den eigentlichen Grannenhaaren auch Leithaare (Guard hairs) und Awnhaare (Awn hairs) als Subtypen des Deckhaares unterscheiden, die sich in Länge, Dicke und Grannenausprägung voneinander abgrenzen.

Beim Pferd (Equus caballus) dominiert ein relativ einheitliches, glattes Deckhaar ohne ausgeprägte Grannenverbreiterung. Bei Wildtieren wie dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) oder dem Europäischen Dachs (Meles meles) ist die Grannenstruktur besonders deutlich ausgebildet, was eine exzellente Wasserabweisung gewährleistet. Der Fischotter (Lutra lutra) besitzt extrem dicht stehende, stark wasserabweisende Grannenhaare mit einer Haardichte von bis zu 50.000 Haaren pro Quadr