Graufuchs
GTierart – Säugetiere > Raubtiere – Hunde (wild)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Urocyon cinereoargenteus
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Hunde (Canidae)
- Gattung: Urocyon
- Lebensraum: Wälder, Buschland, felsige Gebiete in Nord- und Mittelamerika
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 48–69 cm, Schwanzlänge 27–45 cm
- Gewicht: 3–7 kg
- Lebenserwartung: 6–10 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 15 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Graufuchs ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie der Hunde (Canidae) mit einem kompakten, gedrungenen Körperbau. Sein Fell zeigt auf der Oberseite eine charakteristische Mischung aus Grau und Silber, die durch das sogenannte Agouti-Muster der einzelnen Haare entsteht: Jedes Grannenhaar weist abwechselnd helle und dunkle Bänderungen auf. Die Flanken, der Hals und die Beine tragen einen deutlichen rostbraunen bis orangefarbenen Ton. Die Unterseite ist weißlich. Der buschige Schwanz besitzt einen auffälligen schwarzen Aalstrich auf der Oberseite und endet in einer schwarzen Spitze – ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal zum Rotfuchs (Vulpes vulpes), dessen Schwanzspitze weiß gefärbt ist.
Die Schnauze ist kürzer und breiter als beim Rotfuchs, die Ohren verhältnismäßig groß und spitz. Die Beine sind relativ kurz und kräftig. Die Krallen des Graufuchses sind im Vergleich zu anderen Caniden stärker gebogen und teilweise einziehbar – eine anatomische Besonderheit, die unmittelbar mit seiner Kletterfähigkeit zusammenhängt (siehe Abschnitt „Besonderheiten").
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Graufuchses erstreckt sich vom Süden Kanadas über weite Teile der Vereinigten Staaten bis nach Venezuela und Kolumbien im nördlichen Südamerika. Sein Habitat umfasst bevorzugt Laub- und Mischwälder, dichte Buschlandschaften, Chaparral-Gebiete sowie felsige Hänge mit guter Deckung. Anders als der Rotfuchs, der offene Kulturlandschaften bevorzugt, ist der Graufuchs stärker an waldreiche Biotope gebunden.
In den östlichen Bundesstaaten der USA lebt er vorwiegend in ausgedehnten Laubwäldern, während er im Südwesten trockene Canyons, Eichenwälder und Wüstenrandgebiete besiedelt. In Mittelamerika nutzt er tropische und subtropische Wälder. Gegenüber menschlichen Siedlungen zeigt er sich weniger anpassungsfähig als der Rotfuchs, obwohl er gelegentlich in Randbereichen von Vorstädten auftaucht, sofern ausreichend Gehölzstrukturen vorhanden sind.
Ernährung
Der Graufuchs ist ein ausgeprägter Allesfresser (Omnivore). Sein Nahrungsspektrum variiert stark je nach Jahreszeit und Region. Im Frühjahr und Sommer stehen Kleinsäuger wie Baumwollratten, Mäuse und Kaninchen im Vordergrund. Er erbeutet auch Vögel, Eidechsen, Insekten und andere Wirbellose. Im Herbst und Winter verschiebt sich die Ernährung deutlich in Richtung pflanzlicher Kost: Früchte, Beeren, Nüsse und Samen machen dann einen erheblichen Anteil der Nahrung aus. Studien aus dem Südosten der USA zeigten, dass pflanzliche Bestandteile zeitweise über 50 Prozent des Mageninhalts ausmachen können.
Seine Kletterfähigkeit verschafft ihm dabei Zugang zu Nahrungsquellen, die anderen Caniden verschlossen bleiben – etwa Früchte in Baumkronen oder Vogelnester.
Verhalten & Lebensweise
Der Graufuchs ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber in Gebieten mit geringer menschlicher Störung auch tagaktive Phasen. Er lebt als Einzelgänger oder in Paaren und ist kein Rudeltier. Jedes Tier bzw. Paar beansprucht ein festes Revier, dessen Größe je nach Nahrungsangebot zwischen 0,5 und 8 Quadratkilometern schwankt. Die Reviermarkierung erfolgt über Urin, Kot und Sekretabgabe aus der Schwanzdrüse.
Als Unterschlupf nutzt der Graufuchs Felsspalten, hohle Baumstämme, verlassene Baue anderer Tiere oder dichte Vegetationsbestände. Er gräbt seltener eigene Baue als der Rotfuchs. In der Kommunikation setzt er Belllaute, Knurren und schrille Schreie ein, die jedoch leiser und weniger häufig zu hören sind als beim Rotfuchs.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit (Ranz) fällt in den meisten Regionen auf Januar bis März. Das Paar bleibt häufig über eine gesamte Fortpflanzungssaison zusammen, teilweise auch darüber hinaus. Nach einer Tragzeit von etwa 53 Tagen bringt das Weibchen in einem geschützten Bau oder einer Baumhöhle durchschnittlich drei bis fünf Welpen zur Welt. Die Jungen sind bei der Geburt blind und mit dünnem, dunklem Fell bedeckt. Sie öffnen nach etwa 10 bis 14 Tagen die Augen.
Beide Elternteile beteiligen sich an der Aufzucht. Das Männchen versorgt das Weibchen und den Wurf in den ersten Wochen mit Nahrung. Ab der vierten bis fünften Lebenswoche beginnen die Welpen, feste Nahrung aufzunehmen. Mit etwa vier Monaten sind sie weitgehend selbstständig. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von rund zehn Monaten ein, sodass Jungtiere bereits in der nächsten Saison eigene Nachkommen haben können.
Bedrohung & Schutzstatus
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft den Graufuchs als „nicht gefährdet" (Least Concern) ein. Der Gesamtbestand gilt als stabil. Regionalen Rückgängen steht eine gewisse