T Tierlexikon.net
← Lexikon

Häutung

H

Anatomie & Körperbau > Haut, Fell & Co

Definition & Überblick

Die Häutung (lat. Ecdysis, griech. ekdysis = „das Herausgehen") bezeichnet den physiologischen Vorgang des Abstoßens und Erneuerns der äußeren Körperbedeckung bei verschiedenen Tiergruppen. Im engeren Sinne beschreibt der Begriff den periodischen Wechsel der gesamten Epidermis oder des Exoskeletts, wie er bei Reptilien, Amphibien und Arthropoden auftritt. Von der Häutung abzugrenzen ist der Fellwechsel (Haarwechsel) bei Säugetieren sowie die Mauser (Federkleidwechsel) bei Vögeln, obgleich im allgemeinen Sprachgebrauch alle drei Prozesse gelegentlich unter dem Oberbegriff Häutung zusammengefasst werden.

Gesteuert wird die Ecdysis bei Arthropoden und Reptilien vorwiegend durch das Hormon Ecdyson (20-Hydroxyecdyson), das in spezifischen endokrinen Drüsen gebildet wird. Bei Insekten sind dies die Prothorakaldrüsen, bei Krebstieren die Y-Organe. Die hormonelle Regulation ist komplex und umfasst weitere Faktoren wie das Juvenilhormon, das bei Insekten bestimmt, ob die Häutung in ein weiteres Larvenstadium oder in das Adultstadium mündet.

Aufbau & Struktur

Das Verständnis der Häutung erfordert Kenntnisse über den Aufbau der jeweils abgestoßenen Körperhülle:

  • Arthropoden (Arthropoda): Das starre Exoskelett (Cuticula) besteht aus mehreren Schichten – der äußeren Epicuticula (wachshaltig, wasserabweisend), der Exocuticula (stark sklerotisiert) und der inneren Endocuticula (weicher, chitinreich). Die darunterliegende Epidermis (Hypodermis) produziert sowohl die alte als auch die neue Cuticula.
  • Reptilien (Reptilia): Die Haut besteht aus der Epidermis mit einer verhornten Oberschicht (Stratum corneum) und der darunterliegenden Dermis (Corium). Die Epidermis bildet Schuppen, die aus Keratin bestehen – bei Schlangen sowohl aus α-Keratin als auch aus dem härteren β-Keratin.
  • Amphibien (Amphibia): Die dünne, drüsenreiche Haut besitzt ein vergleichsweise zartes Stratum corneum, das regelmäßig abgestoßen und häufig vom Tier selbst gefressen wird (Dermatophagie).

Funktion

Die Häutung erfüllt mehrere lebenswichtige Funktionen:

  • Wachstum: Bei Arthropoden verhindert das starre Exoskelett eine kontinuierliche Größenzunahme. Nur durch die Ecdysis kann der Körper zwischen dem Abstreifen der alten und dem Aushärten der neuen Cuticula an Volumen zunehmen. Dieser Vorgang wird als Häutungswachstum (diskontinuierliches Wachstum) bezeichnet.
  • Regeneration: Beschädigte Hautareale, Parasiten und oberflächliche Pathogene werden mit der abgestoßenen Hülle (dem sogenannten Exuvium oder der Exuvie) entfernt.
  • Metamorphose: Bei holometabolen Insekten ist die Häutung mit grundlegenden Umbauprozessen des Körpers verbunden – vom Larvenstadium über die Puppe bis zum Imago.
  • Anpassung: Der Wechsel der Körperbedeckung ermöglicht saisonale Anpassungen an Temperatur, Feuchtigkeit und Tarnung.

Unterschiede zwischen Tierarten

Schlangen (Serpentes) häuten sich in der Regel am Stück. Die alte Haut löst sich zunächst im Kopfbereich, und das Tier streift sie durch Reibung an rauen Oberflächen als zusammenhängenden Schlauch ab – das sogenannte Natternhemd. Vor der Häutung trüben sich die Augen ein, da sich zwischen der alten und neuen Brille (Spectaculum, die transparente Schuppe über dem Auge) Flüssigkeit ansammelt. Diese Phase wird als Trübungsphase bezeichnet.

Echsen (Lacertilia) häuten sich meist in größeren Fetzen oder Stücken, nicht als Ganzes. Geckos und manche Skinke fressen ihre abgestreifte Haut (Dermatophagie), um Nährstoffe zurückzugewinnen.

Krebstiere (Crustacea) wie Hummer und Krabben müssen während der Ecdysis ihr gesamtes Exoskelett einschließlich der Auskleidung von Magen und Kiemen abstreifen. Die Phase unmittelbar nach der Häutung, in der das neue Integument noch weich ist, heißt Butterkrebsstadium. Die Tiere sind in dieser Zeit extrem verletzlich.

Insekten (Insecta) durchlaufen eine definierte Anzahl von Häutungen. Die Stadien zwischen zwei Häutungen werden als Larvalstadien oder Nymphenstadien (Instars) bezeichnet. Eine Raupe des Schwalbenschwanzes beispielsweise durchläuft fünf Instars, bevor sie sich verpuppt.

Amphibien (Amphibia) häuten sich regelmäßig, wobei Frösche und Kröten die abgestreifte Haut fast immer sofort verschlucken. Die Häutungsfrequenz hängt stark von Umgebungstemperatur und Wachstumsrate ab.

Besonderheiten

Der gesamte Häutungsprozess gliedert sich bei Arthropoden in mehrere Phasen: In der Prä-Ecdysis löst die Hypodermis die Verbindung zur alten Cuticula (Apolyse) und beginnt, eine neue Cuticula zu synthetisieren. Gleichzeitig wird die Endocuticula der alten Hülle durch Enzyme (Chitinase, Protease) im sogenannten Exuvialraum teilweise verdaut und