Handpferd
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Definition und Überblick
Als Handpferd bezeichnet man ein Pferd, das von einem Reiter neben seinem Reitpferd an der Hand mitgeführt wird. Der Reiter sitzt dabei auf dem sogenannten Sattelpferd und hält das Handpferd mit einer Hand am Führstrick oder Zügel. Das Handpferd läuft lose, also ohne eigenen Reiter, auf der rechten oder linken Seite mit. Diese Praxis hat eine lange Tradition in der Reiterei und erfüllt bis heute verschiedene Zwecke – vom Transport und der Ausbildung junger Pferde bis hin zum sportlichen Einsatz und der Freizeitreiterei.
Der Begriff leitet sich unmittelbar von der Art der Führung ab: Das Pferd wird buchstäblich „an der Hand" gehalten. Im Englischen spricht man von ponying oder einem lead horse, im Französischen vom cheval de main. In historischen Quellen findet sich auch die Bezeichnung Reservepferd oder Beipferd, da Handpferde häufig als frische Wechselpferde auf langen Rittmärschen mitgeführt wurden.
Historische Bedeutung
Das Mitführen von Handpferden hat eine jahrhundertealte Geschichte. In der Kavallerie gehörte es zum Standardverfahren, Ersatz- und Packpferde neben den Dienstpferden mitzuführen. Offiziere hatten häufig ein oder sogar mehrere Handpferde bei sich, die als frische Reitpferde für lange Märsche oder den Kampfeinsatz dienten. Auch bei Postrelaissystemen und im Kurierdienst wurden Handpferde mitgenommen, um unterwegs schnell das Pferd wechseln zu können, ohne eine Station ansteuern zu müssen.
Im Bereich der Hirtenkulturen und der Viehtreiberei – etwa bei Cowboys im amerikanischen Westen oder bei Csikós in der ungarischen Puszta – war das Mitführen von Handpferden alltägliche Praxis. Lange Viehtriebe erforderten mehrere Pferde pro Reiter, und das geschickte Führen eines Handpferdes gehörte zum Grundhandwerk jedes berittenen Hirten.
Einsatzbereiche im modernen Pferdesport
Auch in der heutigen Reiterei spielt das Handpferd eine vielseitige Rolle:
- Ausbildung junger Pferde: Jungpferde und Remontepferde werden häufig als Handpferd neben einem erfahrenen, gelassenen Sattelpferd ins Gelände mitgenommen. Das ältere Pferd dient als Leitpferd und gibt dem jungen Tier Sicherheit. So lernt das Jungpferd, Straßenverkehr, unbekanntes Terrain und verschiedene Umweltreize zu tolerieren, ohne dass es bereits unter dem Sattel belastet wird.
- Konditionstraining: Im Galopprennsport werden Rennpferde regelmäßig von einem sogenannten Lead Pony zur Startbox oder zum Aufwärmen geführt. Das ruhige Begleitpferd hilft nervösen Vollblütern, sich zu entspannen und kontrolliert auf die Bahn zu kommen.
- Distanzreiten und Wanderreiten: Auf mehrtägigen Wanderritten führen Reiter gelegentlich ein Handpferd mit, das Gepäck trägt oder als Wechselpferd dient. Im Distanzsport kann das Training mit Handpferd dazu genutzt werden, zwei Pferde gleichzeitig zu bewegen.
- Ranch- und Westernreiterei: In der Working-Ranch-Tradition gehört das Handpferd zum Arbeitsalltag. Beim Eintreiben von Vieh über weite Strecken ist ein zweites Pferd unerlässlich.
- Showreiterei und Vorführungen: Bei Schauvorführungen, historischen Umzügen und Paraden werden Handpferde als schmückende Begleitung mitgeführt, oft mit prachtvollem Zaumzeug geschmückt.
Technik und Ausrüstung
Das Führen eines Handpferdes erfordert Übung und reiterliches Geschick. Der Reiter muss in der Lage sein, sein Sattelpferd einhändig sicher zu steuern, während er mit der anderen Hand den Führstrick oder die Zügel des Handpferdes kontrolliert. Üblicherweise wird das Handpferd auf der rechten Seite des Sattelpferdes geführt, da im Straßenverkehr vieler Länder rechts geritten wird und das Handpferd so nicht zur Fahrbahnmitte hin läuft.
Als Ausrüstung dienen in der Regel ein Halfter mit Führstrick oder eine Trense beim Handpferd. Der Führstrick sollte lang genug sein, um dem Handpferd etwas Bewegungsfreiheit zu geben, darf jedoch nicht so lang sein, dass sich das Pferd oder der Reiter darin verfangen könnte. Eine Länge von etwa 1,5 bis 2 Metern hat sich bewährt. Der Strick wird niemals um die Hand gewickelt, sondern in Schlaufen gehalten, um ihn im Notfall schnell loslassen zu können.
Das Sattelpferd sollte neck-reining beherrschen oder zumindest zuverlässig auf einhändige Zügelführung reagieren. Westernpferde eignen sich daher besonders gut als Sattelpferd, da sie traditionell einhändig geritten werden. Im Englischreiten kann die Zügelbrücke verwendet werden, um beide Zügel in einer Hand zu bündeln.
Sicherheitsaspekte
Das Führen eines Handpferdes birgt spezifische Risiken, die durch Vorbereitung und Training minimiert werden können:
- Beide Pferde sollten vorab aneinander gewöhnt werden. Rangunterschiede und eventuelle Aggressionen – etwa Treten oder Beißen – müssen erkannt und berücksichtigt werden.
- Stuten in der Rosse und Hengste sollten nicht unbedarft als Handpferd oder Sattelpferd kombiniert werden, da hormonell bedingtes Verhalten die Kontrolle erschwert.
- Im Straßenverkehr gelten je nach Landesrecht besondere Vorschriften für das Mitführen von Handpferden. In Deutschland regelt die Straßenverkehrsordnung (StVO), dass das Führen von Pferden neben dem