Harrier
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Steckbrief
- Herkunft: Großbritannien (England)
- FCI-Gruppe: Gruppe 6 – Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen, Sektion 1.1 (Große Laufhunde)
- FCI-Standard Nr.: 295
- Größe: 48–55 cm Widerristhöhe
- Gewicht: 20–27 kg
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre
- Fell: Kurz, dicht, glatt und wetterfest
- Farben: Alle anerkannten Hound-Farben, typischerweise dreifarbig (schwarz-weiß-loh), zweifarbig (weiß-loh, weiß-zitronengelb) oder weiß mit verschiedenfarbigen Abzeichen
Herkunft & Geschichte
Der Harrier zählt zu den ältesten Laufhundrassen Englands. Seine Abstammung reicht vermutlich bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die erste dokumentierte Harrier-Meute, die „Penistone Pack", wurde bereits um 1260 in England erwähnt. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom normannisch-französischen Wort „harier" ab, was so viel wie „Jagdhund" bedeutet, obwohl oft eine Verbindung zur Hasenjagd (englisch „hare") hergestellt wird.
Über die genaue Abstammung des Harriers gibt es unterschiedliche Theorien. Eine gängige Annahme ist, dass er aus Kreuzungen zwischen dem English Foxhound, dem Greyhound und dem inzwischen ausgestorbenen Talbot Hound hervorgegangen ist. Andere Quellen sehen ihn als eigenständige Entwicklung aus älteren südenglischen Laufhundlinien, die gezielt für die Meutejagd auf Hasen und Füchse gezüchtet wurden.
In seiner Heimat wurde der Harrier über Jahrhunderte hinweg als reiner Meutehund für die berittene Parforcejagd eingesetzt. Im Gegensatz zum größeren Foxhound war er langsam genug, um auch von Jägern zu Fuß begleitet werden zu können. Zeitweise existierten in England über 100 registrierte Harrier-Meuten. Der Rassestandard wurde vom Kennel Club anerkannt und später von der FCI übernommen. Heute ist die Rasse außerhalb Englands und Frankreichs vergleichsweise selten. Auch in der Zucht ist die Zahl der aktiven Zuchtverbände und Züchter überschaubar, was den Harrier zu einer echten Liebhaberrasse macht.
Aussehen & Rassemerkmale
Der Harrier wird oft als „kleiner Foxhound" beschrieben, besitzt jedoch durchaus eigenständige Rassemerkmale. Er ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Laufhund mit harmonischen Proportionen. Sein Körperbau ist auf Ausdauer und Geschwindigkeit ausgelegt, dabei aber weniger massig als der des Foxhounds.
Der Kopf ist ausdrucksvoll mit einem mäßig breiten Schädel, einem deutlichen Stop und einer gut entwickelten Schnauze. Die Augen sind mittelgroß, dunkel und verleihen dem Harrier einen aufmerksamen, freundlichen Ausdruck. Die Ohren sind V-förmig, mittellang und liegen flach an den Wangen an – typisch für Laufhunde seiner Art.
Der Hals ist lang und muskulös, der Rücken gerade und fest. Die Brust reicht tief bis zu den Ellenbogen und bietet ausreichend Raum für Herz und Lunge – eine Voraussetzung für die enorme Ausdauer dieser Rasse. Die Rute wird aufrecht, aber nicht über den Rücken gerollt getragen. Die Läufe sind gerade, kräftig und mit runden, festen Pfoten ausgestattet.
Das Fell ist kurz, dicht und liegt glatt am Körper an. Es bietet zuverlässigen Schutz gegen Wind und Nässe und ist pflegeleicht. Laut Rassestandard sind alle typischen Hound-Farben zulässig.
Charakter & Wesen
Der Harrier ist ein freundlicher, geselliger und ausgeglichener Hund. Sein Wesen ist geprägt durch Jahrhunderte als Meutehund: Er ist extrem verträglich mit anderen Hunden, kontaktfreudig gegenüber Menschen und zeigt kaum Aggressionsneigung. Gegenüber seiner Familie ist er treu, anhänglich und verspielt.
Gleichzeitig ist er ein eigenständiger Hund mit ausgeprägtem Jagdtrieb. Seine feine Nase und sein Spürsinn machen ihn zu einem leidenschaftlichen Fährtensucher. Dieser Jagdinstinkt sollte keinesfalls unterschätzt werden – hat ein Harrier eine Fährte aufgenommen, kann er erstaunlich taub gegenüber Rückrufen werden. Eine wachsame Grundhaltung gegenüber Fremden ist vorhanden, doch als reiner Wachhund eignet er sich nicht, da er in der Regel zu freundlich und wenig territorial ist.
Typisch für die Rasse ist eine fröhliche, manchmal fast clowneske Art, die das Zusammenleben ausgesprochen unterhaltsam macht. Harrier sind intelligent, benötigen aber eine konsequente und geduldige Erziehung, da sie wie viele Laufhunde einen gewissen Eigensinn mitbringen.
Haltung & Pflege
Der Harrier ist kein Hund für die Stadtwohnung. Er braucht viel Auslauf und Beschäftigung, idealerweise mehrere Stunden aktive Bewegung am Tag. Lange Spaziergänge, Joggen, Radfahren oder Fährtenarbeit sind ideale Aktivitäten. Ein großer, sicher eingezäunter Garten ist von Vorteil, denn der Harrier ist ein Meister im Ausreißen, wenn er eine interessante Spur wittert.
Aufgrund seiner Herkunft als Meutehund fühlt sich der Harrier in der Gesellschaft anderer Hunde besonders wohl. Die Haltung als Einzelhund ist möglich, erfordert jedoch umso mehr menschliche Zuwendung und Beschäftigung. Einsamkeit verträgt er schlecht – Langeweile äußert sich schnell in übermäßigem Bellen oder destruktivem Verhalten.
Die Fellpflege ist unkompliziert. Wöchentliches Bürsten reicht aus, um lose Haare zu entfernen und die Hautdurchblutung zu fördern. Besonderes Augenmerk sollte auf die Schlappohren gelegt werden: Sie sind anfällig für Entzündungen und sollten regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden. Krallen, Zähne und Augen bedürfen der üblichen Routinepflege.